(Neuerscheinung) Alice im Niemandsland von Miriam Gebhardt

Nach vierzig Jahren Frauenbewegung ist davon nicht mehr viel übrig, zumindest wenn man Miriam Gebhardt fragt. In ihrem Sachbuch erläutert sie die Umstände und Fehlentscheidungen, welche dazu führten, dass sich die Frauenbewegung im neuen Jahrtausend augenscheinlich auf eine einzige Frau heruntergekocht hat und regt zu einem Umdenken innerhalb der Bewegung an.

Meine Gedanken zum Buch…

Sachbücher gehören zwar nicht zu meinen Rezensionsschwerpunkten, aber wenn dann mal eines erscheint, dass mich nicht loslässt, wie es dieses Buch getan hat, dann mache ich durchaus mal eine Ausnahme und empfehle hier, was ich einfach empfehlen muss. Denn wer Frau ist und in Deutschland lebt oder aufgewachsen ist, wessen Mutter vielleicht sogar bei den 68ern dabei war, den geht an, was in diesem Buch dargestellt wird, das Verkümmern des deutschen Feminismus und die traurigen Folgen.

Miriam Gebhardt ist eine nicht mehr ganz so junge und trotzdem reformwillige Stimme innerhalb der Bewegung. Offen kritisiert sie hier den Hardliner Feminismus der Alice Schwarzer und ihre Unwilligkeit den Platz der Gallionsfigur für eine Nachfolgerin, oder Gruppe von Nachfolgerinnen, frei zu räumen oder auch nur zu akzeptieren, dass dieser Wechsel irgendwann von selbst geschehen wird. Dabei scheut sie sich nicht die Prominenz und Legenden zu demontieren, die Schwarzer um ihre Person herum aufgebaut und seit ihrer Abtreibungskampagne im Stern zementiert hat.

Da Gebhardt selbst Historikerin ist, hat dieses Buch ebenfalls einen gewichtigen geschichtlichen Einschlag. Die Leserin erfährt alles Wissenswerte über die Geschichte des deutschen und internationalen Feminismus, von den Pionierinnen über die Suffragetten bis hin zu den 68ern und darüber hinaus. Gleichzeitig liefert sie auch eine kritische Biografie Schwarzers, die sich an deren autorisierter Autobiografie entlang hangelt und eventuelle Ungenauigkeiten und Vereinfachungen aufklärt. Insofern untermauert Gebhardt ihre Thesen mit geschichtlichen Fakten, Biografien herausragender Feministinnen und internationalen Beispielen, immer im Vergleich mit der deutschen Situation.

Was mich so an dieses Buch gefesselt hat, war die Erkenntnis, dass Deutschland was die Emanzipation angeht international weit zurück liegt. Ich dachte immer erst käme Schweden und danach dann wir, aber weit gefehlt. So hat dieses Buch also nicht nur einen informativen und kritischen, sondern auch einen aufklärerischen Nutzen für mich als Leserin. Wer Frau ist, oder sich einfach für Frauenthemen interessiert, da diese nämlich nicht nur Frauenthemen sind, sondern alle etwas angehen, dem empfehle ich zu diesem Buch zu greifen. Es wird Unbedarften die Augen öffnen und Interessierte darin bestärken, dass sich noch vieles ändern muss und es an unserer Generation ist, damit anzufangen.

Kurz zusammen gefasst… Ein sehr empfehlenswertes Sachbuch, nicht nur für Feministinnen.

Info: Alice im Niemandsland (Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor) – Miriam Gebhardt – ISBN 978-3421044112

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3 Kommentare zu “(Neuerscheinung) Alice im Niemandsland von Miriam Gebhardt”

  1. Ich überleg bei dem Buch schon ’ne Weile, ob ich soll oder nicht. Was mich bisher vom Kaufen abhielt, war der Gedanke, dass es dann wieder ewig ungelesen rumsteht. (Ich und Sachbücher, das ist so ’ne Hassliebe.) Allerdings greif ich irgendwann auch mal dazu, wenn es erst mal im Regal ist – das klappt nicht, wenn ich erst noch in den Laden muss. Da werd ich nachher wohl ein bisschen eher auf Arbeit fahren und es gleich besorgen. 🙂

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  2. Ich bin jetzt noch nicht mal zur Hälfte durch, möchte dir aber bereits jetzt zustimmen. Das Buch ist wahnsinnig interessant, angenehm geschrieben (war eine meiner weiteren Sorgen) und sowieso würde ich es gerne jedem in meinem Umfeld in die Hand drücken!

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