(Lesen ist hardcore!) Zombie von Joyce Carol Oates

Quentin ist vorbestraft für sexuelle Belästigung  eines Minderjährigen, seine zwei Jahre Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt und so kümmert er sich in dieser Zeit um das Haus seiner Großmutter, in dem derzeit einige ausländische Studenten zur Miete wohnen. Im Grunde ist Quentin mit seiner derzeitigen Existenz ganz zufrieden, zumindest gibt sie seinem Leben eine Richtung. Doch dann flammen die alten Sehnsüchte wieder auf, das Verlangen nach Nähe. Quentin beschließt der einzige Ausweg aus seiner Einsamkeit ist die Erschaffung eines Zombies und der Nachbarsjunge seiner Großmutter scheint dafür genau der richtige Kandidat zu sein…

Meine Gedanken zum Buch…

Nachdem mich „Das Ende von Alice“ von AM Homes ein bisschen, bzw. ein bisschen mehr enttäuscht hatte, holte ich mir den Tipp der mich zu diesem Roman brachte von einer Goodreads Rezension, die mir was AM Homes anging aus der Seele sprach, auch wenn sie bei anderen Goodreads Mitgliedern nicht halb so gut ankam – aber das nur am Rande. Denn eigentlich geht es hier schließlich um einen ganz anderen Roman, der im weitesten Sinne gar nicht so anders ist. Entführt es seine Leser doch in die Untiefen eines soziopathischen Gehirns, eine Reise deren Leitung Joyce Carol Oates übrigens um einiges besser gelingt als AM Homes.

It was five years ago the idea of creating a ZOMBIE for my own purposes first came to me in a brain storm to change my life.

Angenehm zu lesen ist das Ergebnis dann natürlich trotzdem, oder gerade deshalb, nicht, doch wer Interesse hat, darf sich zwischen die Seiten fallen lassen und daraus ein klein wenig posttraumatisch hervor gehen, so ging es zumindest mir. Doch wenn man mich fragt, ist der Tag an dem Literatur nicht mehr gegen die Grenzen dessen drückt, was man als Leser ertragen zu können glaubt, zumindest thematisch, ein schwarzer Tag und wer zartbesaitet ist muss ja nicht lesen, was an dieser Stelle empfohlen wird. Ich würde was das angeht sogar geradeheraus abraten, so Leid es mir tut – doch dieser Roman ist nicht jedermanns Sache, reibt er den Leser bei der Lektüre wund und lässt ihn auch danach nicht los aus seiner Umklammerung.

A true ZOMBIE would be mine forever. He would obey every command & whim. Saying „Yes, Master“ & „No, Master.“ He would kneel before me lifting his eyes to me saying „I love you, Master. There is no one but you, Master.“

Joyce Carol Oates beschwört mit Hauptfigur Quentin den homosexuellen Serienmörder Jeffrey Dahmer herauf. Ein Mann, der sein Leben inmitten von Leichenteilen fristete, besessen davon einen Sexsklaven zu züchten und dabei äußerlich nicht das Monster war, welches in ihm steckte, sondern eher der nette, verschrobene Junge von nebenan. Dabei bleibt der Griff den Oates um ihre Prosa hat fest und trocken, von der ersten bis zur letzten Seite – im Buch steht kein Wort zu viel. Ein Fest für all jene die Redundanzen und schlecht redigierten Büchern überdrüssig sind, minimalistisch und burschikos jedoch für alle anderen.

Kurz zusammen gefasst… Ein mutiges Buch, das den Leser einen kurzen aber intensiven Blick in eine furchteinflößende Psyche werfen lässt.

Info: Zombie – Joyce Carol Oates – ISBN 978-3442727421

lesen-ist-hardcore-blog-projekt

Literarische Nachbarn:

  • Das Ende von Alice von AM Homes (Rezension)
  • People still live in Cashtown Corners von Tony Burgess (Rezension)
  • Macht und Rebel von Matias Faldbakken (Rezension)
  • Rohypnol von Andrew Hutchinson (Rezension)

9 Kommentare zu „(Lesen ist hardcore!) Zombie von Joyce Carol Oates“

  1. Joyce Carol Oates habe ich schon so lange auf meiner Liste, gelesen habe ich von ihr bisher aber nur ihren autobiographischen Roman „Zeit der Trauer“, in dem sie den Tod ihres Mannes verarbeitet (sehr empfehlenswert!). „Zombie“ wandert auf meine endlos lange Wunschliste … 🙂

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    1. ich habe „zombie“ damals im zusammenhang mit kevin gelesen und den 19 minuten. es ist ein wirklich anstrengendes werk, das nicht im eigentlichen sinne gefallen kann, faszinieren ja, gefallen nein… *schüttel*

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  2. Während ich die ganzen Blutthriller einfach nicht lesen mag, weil sie mir schlichtweg zu brutal sind, hat mich Zombie sehr fasziniert. Der Unterschied zwischen Oates und anderen Autorinnen ist ein ganz feiner: Sie beschreibt, wie Jemand als brutaler Mensch denkt – was manchmal schwer auszuhalten ist – aber ihr geht es dabei um den Charakter, nicht um den möglichst größten Schock-Effekt. Viele Grüße, Mila

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    1. Es geht um das Innenleben eines psychopathischen Serienmörders – Zombies im Sinne der Fantasy/Horror Literatur kommen nicht drin vor. Lesenswert ist es aber trotzdem 😉

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