(Sachbuch) Anständig essen von Karen Duve

Karen Duve, ihres Zeichens Schriftstellerin, hat sich einen ganz besonderen Vorsatz gemacht für das neue Jahr 2010 – ethisch korrekt leben. Da dies mit viel Aufwand verbunden ist, also nicht von heute auf morgen mal ebenso geht, beschließt sie sich ihrem Vorsatz stufenweise anzunähern. So durchlebt sie in ihrem Buch verschiedenste Stufen, vom mittel-reinen ethischen Gewissen der Bio-Konsumenten, bis zur weißen Weste der Frutarier, und hat dabei manchmal mehr, manchmal weniger Freude am Essen.

Meine Gedanken zum Buch…

Ich bin seit Anfang des Jahres ganz begeistert von persönlichen Sachbüchern, denn sie vereinen die Sprachmelodie eines Romans mit Informationen zu Themen, die mich interessieren – das beste aus beiden Welten also. Karen Duves Buch macht da keine Ausnahme, ihr humoriger, lockerer Stil, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, wie man ihn zum Beispiel aus ihrem Roman „Die entführte Prinzessin“ kennt, kommt auch hier wieder zum Einsatz, nur dass sie diesmal sich selbst auf die Schippe nimmt, wenn sie zum Beispiel von ihrer verzweifelten Suche nach der perfekten Bio-Cola schreibt.

Doch dieses Buch ist nicht nur lustig, nicht nur Selbstversuch, sondern auch ein Augenöffner über die Verhältnisse in deutschen Mastbetrieben, Milchwirtschaften und Schlachthäusern. Ein Schock für mich, die zunächst dachte, Massentierhaltung, das machen nur die Amerikaner. Mit nichten, auch deutsche Bauern können Tiere quälen und Karen Duve nimmt hier kein Blatt vor den Mund, auch wenn manches für den Leser, also in diesem Falle mich, schwer zu hören sein mag und tüchtig aufrüttelt.

In dieser Hinsicht finde ich auch, dass Duves Buch um einiges besser ist im Vergleich zu dem von Jonathan Safran Foer, zu Mindest für deutsche Leser. Beide kreisen um das gleiche Thema, doch Duve tut dies nicht mit dem Ziel den Leser zu einer fleischlosen Lebensweise zu bekehren. Sie selbst isst gerne Fleisch, verzichtet nur ungern auf ihre Lederstiefel und kriegt bei veganem Käse das kalte Grauen. So kam sie mir auf Augenhöhe entgegen, als Suchende, nicht als diejenige mit allen Antworten.

Diese Offenheit und dieser Mut zur Fehlerhaftigkeit lassen ihre Entdeckungen und Aufdeckungen, zum Beispiel über die Zustände in deutschen Bio-Betrieben, um einiges tiefer sinken, als es Tiere Essen bei mir vermochte. Zudem gibt es hier einiges zu erfahren über ethisch korrekte Lebensgewohnheiten, die manchmal mehr manchmal weniger praktikabel sind. Das sogar im Selbstversuch, der unbeschönt für Leser die zum Beispiel mit dem Veganismus oder auch nur Bio-Markt liebäugeln, ein realistisches Bild zeichnet, darüber was einen nach der Ernährungsumstellung so erwartet, physisch, psychisch und im Geldbeutel.

Kurz zusammen gefasst… Ich bin begeistert, dieses Buch hat, was Tiere Essen oft vermissen lässt – Humor und Bezug zur Realität des deutschen Lesers, der zwar neugierig ist, aber eventuell gar nicht unbedingt vegan leben möchte 😉

Info: Anständig essen – Karen Duve – ISBN 978-3-442-47647-3

6 Kommentare zu „(Sachbuch) Anständig essen von Karen Duve“

  1. War dir die Massentierhaltung in Deutschland vorher echt nicht bewusst? Eine simple Frage von Angebot und Nachfrage: wir essen gerne und viel Fleisch und wollen es so günstig wie möglich haben – die Bauern liefern so viel und so günstig wie möglich. Dass dann weder Kuh, Schwein noch Huhn vor der Schlachtung glücklich waren, ist klar. Das soll niemanden zum Vegetarier machen, sondern zum bewussten Konsum animieren. Den wahren Preis von Produkten erkennen und nicht auf die schädliche „Geiz ist geil“-Mentalität setzen. In Maßen konsumieren. Aber das steht ja wohl auch alles bei Karen Duve drin. Ich mag solche aufgeschriebenen Selbstversuche übrigens auch, denn sie sind authentisch und ehrlich. Hoffe ich wenigstens.

    Gefällt mir

    1. Ich denke Karen Duve war hier sehr ehrlich, mit sich selbst und auch mit ihren Lesern. Das macht für mich den Charme des Buchs aus 😉

      Man sieht in Deutschland auf dem Land ja immer noch viele Kühe stehen. Ich denke da liegt es nahe anzunehmen, dies wäre Schlachtvieh – sind dann aber wohl eher Milchkühe aus kleinen Betrieben.

      Gefällt mir

  2. Mich hat anständig essen auch mehr berührt als Tiere essen, wie du schon schreibst ist fr. Duve eine von uns 😉 eine die selbst gerne Fleisch isst und doch etwas ändern will. Und unterhaltsam ist die Lektüre noch dazu. Ich hatte das Hörbuch, was auch toll ist, da sie es selbst liest.

    Gefällt mir

    1. Das wusste ich gar nicht, dass sie es selbst eingelesen hat.
      Ich mag Hörbücher mit Autorenstimme immer sehr gern, besonders wenn es ein Sachbuch ist. Da fühlt man sich dem Autor noch ein Stückchen näher.

      Wie klingt Karen Duves Stimme denn so?

      Gefällt mir

  3. Genauso ging es mir mit „Anständig Essen“ auch. Karen Duve ist einfach herrlich, ihre Ehrlichkeit und Selbstironie ist grandios.

    „Tiere Essen“ habe ich noch nicht gelesen, ihr beide klingt ja nicht sooo begeistert…

    Gefällt mir

    1. Jonathan Safran Foers Erzählstimme ist einfach toll und wenn es Dir darum geht macht das Buch „Tiere Essen“ sehr viel Sinn.
      Geht es aber um konkrete Infos zum deutschen Markt, gibt sein Buch wenig her – es geht nun mal um Amerika – Karen Duve bietet da viel mehr anwendbares für deutsche Leser.

      Gefällt mir

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s