(Klassiker) Die Glasglocke von Sylvia Plath

Esther Greenwood ist eine Studentin kurz vor ihrem Abschluss. Im Sommer vor ihrem letzten Jahr am College absolviert sie ein prestigeträchtiges Praktikum bei einem Frauenmagazin in New York. Von den Eindrücken der Großstadt erschlagen spürt sie sich schon bald in ein unerklärliches Stimmungstief gleiten, das sich auch nicht bessert, als sie um viele Erfahrungen reicher nach Hause zu ihrer Mutter zurück kehrt.

Meine Gedanken zum Buch…

Sylvia Plaths Debütroman, der ihr einziger bleiben sollte, war für mich deshalb so interessant, da er starke autobiografische Bezüge haben soll und von manchen ganz schlicht als Autobiografie verstanden wird, auch wenn der Name der Hauptfigur nicht Sylvia Plath ist und die Autorin sich scheinbar ein paar Freiheiten mit dem Stoff genommen hat – wie in Romanen üblich. Und warum um alles in der Welt interessiert mich nun das Leben Sylvia Palths, einer amerikanischen Expat-Lyrikerin und Ehefrau von Schriftsteller Ted Hughes? Ganz einfach, weil sie vier Wochen nach dem Erscheinen dieses Romans in ihre Küche ging, dort den Gashahn vom Backofen aufdrehte und ihren Kopf hinein gesteckt hat (was übrigens im englisch-sprachigen Raum zu einem etwas makaberen geflügelten Wort geworden ist) und sich so kurz bevor ihre literarische Karriere so richtig begann umbrachte.

Ein tragisches Ende für diese begabte Lyrikerin, das ich durch die Lektüre dieses Romans nachzuvollziehen versuche. Und de facto beschreibt Sylvia Plath hier, am Beispiel ihrer Hauptfigur, ihr langsames hinabgleiten in eine Depression, die in einem Aufenthalt in der Psychiatrie, sowie der berühmt berüchtigten Elektroschock Therapie gipfelt. Eine Schilderung die mich sowohl betroffen macht, als auch zutiefst erschüttert, besonders in Momenten in denen Hauptfigur Esther den Strom wie einen blauen Blitz durch ihren Körper fahren spürt und Sylvia Plath die körperlichen Empfindungen händeringend realistisch beschreibt und ich den Roman für ein paar Augenblicke zur Seite legen muss, bis ich mich wieder gefasst habe.

Und selbst wenn der autobiografische Bezug aus Gründen der vereinfachten Vermarktung etwas hochgespielt wurde, scheint mir dieses Debüt, das natürlich nicht ganz ohne erzählerische Fehler ist, als eine Freude für jene Leser, die gerne in Sprachbildern schwelgen – für Leser wie mich. Denn man merkt Sylvia Plath die Lyrikerin in nahezu jeder ihrer Zeilen an. Und so verzeihe ich ihr auch, wenn sie keine ihrer unzähligen Rückblenden einleitet, ja fast schon voraussetzt, dass der Leser ihr ohne Murren in die Tiefen ihres Gedächtnisses folgt und sich dort auf Anhieb zurecht findet. Nicht immer war mir das beschert, doch ich ließ mich gerne treiben, auch wenn der Fluss unter der Glasglocke mehr Stromschnellen enthält als so manch anderer.

Kurz zusammen gefasst… Sylvia Plath hat der Welt ein bescheidenes aber nicht weniger beeindruckendes Werk hinterlassen. Die Glasglocke ist wohl das eindringlichste Beispiel dafür, ein Roman der aufgrund seiner Beschreibung einer jungen Frau am Abgrund damals wie heute aktuell, lesenswert und vor allem ungewohnt rührend ist.

Info: Die Glasglocke – Sylvia Plath – ISBN 978-3518456767

Literarische Nachbarn:

  • Seelensprung von Susanna Kaysen
  • Drüberleben von Kathrin Weßling (Rezension)
  • Daisy Sisters von Henning Mankell (Rezension)
  • Brothers and Me von Donna Britt (Rezension)

14 Kommentare zu „(Klassiker) Die Glasglocke von Sylvia Plath“

  1. Liebe Katarina,

    ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen und es hat mich ähnlich beeindruckt und berührt, wie dich. Es hat in meinem Bücherregal einen ganz besonderen Platz und ich greife häufig zu dem Buch, um einfach ein bisschen darin zu blättern. Schon lange möchte ich gerne ein weiteres Buch von Sylvia Plath lesen, habe aber leider noch nichts für mich entdeckt …

    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Ach ja, die Magie beeindruckender Bücher, ich selbst erliege ihr nur allzu gerne 🙂
      Leider kam Sylvia Plath nicht mehr dazu einen weiteren Roman zu schreiben. Wer weiß, wie sich ihr Stil noch entwickelt hätte… Irgendwann werde ich mich in ihre Gedichte vertiefen, irgendwann. Und bis dahin bleibt mir „Die Glasglocke“, die auch in meinem Regal nun einen Ehrenplatz hat.

