(Hörbuch) Tanz auf Glas von Ka Hancock

„Tanz auf Glas“ ist der Debütroman, der im amerikanischen Bundesstaat Utah geborenen und aufgewachsenen Autorin Ka Hancock. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete Ka Hancock als Krankenschwester, unter anderem in der Psychiatrie. Ihre beruflichen Erfahrungen flossen in die Handlung von „Tanz auf Glas“ ein.

„Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Denn beide haben ein schweres Schicksal zu tragen. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Als ihr Leben eine dramatische Wendung nimmt, wird die Kraft ihrer Gefühle einer harten Prüfung unterzogen.“ (Tanz auf Glas, Klappentext)

Das erste was ich von diesem Roman sah war das Cover. Immer und immer wieder zwinkerte es mir von diversen Blogs entgegen und das was sich dahinter verbarg wurde durchweg positiv aufgenommen. Lange zögerte ich noch, hatte Angst es könnte kitschig werden, vermochte mich noch nicht ganz vom Cover und dem Paar in winterlicher Zweisamkeit zu lösen, dass mich denken ließ, dies sei ein Liebesroman wie jeder andere. Dann traute ich mich allerdings doch und wurde prompt eines besseren belehrt. „Tanz auf Glas“ handelt zwar von Liebe und bringt den einen oder anderen Kuschelmoment mit, bei dem sich mir der Magen auf links dreht, aber zum größten Teil erinnert die Geschichte an die Gewissensfragen einer Jodi Picoult und insofern würde ich sagen, habe ich einen Glücksgriff gelandet.

Denn das Paar auf dem Cover, bzw. zwischen den Seiten, von „Tanz auf Glas“ hat es gar nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Sie kämpfen beide mit ihren Dämonen, bei Lucy heißt dieser Dämon Krebs, ein Krebs der sie schon mit Mitte zwanzig fast das Leben gekostet hätte und das alles, während ihr Angetrauter von der Depression in die Manie rutscht und wieder zurück, trotz Medikamententherapie, die er immer wieder eigenmächtig abbricht und damit seiner Frau in regelmäßigen Abständen das Herz bricht. Eine funktionierende Ehe zu führen ist nicht leicht, und das schon unter normalen Umständen, Mickey und Lucy klammern sich derweil aneinander, vom Schicksal gebeutelt und immer wieder getreten. Man wünscht ihnen ein glückliches Ende und merkt doch, während ihre Geschichte ihren Lauf nimmt, dass dieses ewige Glück in immer weitere Ferne rückt.

Ich hatte so meine Probleme mit dem Ende, das will ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Denn ich hatte ab und zu das Gefühl, die Autorin würde versuchen ihren Figuren, und letztlich auch mir, ihren moralischen Hut überzustülpen – eine Moral, die in den Sümpfen der amerikanischen Evangelistenkirchen gezüchtet wurde und die ich so nicht zu teilen vermag, eine moralische Agenda, die mir um ein Haar das gesamte Buch vergrätzt hätte. Am Ende hieß es für mich Hörbuch aus und kurz durchatmen, der Autorin im Zweifel vertrauen, dass sie ihren Figuren Raum zur Entwicklung zugesteht und mich als Leser nicht nur klamm heimlich indoktrinieren möchte. Und dann habe ich weiter gehört, um eben dieser Figuren willen. Denn an dem Punkt in der Handlung, der mich persönlich etwas verbitterte, hatte ich sie bereits ins Herz geschlossen.

Weder Lucy noch Mickey sind perfekt und ihre Liebe ist es auch nicht. Gerade das ist es, was den Roman von anderen Liebesromanen abhebt, was ihn davor bewahrt kitschig zu werden. Sobald das Ehepaar Chandler nämlich allzu glücklich ist, muss Mickey aufgrund einer Manie wieder stationär behandelt werden, oder Lucy macht sich Sorgen, weil ihre Ärztin ihr nach der Mammographie nicht mehr in die Augen schauen kann. Der Leser, in diesem Fall ich, liebt und leidet mit, regt sich über die Naivität und Resignation auf, mit der Mickey seiner Krankheit begegnet und darüber, dass Lucy ihm kein Fels in der Brandung der Manie sein kann, da sie selbst chronisch krank ist und nur auf ihre zweite Krebsdiagnose zu warten scheint.

