(Neuerscheinung) Gute Geister von Kathryn Stockett

Klappentext: Drei außergewöhnliche Frauen treffen eine gewagte Entscheidung. Jackson, Mississippi, 1962. Abileen, eine geschickte und warmherzige farbige Nanny, hat schon viele weiße Kinder großgezogen. Ihre beste Freundin Minny, ebenfalls Schwarze, arbeitet auch als Hausmädchen. Sie ist für ihre außergewöhnlichen Kochkünste, aber auch für ihr vorlautes Mundwerk bekannt. Die Dritte im Bunde ist Skeeter, eine junge Weiße, die sich unwillig zeigt, sich den Heiratsplänen ihrer Mutter zu unterwerfen. Lieber will sie ein eigenständiges Leben als Journalistin führen. Mit Menschlichkeit und Witz gelingt den drei außergewöhnlichen Frauen, ein Coup, der die rassistische Kleinstadt für immer verändert…  

Mein erster Eindruck (nach 1 Stunde, 15 Minuten)Und es spricht… Whoopie Goldberg! Zu Mindest am Anfang. Denn Abileen wird von niemand anderem als Regina Lemnitz verkörpert. Ich finde das direkt schon mal sehr schön bildhaft und stelle mir eine ältere, dickliche Whoopie vor, wie sie ihrer Familie das Haus macht. 

Nina Petri spricht Minny, eine freche, kratzige Stimme, die sich einfach nur toll anhört. Marie Biermann ist Skeeter, die eigentlich Eugenia heißt. Vom Mann im Bunde ist auf der ersten CD leider noch nichts zu hören. 
Die wechselnden Erzähler halten die Geschichte frisch und ich freue mich darüber, dass verschiedene Stimmen engagiert wurden, so weiß man immer gleich, wer erzählt. 
Die Geschichte läuft in der ersten CD erst an, und ich habe noch 5 CDs vor mir. Die Charaktere stellen sich erst einmal vor, aber ein richtiger Konflikt ist noch nicht in Sicht. 
Insgesamt bin ich gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte, die Stimme von Stephan Benson und wie die Charaktere sich im Laufe der Handlung verbünden…

