(Klassiker) Der Bär kletterte über den Berg von Alice Munro

Grant, ein pensionierter Universitätsprofessor, muss mit ansehen, wie seine große Liebe und langjährige Ehefrau Fiona nach und nach das Gedächtnis verliert. Als er alleine der Krankheit nicht mehr trotzen kann, gibt er schweren Herzen die Verantwortung an ein Altersheim ab. Dort darf er sie zunächst einen Monat lang nicht besuchen, zur Eingewöhnung. Doch als er sie nach der vorgeschriebenen Wartezeit wiedersieht, stellt Grant fest, dass Fiona sich in einen anderen Mann verliebt hat…

Meine Gedanken zum Buch…

Der Bär kletterte über den Berg und ich kletterte mit. Ich saß auf seinem breiten Rücken und hielt mich an seinen Zotteln fest. Wir nahmen die szenische Route und es war zum Schwärmen schön. Denn Alice Munro schreibt die schönsten Landschaften und erdichtet die stärksten Bären. Mit einer Finesse, die nur dieser Autorin eigen ist, kondensiert sie zwei ganze Leben auf dreißig Seiten und etabliert sich damit als Grande Dame der modernen Kurzgeschichte. Einer Kurzgeschichte, die selbst alteingesessene Romanleser verzaubern und tief berühren dürfte, mich eingeschlossen.

Zu dem Bär und dem Berg kam ich ganz unkonventionell über den Film – diese wunderbare Adaption von Sarah Polley, mit einer gealterten, aber doch immer noch beeindruckenden Julie Christie. Und ich las und las und las und ließ mich verzaubern von der Prosa Alice Munros, die ganz schnörkellos, dabei aber bis zur Perfektion geschliffen, durch die Landschaft streift. Sie zieht mich mit, hinein in die Köpfe der Figuren, in deren Gedankenwelt und Vergangenheit, die oft schmerzhaft ist und mir den Blick vorübergehend verschleiert. Doch dann lockt mich die Erzählstimme zurück in das hier und jetzt, wo die Frau des Erzählers sich nach und nach an sich selbst verliert.

Eine wunderbare Geschichte mit genug Feingefühl um selbst in den Scherbenhaufen des Lebens sicher aufzutreten. Wenn Du sie noch nicht gelesen hast, dann hole das bitte nach – nicht für mich, sondern um deiner selbst willen. Denn Dir steht eine unvergleichliche Reise bevor, wie sie ein Leser im Versuch die Fülle an Neuveröffentlichungen zu navigieren leider viel zu selten antreten darf – eine Reise, die sich gegen die Zeit behauptet hat, so wie Fiona ihr langsam erliegt. Alice Munro ist bei Fernweh meine erste Wahl, da gibt es keine Zweifel und die Liebesgeschichte zwischen Grant und Fiona, so tragisch sie auch endet, ist und bleibt meine Lieblingsgeschichte dieser unvergleichlichen Schriftstellerin.

Info: Der Bär kletterte über den Berg – Alice Munro – ISBN 978-3803125934

Literarische Nachbarn:

  • Moon Lake von Eudora Welty
  • Himmel und Hölle von Alice Munro

5 Kommentare zu „(Klassiker) Der Bär kletterte über den Berg von Alice Munro“

  1. Liebe Katarina,
    ich danke dir ganz herzlich für diese wunderbare Vorstellung. Ich schätze Alice Munro, die ich über Jonathan Franzen vor Jahren entdeckt habe, sehr und habe bereits einige ihrer Bücher verschlungen. Manchmal sogar mehrmals. Sie ist eine großartige Erzählerin. Dieses hier kenne ich ausgerechnet noch nicht, habe es mir aber sofort bestellt. Danke für den tollen Tipp. 🙂
    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      Das freut mich sehr zu hören 🙂 „Der Bär kletterte über den Berg“ ist eine wunderbare Geschichte voller Tragik, aber auch unbändiger Liebe, die auf jeden Fall mehr Leser verdient. Ich wünsche Dir viel Spaß bei der Lektüre!

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