Während die zwei Hauptfiguren einen großen Teil der Geschichte und Aufmerksamkeit des Lesers für sich in Anspruch nehmen, konstruiert Ka Hancock um sie herum ein Netzwerk aus Familie und Freunden. Dabei sind es Lucys beide Schwestern, die sich immer wieder in ihr Leben einklinken und so einen weiteren Fokus- und Identifikationspunkt für den Leser bieten. Wenn Lucy mir zu „pro-life“ wurde, hielt ich mich beispielsweise an die eher pragmatische Priscilla, die ihr den Kopf wusch und riet erst einmal für ihr eigenes Leben zu kämpfen und nach ihrer Genesung ihrem Kinderwunsch nachzugeben. Doch auch die sanfte Lily, deren Herz von einer vor Jahren schief gegangenen Adoption immer noch gebrochen ist, wurde zum Ende hin zu einer liebgewonnenen Figur, vor allem durch die Unterstützung, die sie ihrem vom Schicksal gebeutelten Schwager entgegen brachte.

„Tanz auf Glas“ war nicht immer ganz leicht verdaulich. Doch im Nachhinein habe ich das Buch gerne gelesen, habe die Figuren kennen und schätzen gelernt, habe mit ihnen gelitten und bin an ihrer Seite am Leben verzweifelt. Dabei wurde mir klar, dass dieser Roman vieles ist, traurig aber auch hoffnungsvoll, doch eines ist er nicht und das ist kitschig. Die liebenswerten Figuren und ihr aufrichtiger Kampf gegen unzählige Schicksalsschläge, trösteten über etwaige Mängel des Buchs und des Schreibstils hinweg; allzu konstruierte, bzw. sich unnötig wiederholende Szenen zum Beispiel. Nicht immer, war ich mit den Entscheidungen der Figuren zufrieden, doch es hat sich gelohnt dabei zu bleiben und das Buch zu Ende zu lesen. Denn es erzählte mir eine Geschichte, die mir noch lange in guter, bzw. rührender Erinnerung bleiben wird.

Das Hörbuch… wird sowohl von Ulrike Hübschmann als auch Peter Lontzek gesprochen. In der gekürzten Form hat Ulrike Hübschmann, die Lucy spricht, jedoch einen um einiges größeren Part als Peter Lontzek, der Mickey seine Stimme leiht. Gehört habe ich beide sehr gerne, denn ihre Stimmen haben eine angenehme Lage, dabei nicht allzu viel Spiel aber das ist bei einer Erzählung wie dieser hier auch nicht unbedingt nötig. Besonders die Stimme von Peter Lontzek hat mir gefallen, da sie nicht zu tief ist und angenehm sanft. Man muss sich manchmal anstrengen nicht weg zu dösen, da die Stimmen der Sprecher sich wirklich wunderbar dazu eignen einen eventuellen Zuhörer einzulullen. Doch im Endeffekt sind sie so manch anderen Sprechern mit penetranteren Stimmlagen vorzuziehen und passen mit ihrer Intonierung und dem Lesetempo gut zum Roman.

Ka Hancock – Tanz auf Glas – ISBN 978.3.426.65322.7

Ein Blick über den Tellerrand.

Literarische Nachbarn.

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  • Ein Hauch von Leben von Mari Strachan (Rezension)
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3 Kommentare zu „(Hörbuch) Tanz auf Glas von Ka Hancock“

    1. Lass Dich bitte nicht vom Cover verschrecken. Denn dann hättest Du nämlich was verpasst 😉
      Die Geschichte ist um einiges komplexer als sie auf dem Buchdeckel dargestellt wird und erinnert eher etwas an Jodi Picoult als Jojo Moyes.

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  1. Oh ich mag deine Rezension ❤ Ich mochte das Buch auch sehr gerne. Für mich ist es zugleich ein trauriges und herzerwärmendes Buch, das die wichtigen Dinge im Leben herausstellt.

    Darf ich mich an deiner Idee "bedienen" und ebenfalls bei Rezensionen andere Blogger verlinken? Ich finde das toll!!
    Sehr schön auch, dass du wieder da bist. Ich muss dringendst auch wieder mehr bloggen. Bei mir war es einfach das tägliche Leben, das mich gefangen genommen hat…

    Gefällt 1 Person

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