(Lesen ist hardcore!) Raum von Emma Donoghue

Jack und seine Mutter werden in einem Gartenschuppen gefangen gehalten und das schon seit vor Jacks Geburt. Nun ist Jack fünf Jahre alt und seine Mutter beschließt, dass es Zeit ist ihm zu erzählen, dass es eine Welt außerhalb des Raums gibt, in dem sie leben müssen. Jacks Mutter beschließt, dass es Zeit ist zu fliehen.

Gedanken zum Buch…

Ich hatte mit Kathrin (Phantásienreisen) kurz über dieses Buch geredet, sie erzählte mir, dass sie es angefangen, aber nie zu Ende gelesen hatte. Ich habe es zu Ende gelesen und kann jeden der zögert aus Angst es könnte schlimm enden, ihn roh und verzweifelt zurück lassen, an dieser Stelle beruhigen. Das Buch fängt in einer Welt an, die von einem kranken Verbrecher geschaffen wurde, schließt aber versöhnlich. Doch eines muss hier gesagt sein, Emma Donoghue schrieb keinen Weichspül-Roman und jeder Teil davon schneidet den Leser ein klein bisschen tiefer ins Fleisch.

Es braucht eine stabile Psyche, um dieses Buch unbeschadet durchzulesen. Denn einfach als Phantasie-Konstrukt abtun, kann man die Geschichte von Jack und seiner Ma nicht, ich erinnere hier an Fälle aus der Presse – Natascha Kampusch, Fritzl, etc. die dem Roman sicher als Inspirationsquelle dienten. Dabei bewundere ich gleichzeitig den Mut Donoghues, die sonst nicht weniger aufwühlende Bücher schreibt, von denen ich sicher noch ein paar lesen werde, ein solches Thema literarisch zu erörtern. Es muss schwer gewesen sein, besonders als Mutter, sich mit einem solchen Verbrechen an der Menschenwürde auseinanderzusetzen. Trotzdem bin ich froh, dass sie es getan hat.

Denn so durfte ich ihre beeindruckenden Hauptfiguren Ma und Erzähler Jack kennen lernen. Ma ihres Zeichens eine Mutter, die alles für ihr Kind opfert und sich einem Täter ergibt, um den kleinen jungen, den sie im Schrank versteckt hält vor ihm zu schützen. Eine Frau, die trotz allem weiter lebt, nicht für sich sondern für ihren geliebten Sohn. Wieder und wieder brach mir beim Lesen das Herz. Jack seines Zeichens ein fast normaler aufgeweckter kleiner Junge. Dass er die Geschichte erzählt, macht sie oft holperig und sprachlich sehr ungewöhnlich, schließlich haben fünf jährige keine perfekte Grammatik und einen eingeschränkten Wortschatz. Ich sehe aber auch ein, dass es diese Erzählperspektive ist, die den Leser in den Bann des Romans zieht.

Man erfährt trotzdem all das über die Grausamkeiten des Kidnappers der Mutter, was es braucht, um die Situation in der sich Ma und Jack befinden als das sehen zu können, was sie ist – menschenunwürdig. Aber Donoghue gibt dem Leser immer wieder Zeit zum Verschnaufen, wenn sie durch Jack von alltäglichen Dingen, von Liebe und Geborgenheit erzählt, die selbst im „Room“ existieren.

Ich werde Dir nichts vormachen, indem ich Dir erzähle dieses Buch ist schön. Denn das ist es nicht. Ich habe nur einen Teil (von fünf) am Tag gelesen und trotzdem hat mich der Roman über die Maßen mitgenommen. Ich kann aber nicht umhin ihn Dir dennoch ans Herz zu legen, auch wenn es weh tut. Denn es ist eine brillante Auseinandersetzung mit einem herzzerreißenden Thema, vor dem niemand die Augen verschließen sollte.

Kurz gesagt… Herzzerreißend, aber unbedingt lesenswert. Ein brillantes Buch, dass mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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13 Kommentare zu „(Lesen ist hardcore!) Raum von Emma Donoghue“

      1. Mal gespannt, ob es in dieser Hinsicht „Sieben Minuten nach Mitternacht“ toppt, da habe ich sogar in der Bahn heulen müssen (war mir aber egal). Ob mich das Buch als Mutter vielleicht sogar noch mehr berührt? Spätestens im Oktober steht es auf meiner Leseliste.

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    1. Die Mutter im Buch opfert sich schon sehr, bzw. fast völlig für ihr Kind auf. Sie lebt weiter, obwohl sie in dieser Hölle gefangen ist und das alles nur für ihren Sohn Jack.
      Ich denke wenn man selber Mutter ist kann man diese Bereitschaft für das Glück und Wohlergehen seines Kindes alles zu geben, und Opfer zu bringen, ein Stück besser nachvollziehen als kinderlose Leserinnen das können.

      „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist ein guter Tipp. Ich werde mich da gleich mal informieren. Obwohl ich nach Room erstmal eine kleine Verschnaufpause brauche.

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  1. Tja, ich sollte dem Buch wohl nach nun drei sehr vertrauenswürdigen positiven Meinungen wohl doch endlich eine Chance geben. Allerdings dann in Englisch 😉 In die deutsche Ausgabe las ich kurz rein,allerdings ging beim Übersetzen wohl gleich zu Beginn ein Abschnitt verloren, da an einer Stelle (als Jack gestillt wird) ein Übergang sehr auffällig fehlt.

