(Neuerscheinung) Die Tigerfrau von Téa Obreth

Natalias Großvater ist verstorben. Der selbe Großvater, der sie als Kind in den Zoo zu den Tigern mitnahm. Der selbe Großvater, der ihr Geschichten erzählte, von der Tigerfrau und dem Mann der nicht sterben konnte. Und nun wird seine Leiche an die Familie geliefert, doch ohne seine persönlichen Besitztümer. Also schickt Natalias Großmutter sie auf die Suche nach den Dingen, die er bei sich trug, was nicht einfach ist, denn dort wo früher ein Land war sind nun Vorurteile und Feindschaften, denen Natalia machtlos gegenüber steht.

Meine Gedanken zum Buch… 

Dieses Buch ist eines auf das man sich einlassen muss. Denn leicht macht es die Tigerfrau dem Leser nicht. Man wird hin und her gerissen zwischen Fetzen einer Geschichte ist mal an Natalias Seite, mal an der ihres Großvaters, mal in dessen Fantasie. So verliert man den Faden wieder und wieder, sammelt ihn auf, verschließt ihn in der Faust und er entgleitet einem doch wieder. Bis man aufgibt, die Geschichte nicht mehr zu kontrollieren versucht und sich treiben lässt.

Ab diesem Punkt entfaltet die Tigerfrau ihre Magie. Denn wer dieses Buch in eine Schublade zu stecken versucht, wird daran verzweifeln. Nur der Genießer, der Abenteurer, wird den Schlüssel zum Text entdecken. Ich selbst brauchte eine Weile, bis ich verstand was die Juroren des Orange Preises und so viele andere Leser vor mir nun so besonderes finden an diesem Buch, das sich weigert kategorisiert zu werden und dem chronologischen Aufbau keck die Zunge heraus streckt.

Doch dann verfällt man dem Großvater und der Magie seiner Geschichten, die er so gekonnt mit der Wirklichkeit verflicht, das es sich hier fast um magischen Realismus handeln könnte. Demnach erzählt Téa Obreht in beeindruckenden Sprachbildern von der Geschichte eines Krieges, der Zerrissenheit eines Landes und den Menschen die darin leben, sich aber plötzlich nicht mehr kennen wollen. Wer die Tigerfrau noch nicht aus ihrem Käfig gelassen hat, sollte dies sobald als möglich tun. Denn dieses Buch ist unbeschreiblich und muss erlebt werden.

Das Hörbuch… ist ungekürzt. Das hört sich zunächst mal toll an, verpasst man so doch nichts. Aber wie Frederike in ihrem blauen Raum schon erwähnt hat, ist Lesen nicht gleich Hören und so wirkte die Audio-Fassung des Romans mit neun CDs auf mich viel zu lang. Die wechselnden Sprecher Rike Schmid als Natalia, die durch das Geschehen führt und Stephan Benson, der die Geschichten des Großvaters erzählt, bringen zwar Abwechslung an die Ohren, aber ab der sechsten CD ist die Aufmerksamkeitsspanne bei mir trotzdem drastisch verkürzt. Schade, denn stimmungsmäßig eignet sich der Stoff sehr gut für die Vertonung. Wie dem auch sei, wer glaubt sich besser konzentrieren zu können als ich oder vorhat nur eine CD am Tag zu hören, sollte sich von der Länge des Hörbuchs nicht abschrecken lassen.

Kurz zusammen gefasst… Eine Zwiebel von einem Roman, der sich für jeden lohnt, der bereit ist sich durch die trockenen, tränenden Schichten zu schälen, bis zum süßen Kern.

Info: Die Tigerfrau – Téa Obreth – ISBN 978-3-8371-1453-9

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4 Kommentare zu “(Neuerscheinung) Die Tigerfrau von Téa Obreth”

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