(Hörbuch) Schuldig von Jodi Picoult

Daniel ist freiberuflicher Comic-Zeichner und lebt mit seiner Familie ein glückliches, wenn auch bescheidenes Leben in Maine. Doch eines Abends, als er seine Tochter Trixie von einer Partie abholt, gesteht diese ihm sie sei von ihrem Ex-freund vergewaltigt worden, und auf einmal ändert sich alles und lang zur Ruhe gebettete Geister aus Daniels Vergangenheit drängen sich wieder in sein Bewusstsein zurück…

Meine Gedanken zum Buch… Dies ist wohl bisher eines der kontroversesten Bücher Jodi Picoults, was einiges heißen soll geht es hierbei doch um die Autorin von 19 Minuten, und dürfte speziell LeserINNEN schwer im Magen liegen. Mich selbst hielt das Buch, als ich es begann, eine ganze Nacht lang wach. Dies wiederum ist eine gute Indikation dafür, wie sehr es, trotz seiner Kontroverse, den Leser zu fesseln vermag. Man ist von Anfang an schockiert, besonders von den Partyspielen amerikanischer Jugendlicher, und gleichzeitig auf der Seite der Figuren Daniel und Trixie.

Man erlebt die Vergewaltigung und das Danach mit der Tochter der Hauptfigur, als wäre man dessen unsichtbare Zwillingsschwester, immer an ihrer Seite. Zunächst scheint alles so klar, hier das Opfer – da der Täter, so kennt man das ja schon aus dem Fernsehen. Doch dann tut Jodi Picoult das was sie am besten kann, sie macht es einem nicht so einfach, wie man es gern hätte. Plötzlich tun sich Wahrheiten auf, mit denen man nicht gerechnet hätte, wechseln Figuren den Standpunkt und als Leser muss man ordentlich knobeln und weiß doch bis zuletzt nicht so recht, wer nun der Bösewicht der Geschichte ist, denn irgendwie sind doch alle Opfer.

Du merkst, ich habe hier trotz der drastischen Thematik mein Picoult Lieblingsbuch gefunden. Denn es ist komplex, kontrovers, spannend und regt zum Nachdenken an. Trotz dessen ist und bleibt es ein typisches Buch der Autorin, die wieder in die Köpfe verschiedenster Charaktere schlüpft und es auch nicht lassen kann, dabei wieder einen Ermittler zu Wort kommen zu lassen. Also kriegen Fans der Autorin wiedermal was sie an ihr so lieben und andere Leser kriegen ein Rundum Bild des Geschehens und dessen Auswirkungen auf die einzelnen Figuren.

Für zarte Seelen ist dieser Roman jedoch trotzdem nicht zu empfehlen, da nicht nur die Vergewaltigung, sowie gynäkologische Untersuchungen beschrieben werden, sondern auch kritische Blicke auf das Opfer und seine Glaubwürdigkeit vorkommen. Das kann schwer zu verkraften sein, schließlich will man als Leser der Protagonistin Glauben schenken.

Das Hörbuch… wird im Gegensatz zu allen anderen Picoult Hörbüchern nur von einem einzigen Sprecher gelesen. Dietmar Wunder macht seine Sache gut und die Konstante seiner Stimme und Sprachmelodie macht es dem Leser, also in diesem Falle mir, leichter sich auf das Buch einzulassen und dem gelesenen zu folgen. Am glaubwürdigsten wirkt er natürlich in den Rollen Daniels und des polizeilichen Ermittlers, der um jeden Preis der Sache auf den Grund gehen will. Wie in bisher allen Bastei Lübbe Audio-Produktionen, sind auch hier die Kapitel durch ein kurzes Instrumental getrennt, das wunderbar auf die Stimmung des Textes einstimmt und meiner Meinung nach diesem Hörbuch etwas besonderes gibt, was andere Picoult Hörbücher so nicht haben.

Kurz zusammen gefasst… Ich bin begeistert, obwohl Picoult hier einen ordentlichen Happen auf die Gabel spießt, den man als Leser erst einmal herunter würgen muss.

Info: Schuldig – Jodi Picoult – ISBN 978-3492050302

6 Kommentare zu „(Hörbuch) Schuldig von Jodi Picoult“

  1. Ich mag’s kontrovers und ich mag eine Betrachtung aus vielen Perspektiven, statt eindimensionale Verurteilungen. Leider kommt man damit heute, gerade im Zusammenhang mit Straftätern nicht besonders gut weg, .. aber schön, wenn Autoren auch in Geschichten die Frage aufwerfen, ob es nun wirklich rein „böse“ Menschen gibt oder ob dahinter nicht meistens doch mehr steckt als das.

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    1. Dafür ist Jodi Picoult wahrlich die erste Adresse, sie traut sich an moralische Fragen, die sich viele Leser so noch nie gestellt haben, mich eingeschlossen.
      Ein sehr interessantes Thema, zu dem es sicher noch viel zu sagen, bzw. schreiben gibt.

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    1. Ich kann den moralischen Dilemmas in ihren Prämissen einfach nicht widerstehen 😉

      Ich würde Dir als Anfangsbuch „Beim Leben meiner Schwester“ empfehlen oder alternativ „Das Herz meiner Tochter“, beide Bücher haben mir sehr gut gefallen und hauen den Leser nicht allzu sehr in die Magengrube, wenn das bei Picoult überhaupt möglich ist 😉

      Wenn Du Deinen ersten Picoult gelesen hast, bin ich gespannt auf Deine Eindrücke 🙂

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