(Reread) Eat, Pray, Love von Elizabeth Gilbert

Nach einer langen Durststrecke brachte mich die Selbstfindungsreise von Liz Gilbert in kleinen Schritten wieder zum Lesen zurück. Mit ihrer Offenheit, ihrem Sinn für Humor und dem standhaften Glauben an die Liebe und das Leben entfachte sie eben diesen auch in mir und etablierte ihre Autobiografie so erneut als eines meiner Lieblingsbücher…

Download (42)„Elizabeth ist Anfang dreißig und hat eine schmerzvolle Scheidung hinter sich. Sie steht vor dem Nichts und beschließt, alles, was sie bisher hatte, in New York zurückzulassen und ein neues Leben zu beginnen. Sie verbringt vier Monate in Rom, lernt Italienisch, genießt das Leben und vor allem das gute Essen. Es folgen vier weitere Monate in einem indischen Ashram, wo sie sich in endlosen Meditationen übt. In Bali schließlich erfährt sie die glückliche Balance zwischen innerem und äußerem Glück. Mit Selbstironie, Charme und Intelligenz erzählt die Autorin von ihrer Reise durch die Welt und zu sich selbst. Eine ehrliche und bewegende Selbsterfahrungsgeschichte für alle, die mutig Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen.“ (Eat Pray Love, Klappentext)

Auch wenn ich als Glutenabstinenzlerin in Italien wahrscheinlich verhungern würde, gehört der Anfang des Buchs zu meinen Lieblingspassagen. Ebenso wie Liz verehre ich den Klang der italienischen Sprache und Wörter wie attraversare, ebenso wie Beschreibungen von neapolitanischen Pizzen lassen mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Gleichzeitig ist es aber auch dieser Teil, der am meisten schmerzt. Denn hier erzählt Liz mir, wie ihre Ehe, die hoffnungs- und liebevoll begann, nach Jahren emotional zerrüttet ist und ihr nichts als Unrast bereitet. Das ging mir manchmal ganz schön zu Herzen, Liz verschweigt mir nämlich gar nichts, egal wie schlecht sie selbst dabei weg kommen mag. Denn hatte sie das nicht alles gewollt – einen Ehemann, ein Haus in der Vorstadt und trotzdem ist sie nicht glücklich. Liz schließt daraus, dass es wohl an ihr liegen muss und so reicht sie die Scheidung ein und setzt aus sich selbst zu finden.

So einfach ist das natürlich nicht. Zunächst ist da ein neuer Mann mit dem es ähnlich turbulent läuft, wie mit dem Ex und dessen Gegenwart Liz sowohl zu ihrem Guru führt als auch in den Schlund einer Depression stürzen lässt. So kann es nicht weitergehen und Liz sieht das ebenfalls ein – also auf nach Italien und ich im Gepäck 😉 Dort trifft sie einige kuriose Figuren, allen voran Luca Spaghetti, der mir mit Abstand am besten gefällt. Liz lernt hier wieder zu leben, nur für sich ganz ohne Mann an ihrer Seite, lernt das Leben wieder zu genießen. Es ist dieser Teil des Buchs, der auch mich als Leserin am meisten genährt hat und den ich in Krisenzeiten immer wieder gerne Lesen würde, um mich emotional wieder aufzupäppeln.

Im zweiten Teil geht es nach Indien und der Ton des Buchs verändert sich schlagartig. Während es im ersten Teil noch stark autobiografisch war – es ging um Liz Ehe, ihre Depression und ihre Zeit in Italien – wird es nun hoch philosophisch und spirituell. Ob dieser Teil einem gefällt, hängt stark davon ab, wie man zum Konzept der Religion und des Glaubens steht. Wer selbst spirituell veranlagt oder suchend ist, für den dürfte der indische Teil dieses Buchs eine wahre Goldgrube sein. Ich persönlich bin nicht daran interessiert mir einen Guru zuzulegen und daher ging mir nach und nach die Geduld aus, für diese Passage des Buchs, die sich nur sehr schleppend liest und dabei eher wie ein verhaltenes New Age Sachbuch wirkt.

