(Neuerscheinung) Wie ein Fremder in der Nacht von Joyce Hinnefeld

Im US Bundesstaat Kentucky ist es dunkel, nicht nur aufgrund der Landschaft aus Bergen und besiedelten Tälern, sondern auch wegen der Kohle, deren Staub manch eine Bergarbeiterlunge fordert. So auch die von Vistas Großvater, dessen Frau Marthie sie nun alleine groß ziehen muss, da ihre Mutter sich jenseits der Berge den angenehmen Seiten des Lebens zuwendet. Früh wird Vista schwanger und zieht mit ihrer Tochter Maze, deren Vater sich schon in der Hochzeitsnacht aus dem Staub gemacht hat, gen Westen. Zusammen leben sie im alten Shakergebiet, wo über die Jahre nur noch Schwester Georgia übrig geblieben ist, bis Maze ins College aufbricht. Dort wo einst auch Schwester Georgia, damals noch Georgiana, unterrichtete, lernt Maze Mary Elizabeth kennen, ihre Zimmergenossin und eine Virtuosin am Klavier…

Meine Gedanken zum Buch…

Dieser Roman ist das bisher komplexeste Werk, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Erzählstrang um Erzählstrang wirft Hinnefeld mir entgegen und ich soll sie auffangen und halten, kann sie zu Anfang nur mühsam auseinander halten, während die Autorin sie schon zu Geschichten, Entwicklungen, ganzen Schicksalen verwebt. Mit der Zeit, und fortschreitenden Handlung, wird es einfacher, ich entspanne mich, lasse die Fäden locker zwischen meine Finger gleiten und werde von der Autorin ertappt, die mir prompt einen weiteren Erzählstrang entgegen schleudert, so viele, dass ich sie kaum noch mit einer Hand umfassen kann.

Man muss wach sein für dieses Buch, den Raum und die Zeit vergessen und jederzeit bereit sein sich in die jeweilige Epoche fallen zu lassen, in die Joyce Hinnefeld einen entführen möchte. Nach und nach kommt alles irgendwie zusammen, Großmutter Marthie und Schwester Georgia, Vista und Maze, Mary Elizabeth und  der ermordete Bruder ihrer Mutter Sarah. Doch leicht macht es Hinnefeld ihren Lesern nicht, erschöpft sie geradezu mit all diesen Geschichten, die, wären sie nicht miteinander verflochten, bauten sie nicht aufeinander auf, gut alleine stehen könnten und trotzdem einen Sinn ergeben würden.

Gebündelt machen sie sich allerdings auch nicht schlecht und verschlagen mir ein ums andere Mal die Sprache, so wie auch Mary Elizabeths Mutter Sarah als junges Mädchen ihre Sprache verlor, da die Tragik ihres noch jungen Lebens ihr Mädchenherz zu überfordern drohte. Doch überfordert hat mich dieser Roman dann allerdings nicht, eher noch hat er mich beflügelt, dazu mehr von mir zu fordern, mehr Konzentration und mehr Bereitschaft mich auf diese Geschichte einzulassen, die, ich muss es abschließend noch einmal sagen, wirklich wunderbar ist.

Kurz zusammen gefasst… Ein komplexes Werk, das sich dem Leser nur mit Mühe erschließt, ihn dann aber nicht mehr los lässt.

Info: Wie ein fremder in der Nacht – Joyce Hinnefeld – ISBN 978-3-442-74457-2

Literarische Nachbarn:

  • Geister, Cowboys von Claire Vaye Watkins (Rezension)
  • Daisy Sisters von Henning Mankell (Rezension)
  • Das Leben einer anderen von Joyce Maynard (Rezension)
  • Trespasses von Lacy M. Johnson (Rezension)
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9 Kommentare zu “(Neuerscheinung) Wie ein Fremder in der Nacht von Joyce Hinnefeld”

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