(Originalausgabe) The Life of a Banana von PP Wong

Ihre Nischenexistenz als chinesisch-stämmige, eigentlich jedoch englische Schriftstellerin machte PP Wong in Großbritannien auf Anhieb berühmt. Als ihr Debütroman für den diesjährigen „Bailey’s Women’s Prize for Fiction“ nominiert wird, beschließe ich dem Hype auf den Grund zu gehen…

str2_sharilbananaR_sharmilla_1_cover„Xing Li is what some Chinese people call a banana – yellow on the outside and white on the inside. Although born and raised in London, she never feels like she fits in. When her mother dies, she moves with her older brother to live with venomous Grandma, strange Uncle Ho and Hollywood actress Auntie Mei. Her only friend is Jay – a mixed raced Jamaican boy with a passion for classical music. Then Xing Li’s life takes an even harsher turn: the school bullying escalates and her uncle requests she assist him in an unthinkable favour. Her happy childhood becomes a distant memory as her new life is infiltrated with the harsh reality of being an ethnic minority.“ („The Life of a Banana“, Klappentext)

Dieser Grund scheint sich leider in der Vermarktungsmöglichkeit der Autorin zu erschöpfen. Sowohl chinesisch als auch Britin zu sein, das schafft angeblich nicht mal Xiaolu Guo, somit hat es auf dem englischen Buchmarkt Seltenheitswert und ist schon deshalb erst einmal interessant. Von dieser Neugier auf das Fremde im (quasi) eigenen Land, kann ich mich selbst auch nicht völlig frei machen und so griff ich zugegebenermaßen sehr unbedarft zum Debütroman der Autorin. Ich wurde trotz der Hoffnung, die so eine Literaturpreisnominierung beim Leser weckt schwer enttäuscht. Es ist nicht so, dass dieser Roman eine totale Katastrophe wäre, eine Zeitverschwendung von Anfang bis Ende, doch preisverdächtig ist er leider nicht.

Ich gönne PP Wong die Aufmerksamkeit, die ihr durch die Nominierung zuteil wird, hätte mir diesen Medienrummel aber für ein um einiges gereifteres Werk gewünscht. PP Wongs Stil ist noch viel zu unbedarft, der Geschichte fehlt es an Handlung und wenn man mich fragt, einem empathischen aber doch schonungslosen Lektor. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines jungen Mädchens erzählt und richtet sich, meiner Meinung nach, auch an ein solches und nicht etwa an die Horden bereits erwachsener Guardianleser, die sich nun zweifelsohne darauf stürzen werden, wie zuvor auf die aktuelle Veröffentlichung von Zadie Smith – eine Enttäuschung  ist in diesem Fall geradezu vorprogrammiert.

PP Wongs Stärke ist eindeutig ihre Perspektive abseits des Mainstreams, doch mehr hat sie an diesem Punkt in ihrer schriftstellerischen Entwicklung leider noch nicht zu bieten. Ihre Figuren lassen erkennen, dass sie sich darum bemüht Individuen zu erschaffen, denen man auch auf einer Londoner Straße begegnen könnte. Leider sind dies alles in allem ziemlich tollpatschige Versuche. PP Wong zeichnet ihre Figurenportraits mit Fingerfarben, während sich diese Leserin Bleistiftzeichnungen erhofft, letztlich aber auch mit Kohleskizzen zufrieden gewesen wäre – beides sucht man hier vergeblich, vielleicht werde ich in PP Wongs nächstem Roman fündig werden oder dem übernächsten.

Sie nimmt sich viel vor diese junge Schriftstellerin, hätte aber gut daran getan sich auf ein Thema zu konzentrieren. Als asiatische Britin in London aufzuwachsen böte sich an, darüber hinaus widmet sich das Buch aber auch dem in England geradezu epidemischen Schulmobbing, psychischer Krankheit im engeren Familienkreis, dem Verlust und der Trauer um eine Bezugsperson, der ersten Liebe, und dergleichen mehr. Das klingt so als wäre dieser Roman sehr komplex, doch keines dieser Themen wird zu genüge ausgelotet. Aufgrund der vielen Fäden, die es in diesem 300 Seiten starken Werk zusammen zu knoten gilt, bleibt PP Wong stehts an der Oberfläche.

Ich bin sehr offen an diesen Roman heran gegangen – ich war besonders offen dafür von ihm begeistert zu werden 😉 – muss nun aber leider sagen, dass diese Geschichte und ihre Figuren von der ersten bis zur letzten Seite schrecklich unausgegoren sind und ich die Lorbeeren, die sie PP Wong gerade einbringen, nicht als verdient ansehen kann. Wer mit der richtigen Einstellung an dieses Buch heran geht, der wird es als unterhaltsames, wenn auch etwas anfängerhaftes, Intermezzo in seinem Lesealltag erleben. Doch rate ich davon ab meinen Fehler zu wiederholen und die Lektüre dieses Romans gänzlich auf eine Literaturpreisnominierung zu stützen. Denn die so geweckten Erwartungen werden von „The Life of a Banana“ leider auf ganzer Linie enttäuscht.

The Life of a Banana – PP Wong – ISBN 978-1-910-05321-8

Bisher ist dieser Roman leider noch nicht in deutscher Übersetzung erhältlich. Eine Lektüre im Original dürfte ab Sprachlevel B1 aber kein Problem sein.

Für Leser, die…

  • …sich noch gut an ihre Mädchenzeit erinnern.
  • …zwischen zwei Kulturen stehen.
  • …einmal über den Tellerrand schauen wollen – aber nicht allzu weit 😉

Am besten kombiniert mit…

  • Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker (zur Rezension)
  • Wunder von Raquel J. Palacio
  • Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen von Aimee Bender (zur Rezension)
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