(Hörbuch) Das Herz ihrer Tochter von Jodi Picoult

Die Quintessenz: Shay Borne sitzt in der Todeszelle, für den Mord an einem Polizisten und seiner kleinen Tochter. Angeblich vollbringt er dort Wunder, die manche Menschen zu der Überzeugung bringen er sei der wiedergeborene Messias. Derweil bangt die Witwe des Polizisten um das Leben ihrer jüngsten Tochter, die dringend eine Herzspende benötigt.

Meine Rezension:

Ein weiterer Genie-Streich von Jodi Picoult 😀 Ich lese die Bücher dieser Autorin unglaublich gerne. Denn sie hat eine besonders herzliche, menschliche Art mit den Gewissensfragen des Daseins umzugehen. Und so beschäfftigt sich Jodi Picoult in diesem Roman mit Organ-Spende-Ethik, der Menschlichkeit der Todesstrafe, sexuellem Missbrauch, Schuld, Religiosität, und, und, und…

Es werden also mächtig Probleme gewälzt, was sich für den Picoult-Laien wohl erstmal nach etwas zu viel Anspruch mit Hang zur Langatmigkeit anhören dürfte, wird durch die Begabung der Autorin für Charaktere zu einem wunderschönen Lese-Abenteuer. Diese Autorin muss einen Pakt mit dem Teufel haben oder einfach nur einen riesigen Haufen Talent. Denn es wuchsen mir beim Lesen wirklich alle Figuren ans Herz – und dabei bin ich was meine Zuneigung zu Roman-Figuren angeht eigentlich eher von der wählerischen Sorte 😉

Und auch der Plot kann sich sehen lassen, viel wird geboten an Fragen und einiges wird geliefert an Antworten – manches ist nicht so wie es scheint, aber schließlich ist dies hier auch kein Märchen und so war ich am Ende ganz froh als nicht jeder Erzählstrang mit Friede, Freude und Eierkuchen endete.

Was ich beim Lesen von Picoults Romanen manchmal bedauere, ist dass sie sich die schriftstellerische Prämisse „write what you know“ doch sehr zu Herzen nimmt. So sind ihre Bücher immer gleich aufgebaut, mit gesplitteter Erzählperspektive gehen sie eine oder mehrere ethische Fragen an. Das garantiert viele Romane aus der Feder Picoults, aber auch viel Schema F – wobei sich davon sicher nicht jeder Leser gestört fühlen dürfte, schließlich ist der Unterhaltungsfaktor trotz allem immer wieder sehr hoch 😉

Das Hörbuch: In der Hörbuch-Version erhalten die verschiedenen Perspektiven verschiedene Stimmen, was gut passt und auch dabei hilft die Figuren zu unterscheiden. Zudem fühlt man sich ihnen als Hörer näher und kann sich schnell von einer Figur in die nächste einfühlen. Die Stimmen selbst sind ebenfalls charakter-getreu ausgesucht worden, ein Mix aus jugendlichen und starken Stimmen, die den Charakter der jeweiligen Figur gut zum Ausdruck bringen. Der mysteriöse Shay Borne kommt allerdings nicht zu Wort, aber das würde ja auch die Spannung kaputt machen 😉

Meine Empfehlung: Wenn schon Schema F dann aber richtig und keiner macht das so gut wie Jodi Picoult. Daher ist dieser Roman absolut empfehlenswert für Picoult-Einsteiger und -Liebhaber, und alle anderen die nach einem intelligenten Frauenroman suchen 🙂

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8 Kommentare zu “(Hörbuch) Das Herz ihrer Tochter von Jodi Picoult”

  1. „Das Herz ihrer Tochter“ ist auch eines von Picoults Büchern, die ich unbedingt noch lesen muss. Und ich danke dir für deine positive Rezension, die mich darin noch bestärkt hat 😉 Im Internet schwirren ja so einige Rezensionen zu diesem Buch herum und die Meinungen gehen von „begeistert“ bis hin zu „hab es mir besser vorgestellt“, So hab ich in einigen Kritiken gelesen, dass dieser Roman zum Teil stark an „The Green Mile“ erinnern soll. Mich würde das nicht weiter stören, da ich den King-Roman liebe, aber einige fanden diese Elemente in einem Picoult-Buch wohl nicht so toll. :-/

