(Neuerscheinung) Flamingos im Schnee von Wendy Wunder

„Flamingos im Schnee“ ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Wendy Wunder, die nicht müde wird, zu betonen, dass dies wirklich ihr Name ist. Ihre erste Kurzgeschichte schaffte es ins Gettysburg Review, einem namhaften amerikanischen Literaturmagazin. Neben dem Schreiben unterrichtet sie Yoga-Kurse in Boston und Umgebung, wo sie übrigens zusammen mit ihrer Familie lebt.

„Campbell Cooper würde gern ein normales Leben führen, aber die Diagnose Krebs hat ihr den Alltag genommen. statt sich wie jeder andere Teenager in ihrem Alter zu vergnügen, verbringt sie Tage und Wochen im Krankenhaus. Ihre Chancen stehen schlecht, das weiß sie, und an Wunder hat sie noch nie geglaubt. Ihre Mutter ist da anders. Als diese von einer Stadt in Maine hört, in der auch die unmöglichsten Dinge wahr werden, packt sie Campbell und den halben Hausstand zusammen und macht sich auf den Weg dorthin. Und tatsächlich gibt es in Promise Merkwürdiges zu sehen: Schnee im Sommer, Regenbogen ohne Regen und eine Schar Flamingos. Doch Campbell lässt sich so schnell nicht überzeugen. Erst als sie Asher kennenlernt und langsam beginnt, ihr Leben wieder zu genießen, scheint fast alles möglich.“ (Flamingos im Schnee, Klappentext)

Kaum habe ich diesen Roman angefangen, habe ich ihn auch schon ausgelesen. Hätte ich mich im Vorfeld näher mit der Thematik des Buchs auseinander gesetzt, dann hätte ich sicher gedacht – och nö, nicht noch ein Krebsbuch. Doch indem ich frisch und unbeeindruckt in die Handlung einstieg, konnte mich diese fesseln, ohne dass ich Zeit gehabt hätte zu protestieren. Und ich freue mich im Nachhinein, dass ich sie erleben durfte, in all ihrer Tragik und gleichzeitig voller Wunder oder dem, was mir als jungem Menschen wie ein Wunder vorkommen mag – namentlich die erste große Liebe, für die der todkranken Campbell leider viel zu wenig Zeit bleibt.

Ein bisschen erinnert „Flamingos im Schnee“ dabei an „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, obwohl die jeweiligen Hauptfiguren sich im Grunde nicht unähnlicher sein könnten. Wo Hazel durch ihre Krankheit fast weise geworden ist und eigentlich eher über die erste Liebe stolpert, versucht Cam verzweifelt eine ausgefüllte Jugend in ihren letzten Sommer zu quetschen. Dieser Tatendrang befeuert den Roman und zieht den Leser mit sich, wobei er ihn auch ab und zu stolpern lässt und darauf besteht, dass man bestimmte Dinge, die im Roman passieren einfach so hinnimmt – Wunder eben – und nicht weiter auf eine Erklärung besteht.

So würde ich diesen Roman fast dem Genre „magischer Realismus“ zuordnen, auch wenn sich die Magie immer nur im Kleinen zeigt und nie den Roman bestimmt. Ein Roman, der von einem Krebsbuch zu einer Roadnovel wird um schließlich als Mischung aus Coming-of-age Roman und Liebesgeschichte zu enden. Insofern hat sich Debütautorin Wendy Wunder einiges vorgenommen und wenn man es so zusammengefasst liest, möchte man meinen der Leser wäre am Ende überfordert, doch mit nichten. Die Handlung kurvt durch das Buch ohne vom Weg ab zu kommen und ich lasse mich chauffieren, ohne jedoch jemals die Straße aus den Augen zu verlieren. Will sagen, „Flamingos im Schnee“ ist auf eine lässige Art unterhaltsam.

