(Hörbuch) Kitchen von Banana Yoshimoto

Die Großmutter von Mikage  ist kürzlich verstorben, nun ist es offiziell Mikage hat niemanden mehr, nur noch sich selbst. Sie campiert auf dem Küchenfußboden und kann sich nicht vorstellen, dass sie einmal die Kraft haben wird sich zu erheben, in eine ganz besondere Wohngemeinschaft einzuziehen und für ihre große Liebe zu kämpfen.

Meine Gedanken zum Buch…

Ein Buch, das in seiner Einfachheit zu verzaubern vermag und es dabei schafft Brücken zu fernen Kulturen zu bauen, auf denen der Leser wandeln kann, an der Seite der Erzählerin. Denn die Frau mit dem fruchtigen Namen verlässt sich in ihrer Erzählung auf eine Sprache, die jeder Leser, ob Europäer oder Asiate, nur zu gut verstehen kann, die der großen und kleinen Gefühle. Ihre Erzählung beginnt mit der Trauer um einen geliebten Menschen, die in das Gefühl der Einsamkeit mündet, sich dann aber wandelt zur Verbundenheit der Freundschaft, die auf lange Sicht zu Liebe wird.

Dabei lässt sie ihre Hauptfigur aus der Asche ihres Lebens auferstehen, in neuem Federkleid und mit erweiterten Horizonten. Diese Hauptfigur, die dem Leser zur Freundin wird mit ihrer kuriosen Liebe für Küchen, je dreckiger desto besser. Und deren Freunde, die durch ihre liebevolle Betrachtung eine Rolle im Herzen des Lesers spielen, wie es auch bei ihr der Fall ist. Sie alle spielen ein Theater in dem es keine kleinen Rollen gibt, einem Theater welchem ich von meinem Lesesessel aus zuschauen kann.

Manchmal macht Banana Yoshimoto es sich etwas zu einfach, lässt sie zum Beispiel dort ein Taxi vorbei fahren, wo Hauptfigur Mikage sich gerade mitten im nirgendwo befindet und dringend eines braucht. Daran merkt der Leser, dass Frau Yoshimoto mehr daran interessiert war einem bestimmten Ende hinterher zu jagen, als ihre Figuren sich frei entwickeln zu lassen. Ein kleiner Wermutstropfen nur, den ich hier aber nicht unbeachtet lassen wollte, zeigt er doch, dass man tief schürfen muss um diesem Roman etwas abzugewinnen, das nicht Lesefreude ist.

Das Hörbuch… Von Jessica Schwarz wurde mir noch nie vorgelesen, daher war ich von vorneherein gespannt auf ihre Fähigkeiten als Sprecherin. Mal abgesehen von ihrer einzigartigen Stimme, die mir persönlich mit all ihrer frechen Kratzigkeit sehr gut gefällt, bringt ihre Darbietung allerdings nichts Außergewöhnliches. Dafür hat sie sich jedoch die perfekte Geschichte ausgesucht, da diese auch eine unerfahrene Sprecherin wie Schwarz zu tragen vermag und eventuelle Grünheit wunderbar kaschiert.

Kurz zusammen gefasst… Ein geradezu magisches Buch, gleich einer fremden Küche in die man hinein schnuppern darf, die aber doch die gleichen Gerüche und Gerichte beherbergt, die man von Zuhause kennt.

Info: Kitchen  – Banana Yoshimoto – ISBN 978-3257227000

Literarische Nachbarn:

  • 20 Fragments of a ravenous youth von Xiaolu Guo (Rezension)
  • Balzac und die kleine chinesische Schneiderin von Dai Sijie

10 Kommentare zu „(Hörbuch) Kitchen von Banana Yoshimoto“

  1. »Kitchen« war vor vielen vielen Jahren mein erstes Buch von Banana Yoshimoto – ich glaube in etwa zu selben Zeit als ich »Als ich eines Morgen das 100prozentige Mädchen sah« von Murakami. Erste Berührungen mit der japanischen Literatur und es war um mich geschehen. Es folgten viele weitere wunderbare Geschichten die dem Leser auch einiges zur jap. Kultur vermitteln. Wunderbar und – wie du schreibst – magisch…

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    1. Japanische Literatur ist schon etwas ganz einzigartiges, das habe ich während der Lektüre dieses Buchs gemerkt. Leider ist es bisher das einzige geblieben – meine Leseliste ist lang und der Geldbeutel schmal – doch in Zukunft will ich darauf aufbauen.
      Ob noch in diesem Lesejahr, das weiß ich nicht, aber ich nehme es mir zumindest ganz fest vor 🙂

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      1. Sie ist in der Tat einzigartig und es gibt wirklich noch so unglaublich viel zu entdecken. Mir geht es ja durchaus ähnlich, die Leseliste wird immer nur länger und nie kürzer, aber um so schöner ist es, wenn man es denn mal wieder schafft und eine neue Perle entdeckt. Was den Geldbeutel angeht, kaufe ich seit Jahren gebraucht und lebe damit wirklich gut. Friederike von japanliteratur.net ist v.a. dafür verantwortlich das mein Wunschzettel »Japanische Literatur« immer weiter zunimmt … nunja. Genug geschwafelt und liebe Grüße!

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    2. Ich kaufe mittlerweile auch fast nur noch gebraucht, besonders wenn es um gebundene Bücher geht kann man da einiges sparen. Hier in Liverpool gibt es so einen kleinen Buchladen „News from Nowhere“, der hat ein umfangreiches Gebrauchtbücher Sortiment, da schaue ich mich immer wieder gerne um 🙂

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      1. Da lese ich deinen Blog und mir ist entgangen, dass du in Liverpool lebst. Cool 🙂 Ich bestelle meist bei reBuy oder Medimops, aber das kommt für dich wohl nicht in Frage. In Antiquariaten in denen ich bislang war, stand meist mehr „Mist“ rum, als interessantes … daher ist mir da irgendwie die Lust vergangen. Leider.

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    1. Das Hörbuch kam mir ebenfalls zu Ohren und ich war überrascht davon, wie nahtlos sich der Roman in die vertonte Form einfügt, und dass durchweg positiv 🙂

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