Ich beeilte mich durch diesen Teil des Buchs hindurch zu kommen, und hätte es Richard aus Texas nicht gegeben, dann wäre ich wohl gescheitert oder es wäre zumindest um einiges langweiliger gewesen. Er wird für Liz zu einer Art „real world“-Guru, wo ihr eigentlicher Guru sich gerade in New York befindet und dort ihren Ashram besucht – wo Liz doch extra nach Indien gereist ist. Die Lebensweisheiten mit denen Richard Liz beehrt sind nicht immer ganz fein formuliert, aber sie haben doch einiges an Einsicht. Er bringt Liz dazu den Ursprung ihrer Fehler und ihres Unglücks nicht immer außerhalb ihrer Selbst zu suchen und gibt auch mir damit zu denken. Manchmal müssen wir erst uns selbst heilen und vergeben, bevor wir unser Leben aufräumen und anderen vergeben können.

Der dritte Teil des Buchs spielt auf Bali und ist die perfekte Kombination aus den vorangegangenen. Auch hier gibt es wieder eine kuriose, aber dabei unglaublich liebenswerte Figur, die ich beim Lesen in mein Herz geschlossen habe – Ketut Liyer den zahnlosen Shamanen. Er lehrt Liz die Balance in ihrem Leben zu finden, zwischen Genuss und Spiritualität. Was liebenswerte Figuren angeht ist der balinesische Teil sicher am besten bestückt, denn da gibt es noch Wayan, die Dorfheilerin und ihre Tochter Tutti, und natürlich Phillippe, der Liz mit seiner Feinfühligkeit und Sentimentalität dazu bringt wieder an die Liebe zu glauben. Das Ende dieses Buchs hätte nicht perfekter sein können, wenn Liz es im voraus so geplant hätte. Nach zwölf Monaten Sinnsuche und etwas über 300 Seiten habe ich Liz derart in mein Herz geschlossen, dass ich ihr das Happy End natürlich von ganzem Herzen gönne.

„Eat Pray Love“ profitiert ganz klar davon, dass Liz Gilbert als Person einfach sympathisch ist. Trotz ihrer vielen Neurosen mochte ich sie auf Anhieb gerne, ihre Erzählstimme und ihre schonungslose Ehrlichkeit, ihre Liebe zu den Menschen, die sie auf ihrer Selbstfindungsreise kennen gelernt hat. Nicht jede Autobiografie schafft es mich so in ihren Bann zu ziehen wie „Eat Pray Love“, egal wie interessant das Leben auch sein mag, das dort beschrieben wird. Es ist ganz klar eines der Bücher, zu denen ich im Laufe meines Lebens immer wieder zurückkehren werde, da es sicher in jedem Abschnitt meines Lebens einen weiteren guten Rat für mich bereit halten wird.

Eat Pray Love – Elizabeth Gilbert – ISBN 978.3.833.30473.6

Für Leser, die…

  • …sich in einer Sinnkrise befinden.
  • …Fernweh haben.
  • …hoffnungslose Romantiker sind.

Am besten kombiniert mit…

  • Das Julie & Julia Projekt von Julie Powell
  • Der große Trip von Cheryl Strayed (zur Rezension)
  • Das Happiness-Projekt von Gretchen Rubin
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5 Kommentare zu „(Reread) Eat, Pray, Love von Elizabeth Gilbert“

  1. Vielen Dank für diese schöne Rezension! Ich muss eingestehen, dass ich das Buch schon vor längerer Zeit abgebrochen habe. Ich wollte es unbedingt wegen Indien und Bali lesen, doch die Italienreise war mir dann doch zu langatmig, dass ich es nicht bis zum Ziel geschafft habe! Schade. Vielleicht kann ich mich doch noch einmal aufraffen, dieses Buch in die Hand zu nehmen und weiterzulesen.

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    1. Warum fängst Du nicht einfach beim Indien-Teil an? Wenn Du in etwa weißt, was im Italien-Teil passiert, dann kannst Du sicher auch quer einsteigen und Dich trotzdem orientieren. (Wenn nicht, schummel einfach ein bisschen und schau den ersten Teil des Films 😉 )

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  2. Vielen Dank für diese schöne Besprechung, die mich an ein Buch erinnert, dass ich vor vielen Jahren auch gerne gelesen habe. Vor einiger Zeit habe ich auch ihr zweites Buch verschlungen („Das Wesen der Dinge und der Liebe“), das ich dir nur ganz dringlich ans Leserherz legen kann!

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    1. Mich wird „Eat, Pray, Love“ wohl noch lange begleiten. Thematisch passt die Suche nach sich selbst schließlich in jeden Lebensabschnitt.
      „Das Wesen der Dinge…“ liegt schon auf meinem Hörbuch SUB. Ungekürzt hat es glaub ich über 20 Stunden, da kann ich mich richtig reinfallen lassen 😉

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