(Hörbuch) Zerbrechlich von Jodi Picoult

„Zerbrechlich“ ist der achtzehnte – Du hast richtig gelesen, der achtzehnte -Roman aus der Feder der amerikanischen Autorin Jodi Picoult. Nach einer Kindheit im US-Bundesstaat New York, studierte sie kreatives Schreiben an der Princeton Universität, wo sie 1987 ihren Abschluss machte. Mit ihrem 2007 erschienenen Roman „Neunzehn Minuten“ wurde sie weltweit bekannt und widmet sich seitdem, neben ihrer Familie, Vollzeit dem Schreiben von Romanen und Comics, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit ihrer ältesten Tochter Samantha.

„Willow, ihr lang ersehntes Kind, ist perfekt. Das ist das Erste, was Charlotte O’Keefe hört, als sie ihr Baby auf dem Ultraschallbild sieht. Ja, es ist perfekt. Daran ändert auch Willows Krankheit nichts. Charlotte liebt ihr Kind abgöttisch und will nur eins: es beschützen. Denn Willow braucht allen Schutz der Welt. Beim kleinsten Stoß brechen ihre Knochen. Jedoch auch ihr Herz kann brechen. Das scheint Charlotte zu vergessen, als sie vor Gericht das Geld für die richtige Behandlung erkämpfen will. Die Krankheit hätte früh erkannt und die Eltern gewarnt werden können. Charlotte muss jedoch behaupten, ihr geliebtes Kind sei besser nie geboren worden…“ (Zerbrechlich, Klappentext)

Jodi Picoult tut das, was sie am besten kann – sie stellt Gewissensfragen. Mehrmals habe ich ihr nun schon dabei gelauscht und war auch von „Zerbrechlich“ und seiner kontroversen Thematik wieder gefesselt. Wie weit würdest Du gehen, um Deiner behinderten Tochter ein komfortables und barrierefreies Leben zu ermöglichen? Würdest Du beschwören, dass Du sie nicht hättest haben wollen? Gibt es Leben auf dieser Welt, die lieber nie gelebt worden wären? All diese Fragen und mehr wirft Jodi Picoult in ihrem Roman „Zerbrechlich“ auf und oft weiß ich gar nicht recht was ich darauf antworten soll. Mein Hirn mag zwar eine Antwort haben, aber mein Herz schlägt doch oft die Pauke für die Gegenargumente und ebenso geht es Charlotte, Mutter der schwerbehinderten Willow.

Picoult lässt eine Reihe von Figuren zu Wort kommen. Als Leser wird man mit den Perspektiven von Mutter Charlotte, ihrem Ehemann, der älteren Tochter der O’Keefes, Charlottes bester Freundin Piper, die auch ihre Gynäkologin ist und sogar einer kurzen Passage gesehen durch die Augen der kleinen Willow konfrontiert. Dabei entwickeln sich schnell Präferenzen, denen auch ich mich nicht verschließen konnte. Denn bei einem so kontroversen Anliegen, wie dem von Charlotte O’Keefe, findet man sich zwangsläufig in der einen oder anderen Ecke wieder, um diese oder jene Figur anzufeuern oder einfach um dem ganzen Rechtsstreit ein Ende zu setzen, um der kleinen Willow willen, die zwar durch ihre Behinderung stark beeinträchtigt, sonst aber ein sehr aufgewecktes Kind ist.

Wer Jodi Picoult kennt, der weiß auch um ihre erzählerischen Vorlieben. In der Regel geht es um Familien, um Mütter, die für ihre Kinder zu Löwinnen werden. Dabei scheint es bei ihr ohne Gerichtsverfahren nicht zu gehen. Mindestens eine der vielen Erzählperspektiven ihrer diversen Romane hält sie für einen Juristen frei, oft kommt noch ein Arzt, bzw. eine Ärztin zu Wort und eventuell ein Polizist. Das ist das Erfolgsrezept der Jodi Picoult und es ist auch, was alle ihre Romane einander ähnlich macht. Austauschbar sind sie jedoch auf keinen Fall. In ihrem Roman „Zerbrechlich“ wird diese „one-fits-all“ Strategie des Schreibens wieder gnadenlos angewandt. Wer Jodi Picoult gerne liest, weiß in etwa was ihn erwartet. Wem die oben genannten Merkmale auf den Geist gehen, der ist mit diesem Buch schlecht beraten.