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  2. Liebe Katarina,
    ich hatte starke Probleme mich in das Buch einzufinden, war dann aber umso stärker beeindruckt von der intensiven Erzählweise. Es hat mich noch tagelang beschäftigt. Wirklich ein kleines, feines und intensives Buch.

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    1. Ich hatte ebenfalls Startschwierigkeiten, musste immer wieder innehalten, um mich im Roman zurecht zu finden. Doch als ich Esther dann endlich verstehen gelernt hatte – so um die Passage herum, in der sie und die anderen Praktikantinnen an einer Lebensmittelvergiftung erkranken – war es um mich geschehen.

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  3. Danke für diese aufschlussreiche, interessante und wunderbare Rezension. Am liebsten würde ich sofort mit dem Lesen beginnen! Mir war Sylvia Plath zwar ein Begriff,jedoch habe ich mich bisher nie mit ihr oder ihrem Buch beschäftigt. Das werde ich nachholen müssen – bei diesem Inhalt,dem Hintergrund der Autorin und dem von dir so gelobten lyrischen Stil. Ein wenig habe ich mich ja jetzt schon in dieses Buch verliebt. Daher danke für deine Empfehlung!
    Viele Grüße nach England,
    Kathrin

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    1. Das freut mich sehr 🙂 Dieser Roman hat zwar schon viele Leserinnen, aber es ist trotzdem schön zu hören, dass ich eine weitere gewinnen konnte. Ich hoffe Dir gefällt „Die Glasglocke“ ebenso gut wie mir 🙂

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  4. Ja, sehr gutes Buch! Sogar eines meiner Lieblingsbücher. (und das behaupte ich wirklich nur von sehr wenigen Büchern in meinem Regal) „Die Glasglocke“ gehört einfach zu den Romanen, die mich immer wieder von der ersten Seite fesseln. Ich hab aus diesem Grund das Buch schon oft gelesen. Immer wieder sehr berührend & beeindruckend.

    Liebe Grüße
    Deborah

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    1. Wie wunderbar, wenn einen ein Roman durch die Jahre begleitet. Das werde ich hoffentlich in einigen Jahren auch von mir sagen können 🙂

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  5. Ich liebe es, wenn ich auf Rezensionen von Büchern treffe, die ich nicht nur überflogen, sondern bereits regelrecht auseinander genommen habe. Ich persönlich empfinde die autobiografischen Aspekte in dem Buch als besonders interessant, weil es einerseits einen Einblick in ihr Leben gibt und gerade mit dem Hintergrund um ihr Leben und dessen Ende, das Ende der Glasglocke sich mit gespaltenen Gefühlen liest.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Gespaltene Gefühle, da hast Du recht 🙂 Ich fragte mich selbst ständig, was nun wahr und was erfunden ist.
      Besonders die Szene, welche Esthers bewusst erlebte Elektroschock Therapie beschreibt, hatte es in sich, da ich nicht umhin kam mich zu fragen – sind dies die Empfindungen Sylvia Plaths? Ist ihr das damals so geschehen? (Was für eine schreckliche Vorstellung, aber durchaus glaubhaft, im Klima der damaligen Zeit.)

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  6. Auch ich möchte mit den anderen Kommentatoren anschließen, denn dir ist hier eine Rezension gelungen, die wirklich Lust macht, sofort zum Buch zu greifen. Natürlich sagt mir die Autorin auch etwas und die Glasglocke befindet sich seit meinem Großprojekt »Rory Gilmore Liste« auf meiner Liste, wenngleich ich leider noch nicht dazu kam. Deine Rezension bringt dieses Buch aber wieder in mein Gedächtnis und damit weit oben auf die Liste meiner demnächst zu lesenden Bücher. Danke!

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    1. Das freut mich sehr 🙂 Denn mir ging es ähnlich – das E-Book war auf dem Kindle, wurde dort immer mal wieder geöffnet, aber es brauchte dann doch noch ein Weilchen, bis ich es auch las. Ich hoffe mit meiner Rezension Dein Weilchen etwas verkürzt zu haben und wünsche Dir eine schöne Zeit mit dem Buch 🙂

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      1. Hallo! Du hast wohl reichliche Kommentare bearbeitet und beantworten, mein Posteingang schrie förmlich auf 🙂 Vielen Dank für die Wünsche, ich denke doch, dass das was werden wird. Für meine Lesegruppe habe ich als nächstes erst einmal das Mammutprojekt »Der Idiot« aber danach könnte ich mir das gut vorstellen 🙂 Liebe Grüße und weiter so!

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Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

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