    Das mit dem Schema F ist mir beim dritten Picoult-Buch, das ich gelesen habe, auch aufgefallen. Nicht nur die unterschiedlichen Erzähler, sondern die zumeist gestörten Familien- oder Liebesbeziehungen, neben dem eigentlichen Sorgen-/Problemkind gibt es immer jemanden (meist der Anwalt, der natürlich immer einer Verwandter oder Bekannter oder künftiger Geliebter ist), der selbst starke Probleme hat (Alkohol etc.). Aber ganz ehrlich: Auch wenn dieses Schema leicht erkennbar, mich stört es gar nicht. So lang Picoult weiterhin so grandios schreibt, interessante, selten behandelte Themen aufgreift, die Meinung des Lesers so oft in einem Buch zum Schwanken bringt und so wunderbare Charaktere kreiert, kann sie das Schema ruhig noch ewig anwenden 😉

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    1. Ich habe „The Green Mile“ nicht gelesen und daher kann ich keinen Vergleich herstellen. Allerdings hat dieses Thema, ob nun von Stephen King inspiriert oder nicht, natürlich den typischen Picoult Stil und der Roman ist daher genauso lesenswert, wie alle ihre anderen Bücher.
      Wenn Du Picoult liebst, dann wird Dir dieses Buch gefallen – es hat ein paar mystische Elemente – aber mir hat das sehr zugesagt und es fügt sich nahtlos in die Geschichte ein.

      Ich werde auch nicht aufhören Jodi Picoult zu lesen 🙂
      Die Wiederholungen innerhalb der Bücher sind der Preis den der Leser für Quantität und gleich bleibende Qualität zahlen muss.
      Ich finde es reicht oft schon, wenn man nicht jeden Monat ein Picoult Buch liest, um das Schema weniger deutlich wahr zu nehmen.

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  2. Ich finde Picoult-Bücher doof. So, jetzt ist es raus. 😉 Sie packt immer 1000 Probleme in eine Geschichte und hat am Ende nie eine Lösung, die mir gefällt. Oft liegt das daran, dass es auf die Fragen, die sie aufwirft, keine richtige oder falsche Antwort gibt, aber ihre Charaktere mag ich zumeist auch nicht, von daher werde ich ihr mit ’19 Minuten‘ noch eine Chance geben, weil ich das Hörbuch mal günstig bekommen hatte, aber wenn das auch nichts ist, dann war’s das mit Frau Picoult und mir.

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    1. Jedem das seine 😉
      Ich mag Jodi Picoult gerade weil sie so viele heiß diskutierte Themen angeht, besonders „Für das Leben meiner Schwester“ hat mir gut gefallen, denn das Thema Spender-Kinder interessiert mich sehr.

      19 Minuten hab ich letztes Jahr gehört, das Hörbuch ist gut produziert und interessant – ich glaube Antworten auf die im Laufe der Handlung gestellten Fragen gibt es allerdings nicht. Ich hoffe das Buch wird Dich trotzdem nicht enttäuschen – Hörbücher können eine sub-optimale Geschichte schließlich auch beleben 😉

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      1. Seh ich alles ganz genauso wie du, Katarina. Und es ist schon irgendwie lustig: Alles, was Nina kritisiert hat, gefällt mir bei Picoults Romanen am meisten. 😀
        Ich kann aber auch verstehen, dass diese intensiven Probleme/Thematiken etc. manch einen stören können.Jeder hat seine eigenen Vorlieben. Ich wäre dafür ziemlich schnell gelangweilt von 08/15-Frauenromanen oder den ach-so-populären Bestsellern a la „Vollidiot“ & Co. 😉

        Ich mags gern komplex und nachdenklich.Aber wie du schon oben erwähnt hast: Zwischen einzelnen Picoult-Büchern muss auch mal etwas anderes, leichteres gelesen werden.

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      2. Mir war das in »Beim Leben meiner Schwester« alles zu viel. Und das Ende hat mir gar nicht gefallen. Das wurde im Film ausnahmsweise mal wesentlich besser gelöst.
        Auf das HörbuchPlus hoffe ich auch. Soweit ich weiß, lesen da verschiedene bekannte Leute mit. Das könnte interessant werden.

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      3. Ich hab den Film hier und schau ihn mir bei Gelegenheit mal an – ich weiß mir ging es bei einem Detail im Roman ähnlich. Da hatte ich das Gefühl der Film hätte es besser gelöst, ich glaube es hatte mit dem Anwalt zu tun – aber genau weiß ich es nicht mehr, ist schon was her, dass ich das Buch gelesen hab 😉

        Ich glaub Tom Schilling spricht den Amokläufer, mir persönlich hatte allerdings Katharina Wackernagel am besten gefallen. Ich hab’s nicht so mit der Stimme Schillings, die ist so hoch und brüchig.

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      4. @Kathrin: Manchmal kann’s mir gar nicht komplex genug sein – ich bin halt eine alte Problemwälzerin 😉

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