Die Liebesgeschichte zwischen der todkranken Campbell und dem Dorfschönling Asher ist natürlich vorprogrammiert, schließlich handelt es sich hier um ein Jugendbuch und die kommen neuerdings wohl nicht ohne aus – sogar eine Dreiecksgeschichte mit Cams gutmütigem Kindheitsfreund Jackson ist ansatzweise vorhanden. Manchmal kommt mir das ganze etwas weit hergeholt vor und ich frage mich, ob das Buch nicht auch ohne all diese pubertären Schwärmereien ausgekommen wäre, muss mir dann aber ins Gedächtnis rufen, dass es sich bei „Flamingos im Schnee“ um eine Liebesgeschichte mit Krebs handelt, nicht etwa um eine Krebsgeschichte mit einer Prise Liebe, um den Leser bei der Sache zu halten.

Wenn man es so sieht, dann passt es schon, auch wenn die Nähte nicht immer ganz glatt sind und ich im Vergleich immer Hazel und Gus, Campbell und Asher vorziehen würde. Doch das ist sicher Geschmackssache, denn auch im direkten Vergleich macht „Flamingos im Schnee“ eine gute Figur. Es ist um einiges leichter verdaulich und kommt auch ohne überraschende Wendung aus, auch wenn sich Wendy Wunder einiger Klischees bedient um diese Lücke zu füllen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist dieser Roman eindeutig die Lektüre wert und sorgt beim Leser – in diesem Falle bei mir 😉 – für gute Unterhaltung, sehnsüchtige Seufzer und das eine oder andere verdrückte Tränchen.

Wendy Wunder – Flamingos im Schnee – ISBN 978.3.442.31323.5

Ein Blick über den Tellerrand.

Literarische Nachbarn.

  • Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green (Rezension)
  • Ich, Earl und das sterbende Mädchen von Jesse Andrews
  • Hast Du vielleicht noch einen Tipp für mich?
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12 Kommentare zu “(Neuerscheinung) Flamingos im Schnee von Wendy Wunder”

  1. Eine schöne und aussagekräftige Besprechung ist dir da gelungen! Das Buch steht seit einigen Monaten auf der Wunschliste – es klingt für mich ein bisschen nach ’seichter‘ Lektüre, die aber dennoch lesenswert erscheint.

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    1. „Flamingos im Schnee“ spricht definitiv die träumerische Seite im Leser an. Trotzdem fühlte ich mich nun nicht grotesk unterfordert 😉 Die Geschichte macht einfach Spaß, sofern man bereit ist, sich auf sie einzulassen.

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  2. Welch ein wunderschöner exotischer, irgendwie auch verwunderlicher Titel. Da musste ich direkt bei dir vorbeischauen. Momentan gibt es so viele Bücher, welche sich inhaltlich mit dem Thema Krebs befassen. Immernoch im Gespräch ist „Arbeit und Struktur“. Mir ist (nachdem ich deine interessante Besprechung gelesen habe), als würde uns die Geschichte die Hand reichen, uns Luft zum Atmen geben. Wenn es diese hoffnungsvollen glücklichen Momente gibt, dann würde auch ich das Buch gerne lesen wollen. Zwar mag ich melancholische Bücher, aber bei dem Sujet Krebs bin ich immer sehr zurückhaltend.

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  3. Ein Buch, das schon lange auf meiner Wunschliste steht – nach deiner Rezension rutscht es definitiv ein paar Plätze höher und landet bestimmt auch bald in meinem Regal. Das klingt trotz der eigentlich schweren Kost, die eine Krebsgeschichte ja meist mit sich bringt, nach dem perfekten Roman für zwischendurch. Dankeschön!

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    1. Da es gegen Ende des Romans eine Liebesszene am Strand gibt, würde ich spontan 15+ sagen – natürlich abhängig vom persönlichen Reifegrad der jeweiligen Leserin.
      Campbell und Asher sind übrigens 16 und 18 Jahre alt – ich finde das Alter der Protagonisten ist immer ein guter Richtwert, wenn man sich fragt, wie alt Leser mindestens sein sollten.

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