Meine Meinung: Ich freue mich dieses Buch gelesen zu haben, denn es ist eines dieser ganz besonderen Bücher, die einen berühren, erfreuen, tod traurig stimmen und schließlich voller Hoffnung entlassen. 
Es erzählt die Geschichte zweier Dienstmädchen und einer jungen weißen Frau, die sich zusammenschließen und gegen die rassistischen Verhältnisse in den Südstaaten demonstrieren, indem sie ein Enthüllungsbuch über die Verhältnisse in weißen Haushalten schreiben. 
Mich hat erschüttert zu hören, dass noch Anfang der 60er Jahre Verhältnisse in den Vereinigten Staaten herrschten, die eine Horde Männer dazu veranlassen hätten können, einen schwarzen Mann blind zu prügeln, weil er die gleiche Toilette wie sie benutzt hat. Dass zu Lebzeiten meiner Eltern noch viele Leute glaubten die Hautfarbe wäre nicht nur eine Variation in der Melaninproduktion, sondern zeige eine grundverschiedene Genstruktur. 
Es war schwer für mich diese rassistischen Auffassungen mit an zu hören, vor allem, da sie aus den Mündern von Frauen kamen, die in meinem Alter sind. Ich konnte nicht begreifen, wie eine Frau, die Frau, welche ihr Kind aufzieht, es in den Schalf wiegt, ihm zu Essen macht, mit solch einer Herablassung behandeln kann. 
Um so mehr freute ich mich über die Wendung des Buches, darüber dass die unterdrückten Dienstmädchen sich wehren und zurück schlagen. Nicht mit Fäusten, sondern mit Worten und wahren Geschichten.
Die Hauptfiguren des Buches sind bemerkenswert, mutig, stoisch, manchmal frech. Einfache schwarze Frauen, die sich trauen etwas zu verändern. Die voller Liebe sind, für die Kinder die sie aufziehen, obwohl es nicht ihre eigenen sind. Und diese Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Leben zurück stellten, um das der Familie für die sie arbeiteten angenehmer zu machen. Aber auch in ständiger Angst, ihre weißen Arbeitgeber zu verärgern und so alles zu verlieren, leben müssen. 
Denn bis auf Miss Skeeter werden die weißen Figuren im Buch als grundweg unangenehm, rachsüchtig, dumm und herrisch beschrieben. Menschen quasi, um die jeder, besonders ich, am liebsten einen großen Bogen machen würde.
Ich finde die verschiedenen Perspektiven, aus denen das Buch erzählt wird sehr schön, da man auch verschiedene Meinungen zu hören kriegt und lernen kann wie es sich anfühlte damals schwarzes Dienstmädchen zu sein, aber auch wie das Leben für eine junge weiße Frau aus gutem Hause war. Die Brücke, welche die Autorin zwischen diesen grundverschiedenen Figurengruppen schlägt, hat viel Raffinesse und zeigt, dass abseits gesellschaftlicher Vorstellung Gemeinsamkeiten bestehen und man mit vereinten Kräften etwas bewegen kann. 
Meiner Meinung nach hat dieses Buch, trotz all des Rassismus und der Ungerechtigkeit, eine sehr inspirierende Aussage, für alle, die sich die Zeit nehmen möchten zuzuhören.  
Zum Hörbuch: Ein sehr schön gestaltetes und kompakt verpacktes Hörbuch, mit Coveraufdrucken in blassblau auf den einzelnen CDs, sowie glänzendem Schriftzug. Die volle Ausnutzung des standardisierten Hüllenformates, für 6 CDs, macht das Konstrukt leider sehr filigran in der Handhabung.
Ich liebe die Stimme von Regina Lemnitz, da ich sie schon aus vielen Filmen kenne und mich bei ihrem Klang einfach nur heimelig und aufgehoben fühle. 
Obwohl die Sprecherin selbst Deutsche ist, passt ihre Stimme sehr gut zur afrikanisch-amerikanischen Abileen und drückt in ihrer rauchigen Wärme genau das aus, was die Figur im Buch symbolisiert. 
Genau so ist es mit der kratzig, frechen Stimme von Nina Petri, die Minny spricht und der jugendlichen Frische der Stimme von Marie Biermann alias Miss Skeeter, beide sind gut besetzt worden. 
Was Stephan Benson auf dem CD Cover soll, ist mir persönlich jedoch schleierhaft. Denn er spricht auf 455 Minuten eine 10 Minuten Sequenz, die man sich vielleicht auch hätte sparen können oder umschreiben? Auf jeden Fall ist es etwas merkwürdig jemanden nur so kurz im Buch lesen zu hören und er kommt definitiv nicht gegen die starken Frauenstimmen an, welche das Buch ansonsten dominieren.
Da der Roman aus der ersten Perspektive verschiedener Hauptpersonen erzählt wird, macht es Sinn verschiedene Sprecher zu engagieren. Und der Wechsel bringt immer wieder was neues auf die Ohren. So wird man nie eingelullt, wie es passieren kann, wenn nur ein Schauspieler vorliest – auch wenn das Buch noch so gut ist. 
Fazit: Ein Buch zum immer wieder Lesen, bzw. Hören, ob man nun schwarze oder weiße Südstaatlerin ist, eine junge deutsche Studentin oder jemand ganz anderes.
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5 Kommentare zu „(Neuerscheinung) Gute Geister von Kathryn Stockett“

  1. Danke für die tolle und ausführliche(!) Rezension 🙂 Bei mir SUBt noch das englische Original – ich glaub, ich sollte es endlich mal lesen.Außerdem hast du einen tollen Blog – super,dass du so viele Hörbücher rezensierst,da ich normalerweise kein Hörbuchtyp,aber zwecks längerer Autofahrten derzeit auf der Suche nach etwas „Hörbarem“ bin.Bei dir finde ich ja genug Anregungen :)Ich habe dich auch gleich auf meine Blogroll gesetzt.Ein schönes Wochenende wünscht dirKathrin

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