(Originalausgabe) The Lighthouse von Alison Moore

Futh hat sich gerade von seiner Frau getrennt und unternimmt nun eine Wanderreise nach Deutschland, um die düsteren Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben und anschließend einen Neuanfang zu wagen. Seine Reise beginnt in einem Gasthof nahe der niederländischen Grenze dem „Hellhaus“. Dort trifft er auf Ester, die ihrer verlorenen Schönheit nachtrauert, während sie lustlos die Zimmer des Gasthofes putzt, den sie zusammen mit Ehemann Bernard führt. Obwohl sich die beiden nur flüchtig begegnen wird dieses erste Zusammentreffen bei Fuths zweitem Besuch im „Hellhaus“, eine Woche später, beider Leben für immer verändern…

Meine Gedanken zum Buch…

Warum sich Alison Moore für ihren ersten Roman nun ausgerechnet Deutschland als Schauplatz ausgesucht hat, das werde ich mich wohl noch lange fragen. Doch auf ihrer literarischen Reise in das Land der Dichter und Denker offenbart sie mir, der Leserin, zwei ganze Menschenleben, die sich so will es der Zufall ineinander verflechten, wenn auch nur kurz und ich bin gefangen zwischen den Seiten dieses Romans und die Antwort auf diese Frage könnte mir eigentlich nicht egaler sein. Die Geister der Vergangenheit führen Futh nach Deutschland, dem Geburtsort seines Großvaters und lassen ihn wandern und ihn sein Leben überdenken und diese Leserin horcht auf und denkt bei sich, wie fremdbestimmt diese Figur doch ist, wie sehr der Zufall, nicht etwa das Schicksal, sie im Griff hat und einer Flickenpuppe gleich von Jahr zu Jahr schleudert.

Und am Ende ist Futh wieder dort, wo er hergekommen ist – sowohl im Leben als auch in Deutschland – dem Hellhaus, das seine eigenen Geheimnisse birgt. Geführt von einer Frau, die sich vom Leben so viel versprach und nun ihren Frust über all diese gebrochenen Versprechen abreagiert indem sie ihren Ehemann mit den Gästen betrügt, bei diesen Dinge stiehlt – nicht anders bei Futh – so auch eine kleine Parfümflasche in Form eines Leuchtturms, dem Titelgeber und auch einer wörtlichen Übersetzung des Namens vom Gasthaus, das sowohl für Futh als auch Ester zur Endstation wird, für jeden auf seine Weise.

Der Debütroman von Alison Moore braucht keine 200 Seiten um diese zwei Geschichten zu erzählen und etliche mehr, die damit verwoben sind; Bernard der Ehemann Esters zum Beispiel oder der Vater Fuths dessen gebrochenes Herz ihn bitter macht, nachdem Mutter Angela auf nimmer wiedersehen nach Amerika verschwand. Denn die Prosa Moores ist von der Sorte, die mit jedem Satz drei weitere sagt, denen der Leser erst im Nachklang des Kapitels gewahr wird. Immer im Wechsel tanzt man mit Futh und Ester, dann wieder mit Futh – immer länger mit Futh – und diese Leserin erahnt, was für ein Talent in der Autorin schlummern muss, die es wagt sich kurz zu fassen und die kleinen Geschichten zu erzählen, die in Wahrheit doch für so viel mehr stehen.

Die Geschichte Fuths nimmt kein glückliches Ende, so wie sie auch keinen glücklichen Anfang nahm. Am Ende ist man an seiner Seite lange gewandert, nur um sich so zu fühlen, als hätte man auf der Stelle getreten. Denn Futh schafft es trotz, oder vielleicht vor allem durch, die Blasen an seinen Füßen, nicht davor weg zu laufen, was ihn zu dem Mann macht, der er ist an diesem Scheideweg, der es einem so leicht macht falsch abzubiegen und sich im Wald zu verlaufen. Ist immer wieder der verlassene Sohn, das Opfer der Trauer des Vaters, fühlt sich nie ganz, nie echt, immer suchend und nur selten zuhause, ob nun auf Reisen oder nicht. Ester bleibt die verblasste Schönheit, die in ihrem Badezimmer fleischfressende Pflanzen züchtet, die sich nach dem Kampfergeruch ihres Mannes sehnt und doch nie vergessen kann, was sie an ihrem Hochzeitstag über ihn erfahren hat.

Kurz zusammen gefasst… Dieser Roman ist unscheinbar, doch diese Bescheidenheit täuscht. Denn zwischen den Buchdeckeln von „The Lighthouse“ verbergen sich Flutwellen unterdrückter Gefühle, die den Leser mit ihrer Wucht zu ertränken drohen. Wer sich dennoch von ihnen umspülen lässt, den erwartet ein außergewöhnliches literarisches Talent, von dem in Zukunft noch viel zu erwarten ist.

Info: The lighthouse – Alison Moore – ISBN 978-1-907-77317-4

Literarische Nachbarn:

  • Herr Merse bricht auf von Karin Nohr (Rezension)
  • True things about me von Deborah Kay Davies (Rezension)
  • Die Versehrten von Goncalo M. Tavares (Rezension)

2 Kommentare zu „(Originalausgabe) The Lighthouse von Alison Moore“

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