Ich allerdings war sehr zufrieden  und werde in Zukunft wohl noch zu weiteren Büchern der Autorin greifen, auch wenn ihre Themen oft schwer verdaulich sind. Wer kann schon einschätzen ob ein Leben lebenswert ist, bis auf denjenigen der es lebt? Doch was ist, wenn derjenige um dessen Leben es geht noch zu jung ist, um sich dahingehend zu äußern? Und ab und an brach es mir das Herz, so wie die Knochen der kleinen Willow brachen. Und trotzdem hat es sich für mich gelohnt. Denn auch wenn Jodi Picoult ihre Bücher streng nach Schema konzipiert, sind sie thematisch doch fordernd und verlangen dem Leser einiges ab. Einiges an Offenheit für den Standpunkt der Gegenseite und die Bereitschaft über die Lektüre hinaus noch an dem Problem darin zu knabbern, noch eine Zeit danach zu keiner zufriedenstellenden Antwort gelangt zu sein und es vielleicht nie zu tun.

Das Hörbuch… wird wie viele andere Picoult Bücher von einer Reihe unterschiedlicher Sprecher gelesen. Mit dabei sind dieses Mal unter anderem Dana Geissler, Marie Bierstedt und Matthias Koeberlin. Jedem von ihnen ist ein Teil der Handlung, bzw. eine Figur und deren Erzählstimme, zugeteilt. Keiner der Sprecher tut sich dabei besonders hervor, doch in ihrer Gesamtheit geben sie dem Roman etwas lebendiges, ja fast schon hörspielhaftes. Denn jeder Sprecherwechsel bringt Abwechslung in die Handlung und so bleibt man als Leser bei der Sache. Fast hätte ich das Buch in einem Rutsch gehört, so spannend war es. Daher muss ich auch davor warnen „Zerbrechlich“ als Einschlaflektüre zu benutzen – ich hab’s versucht und es hat mich nur unnötig wach gehalten 😉

Jodi Picoult – Zerbrechlich – ISBN 978.3.404.16698.5

Ein Blick über den Tellerrand.

Literarische Nachbarn.

  • Tanz auf Glas von Ka Hancock
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  • Lea von Pascal Mercier (Rezension)
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8 Kommentare zu “(Hörbuch) Zerbrechlich von Jodi Picoult”

  1. Ich glaube, das liegt auch noch auf Englisch auf meinem SUB (oder auf dem E-Reader). Mittlerweile haben sich da etliche ihrer Bücher gesammelt, weil ich dann doch anderen Büchern den Vorrang gab – mit dem Hintergedanken, dass ich Picoults Bücher auch in 5 Jahren noch begeistert lesen werde 😀 Langsam plagt mich aber das schlechte Gewissen, weshalb ich schon überlege, eine Picoult-Challenge zu machen, sobald der Uni-Stress etwas nachgelassen hat.

    Aber dass Jodi Picoult auch Comics schreibt, war mir neu. Ich wusste bisher nur von ihren Büchern und Theater-/Musicalstücken. Da muss ich doch glatt mal recherchieren 🙂

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    1. Das hatte mich ebenfalls überrascht. Man glaubt eine Autorin zu kennen und dann stellt sie sich auf einmal als um einiges vielseitiger heraus, als man zunächst angenommen hatte 😉

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    1. Solange man nicht alle Bücher hintereinander weg liest, dürfte es gar nicht unangenehm auffallen, dass sie sich von der Struktur her gleichen. Meiner Meinung nach sind Picoults Bücher um einiges besser geschrieben, als die Bücher der meisten amerikanischen Bestsellerautoren – man merkt, dass sie kreatives Schreiben studiert hat.

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  2. Schöne Rezension! :-). Von Frau Picoult sind bereits 18 Romane erschienen…! Ich habe erst zwei davon gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Irgendwie habe ich seitdem zu keinem weiteren ihrer Romane gegriffen, sollte dies allerdings wohl in nächster Zeit einmal überdenken, wenn sich die Gelegenheit bietet. „Zerbrechlich“ hört sich auf jeden Fall sehr interessant an – ein aufwühlendes Thema… !

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  3. Oh, Frau Picoult schreibt auch Comics, wer hätte das gedacht. Mein erster Roman von ihr war „19 Minuten“, davon war ich echt begeistert, dann habe ich aber einige Bücher gelesen, die mich gar nicht mehr überzeugten. Deine Rezension weckt aber wieder einmal mein Interesse. Vielen Dank dafür.

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  4. Hey,
    ich habe irgendwann im vergangenen Jahr versucht, das Hörbuch zu hören. Ich habe es allerdings abgebrochen.
    Vorher las ich „Zeit der Gespenster“ und war hin und weg von dem Roman. Von „Zerbrechlich“ war ich allerdings direkt enttäuscht. Ich mochte die Story einfach nicht und habe mich seitdem auch an keinen weiteren Roman von Picoult herangetraut.

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