    Was ich nicht vermutet hätte, ist, dass „Room“ so sehr an die Nieren gehen kann – ich hatte irgendwie die Erwartung, dass durch Jacks Erzählperspektive die Thematik etwas weniger „heftig“ behandelt wird. Umso besser, wenn dem nicht so ist!

    Ich danke dir vielmals für deine Rezension, die mir nun doch einen etwas besseren Einblick in „Room“ geben und mich vor allem überzeugen konnte! 🙂

    Einen noch wunderschönen Abend wünsche ich dir!

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    1. Es freut mich, dass ich Dich überzeugen konnte. Es ist kein Buch, dass ich jedes Jahr wieder lesen würde, aber ich bin trotzdem froh es gelesen zu haben 🙂

      Es ist ein krasses Buch, auch durch den Kontrast zwischen Jack, der alles eigentlich unbeschadet übersteht und seiner psychisch wie körperlich zerrütteten Mutter, die sich nur durch etliche Jahre Gefangenschaft und Missbrauch gequält hat, damit ihr Sohn eines Tages die Welt draußen sehen kann.
      Auch wenn Jack nicht ganz versteht, was er hört, kriegt er doch einiges an Unterhaltungen, etc. mit und so ist auch der Leser diesen Dingen ausgesetzt, nur dass man als Erwachsener natürlich alles zuordnen kann und anschließend emotional mitgenommen ist.

      Ich hab das Buch ganz langsam gelesen, um mich nicht emotional zu überfordern. Ich neige oft dazu mir derlei sehr zu Herzen zu nehmen. Wenn es Dir da ähnlich geht, würde ich Dir das gleiche empfehlen – schwer verdaulich ist das Buch aber trotzdem.

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  2. Mir scheint, „Room“ geht – hinsichtlich Erzählstil und emotionaler Berührung – sehr in Richtung von Boynes „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Noch ein Grund mehr, das Buch zu lesen! 😀

    Mmh, mir gehen solche Geschichten bzw, Thematiken auch beim Lesen sehr nahe. Aber ich liebe so etwas – dieses Gefühl, das dabei entsteht und dieses immer neue Bewusstsein, was Bücher in einem selbst bewegen können.

    Um „Room“ hat sich mittlerweile – zumindest bei allen Buchhändlern – ein kleiner Hype entwickelt. Es würde mich nicht wundern, wenn es auch bald zu einer Verfilmung käme. Ich weiß grad nicht, ob ich mir wünschen soll, dass diese dann so aufwühlend werden sollte wie „Lovely Bones“…

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    1. Wenn Room verfilmt wird, bleibt sicher kein Auge trocken. Der Stoff ist einfach zu intensiv und filmisch umgesetzt hat man dann all diese Emotionen auf einen Schlag. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ähnlich heftig würde wie der Film zu „Der Junge im gestreiften Pyjama“.
      Hast Du den schon gesehen?
      Im Buch kam das Ende irgendwie nicht so gut zur Geltung, ich hatte den Film aber auch schon vorher gesehen.

      Hier in GB gab es auch einen Hype um den Roman, allerdings ungefähr ein Jahr früher. Das Buch war auch für den Orange und den Man Booker Preis nominiert. Also daher in aller Munde.
      Was in der Werbung etwas übergangen wurde, ist meiner Meinung nach, wie das Buch den Leser emotional mitnimmt. Was für zwischendurch ist es auf keinen Fall.

      Wie ich schon empfohlen hatte, lass Dir Zeit mit der Lektüre. Der erste Teil ist ein bisschen zäh, aber sobald Du darüber hinaus bist wird es fließender zu lesen.

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    1. Ja, ich bin noch dabei 😀
      Da ich im Moment akuten Internet-Mangel habe muesst ihr auf die Oktober Rezi noch ein wenig warten, aber ich hab das Buch schon gelesen und plane schon das November Buch 🙂

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  3. Meine Psyche ist nicht stabil und ich konnte das Buch sehr gut lesen, es ist eines derer die ich nicht vergessen werde. Wirklich gut geschrieben, und inzwischen auch verfilmt. Ich mag es total wie die Autorin es schafft diese unterschiedlichen Wahrnehmungen von Raum zu beschreiben.
    Eigentlich surf ich grad hier rum weil ich deine rezi zu Lena Dunham suche, find Sie leider auch nicht über die Suchfunktion.

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    1. Das freut mich, dass Du gut mit dem Buch zurecht gekommen bist 🙂
      Ich persönlich tat mich mit der Erzählstimme etwas schwer; im Film kommt die Kluft zwischen dem was der kleine Erzähler mitkriegt und der Realität irgendwe besser rüber.

      Lena Dunhams Buch steht auf meiner Wunschliste, gelesen, bzw. rezensiert habe ich es also noch nicht.

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      1. Den Film will ich auch noch sehen! Ah gut zu wissen das mit Lena dunham, da ich ja jetzt followe werd ich es nicht verpassen – ich könnte es dir auch ausleihen wenn du magst – oder du fragst mal beim Verlag 🙂

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