(Lesen ist hardcore!) Das Ende von Alice von AM Homes

Der Erzähler sitzt gerade das Ende einer zwanzig Jährigen Haftstrafe wegen Mordes ab, als ihn ein Brief einer jungen Verehrerin erreicht. Doch die Studentin, die ihm da schreibt, ist, wie sich bald herausstellt, mehr als nur ein Fan des berüchtigten Kriminellen. Sie ist wie er, auf der Jagd nach einem jungen Liebhaber und dabei doch nicht im geringsten auf die Konsequenzen ihrer verbotenen Leidenschaft vorbereitet.

Meine Gedanken zum Buch…

Einer meiner ersten Gedanken nach der Lektüre dieses Romans war, so hätte sich „Lolita“ gelesen, wenn statt Vladimir Nabokov Chuck Palahniuk an der Schreibmaschine gesessen hätte. AM Homes, berüchtigt für ihre brisante Themenwahl, kombiniert literarische Perfektion und stilistischen Feinschliff mit der Faszination für das Ekelhafte, das was sich in den Hautfalten und dunklen Straßenecken sammelt und kreiert damit ihre ganz individuelle Version des Hebephilenplädoyers, welches Nabokov in den Fünfzigern zu Weltruhm verholfen hatte.

Dabei liefert sie leider wenig neues, lässt ihre größte Stärke, die weibliche Stimme, links liegen und reitet doch nur uralte Klischees wund. Wiedererwarten sind Frauen und Mädchen auch bei AM Homes die ewigen Opfer, bis auf die Nymphe natürlich, die hatte es ja bei Nabokov schon so gewollt und anschließend gekriegt was ein ungezogenes Mädchen verdient. Der Unterschied liegt darin, dass bei AM Homes dieses verdiente Ende und alles andere brutale und vulgäre bis ins kleinste Detail beschrieben wird, bis die Ekelgrenze so stark nach Norden verschoben wurde, dass der Leser vom Titelgeber nicht einmal mehr schockiert ist.

In der Mitte ein kurzer Lichtblick, den AM Homes selbst aber nicht bemerkt zu haben scheint, zumindest greift sie ihn nicht auf. Insofern bin ich inhaltlich von diesem Roman enttäuscht, da ich mehr erwartet hatte als die alte Leier und dann doch genau das zu hören bekam. Es fehlt diesem Buch der Sinn, ein Sinn der über etwaige voyeuristische Tendenzen seiner Leser hinausgeht. Denn dann kann ich an dieser Stelle auch das Original lesen und empfehlen, anstatt mir die Mühe zu machen einen neuen Autor den immer gleichen Faden weiterspinnen zu sehen.

Kurz zusammen gefasst… Leider liefert AM Homes keine neuen Antworten auf die Frage nach dem Bösen im Menschen und schreibt sich damit selbst ins Aus.

Info: Das Ende von Alice – AM Homes – ISBN 978-3462043815

lesen-ist-hardcore-blog-projekt

12 Kommentare zu „(Lesen ist hardcore!) Das Ende von Alice von AM Homes“

  1. Herzlichen Dank für diese aufschlussreiche Besprechung. Von A.M. Homes habe ich bisher lediglich das Buch „Jack“ gelesen, das mir gut gefallen hat – mehr kenne ich noch nicht, möchte aber schon lange weitere Bücher von ihr lesen. Dieses stand unter anderem auch auf meiner Wunschliste, nach deiner Besprechung werde ich es aber wohl eher streichen. Danke für die Warnung. 🙂

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    1. Ich persönlich war schon etwas enttäuscht einfach weil ich von einer so gebildeten Schriftstellerin ,mehr erwartet hätte als bloße Schockeffekte.

      ————————————————–

      Oh ja, es schneit! Das hatte ich noch gar nicht bemerkt, die Einstellung muss noch von letztem Jahr sein 😉 Draußen hat’s heute übrigens auch geschneit, blieb aber nicht lange liegen.

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  2. Das Buch klingt tatsächlich enttäuschend.
    Aber ich muss dir in Bezug auf Nabokovs Lolita widersprechen. Ewig und drei Tage habe ich mich vor der Lektüre dieses Romans gedrückt, weil ich genau sowas erwartet hatte, wie du es beschreibst: Die Kind-Frau als Nymphomanin etc. Doch Nabokovs Lolita war dann so ganz anders als die Pop-Lolita, die in der Welt da draußen herumgeistert. In dem Roman wird – meiner Ansicht nach – sehr deutlich, dass dieses Kind nichts weiter tut als Kind zu sein. Ich finde, dass Nabokov das in seinem Roman absolut entlarvend darstellt.
    Viele Grüße von Mila

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