(Backlist) Die Spiele der Erwachsenen von Sophie Dahl

Sophie Dahl kannte ich immer nur als Fotomodell und daher war ich skeptisch, als ich zum ersten Mal von diesem Roman hörte. Doch auf einem meiner Lieblingsblogs (der seitdem leider geschlossen wurde) erspähte ich eine begeisterte Rezension und das reichte aus, um mich dazu zu verführen dem Buch selbst eine Chance zu geben…

517FkENgIYL._SY344_BO1,204,203,200_„Kitty ist dreizehn und lebt mit ihrer Mutter Marina bei ihren Großeltern in der englischen Provinz. Aber die Provinz ist Marina, die jünger und schöner ist als alle anderen Mütter, zu langweilig. Als sie ihrem Guru Swami-ji nach New York folgt, landet Kitty erst in der Hölle eines Internats und dann in einem Ashram. Und weil weder Männer noch Partys noch Drogen ihre Mutter glücklich machen, wird Kitty wieder zurück nach London geschleppt. Dort muss sie sich entscheiden: Will sie weiter den Eskapaden ihrer Mutter folgen, oder denkt sie endlich an sich selbst?“ („Die Spiele der Erwachsenen“, Klappentext)

Und auch wenn das Buch seine kleinen Unzulänglichkeiten hat, bin ich froh mich auf die literarischen Spielereien der Sophie Dahl eingelassen zu haben. Denn es fließt auf eine wunderbar entspannende und verträumte Weise dahin, ähnlich wie das Rauschen des Meeres (oder der nahe gelegenen Autobahn) einen in den sanftesten und dabei auch süßesten Schlaf, wiegt. Sophie Dahl hegt keinen hochgeistigen, literarisch versierten Anspruch so scheint mir, sondern schreibt einfach auf, wohin ihre Fantasie sie führt. Sie hinterlegt dabei eine Landkarte, der man als Leser ganz gemächlich folgen kann, um auf dem Weg hier und dort eine kleine Perle zu finden. Der große, grell funkelnde Schatz am Ende dieses literarischen Pfades bleibt jedoch aus.

Um das Bild von der Landkarte weiter zu führen, fühle ich mich an dieser Stelle dazu genötigt Dir zu erzählen, dass diese leider weder Längen- noch Breitengrade aufweist. Gemeint sind damit Angaben zu Zeit und Ort im Laufe der einzelnen Kapitel. Noch Mitte des Romans glaube ich mich in den Siebzigern zu befinden, und dabei scheint die Handlung ungefähr in der heutigen Zeit zu spielen – ganz sicher bin ich mir nach wie vor nicht. Auch der Handlungsort ist oft erst bis zum dritten Absatz klar und das ist erst einmal sehr verwirrend, besonders da die Familie von Kitty oft umzieht und mir als Leser am Ende nahezu schwindelig wird, weil ich einfach nicht weiß wohin ich mich wenden soll. Wo sind wir jetzt gerade und wann, wie lange dauert es noch, bis Sophie Dahl es mich wissen lässt? Nach und nach merke ich, dass die Autorin keine Rücksicht darauf nimmt, dass ich als Leser das Buch nicht mit ihrem Wissen über die Geschichte aufgeschlagen habe, sondern mir dieses erst nach und nach aneignen muss.

Letztlich würde ich dies aber als einziges Problem ansehen, das ich mit der Lektüre hatte. Denn abgesehen davon schlägt sich die Debütautorin, die sonst eigentlich nur Kochbücher schreibt, überraschend gut. Die mir von ihr erzählte Geschichte ist eine, die mich auf ganzer Länge begeistern kann, auch wenn sie sich im Vergleich zu anderen von mir bisher gelesenen und geliebten Coming-Of-Age Romanen meiner Meinung nach nicht so recht behaupten kann. Trotzdem bietet „Die Spiele der Erwachsenen“ solides Lesevergnügen für die leichtfüßigeren Tage des Jahres, ein Gartenlesebuch, auf dem auch mal ein Marienkäfer Platz nehmen und bewundert werden darf, ohne dass es einen direkt aus dem Lesefluss heraus bringt. Ich blättere die Seiten wie unbeabsichtigt um und fühle mich doch Tag um Tag aufs neue von ihnen angezogen.

Kitty ist dem Leser eine treue Gefährtin, auch wenn man sie sich ab und an etwas komplexer gewünscht hätte. Der eigentliche Star des Romans ist jedoch ihre junge und dabei so beeindruckend schöne Mutter, die wie ein Blatt im Wind von der einen Seite des Ozeans auf die andere weht und wieder zurück, scheinbar nie ankommt im gelobten Land ihrer Tagträume, doch das Streben und die Suche danach trotzdem niemals aufgibt. Die Rahmenhandlung, in der eine hochschwangere Kitty von New York nach London reist, lässt ein durchwachsenes Ende schon auf den ersten Seiten erahnen. Doch der Leser trauert nicht um die verloren gegangene Spannung, denn in „Die Spiele der Erwachsenen“ ist der Weg an sich schon das Ziel.

Das Erreichen dessen mich mit einem wohligen Gefühl zurück lässt. Denn trotz der oft harten Realitäten über das Erwachsenwerden, die dem Leser zwischen den Buchdeckeln zugemutet werden, ist „Die Spiele der Erwachsenen“ ein Buch mit dem man sich rundherum wohlfühlen kann. Denn es besitzt eine Leichtigkeit, die vielen Coming-Of-Age Romanen fehlt. Heranwachsen muss nicht immer weh tun, oder gar in einer persönlichen Katastrophe enden, findet Autorin Sophie Dahl und ich, die ich diese Zeit selbst mit ein paar Schrammen zwar aber sonst doch unbeschadet überstanden habe, stimme ihr was das angeht voll und ganz zu.

Die Spiele der Erwachsenen – Sophie Dahl – ISBN 978.3.8270.7815.5

Für Leser, die…

  • …locker, flockige Coming-Of-Age Geschichten lieben.
  • …nach leichter Lektüre für die Sommermonate suchen.
  • …im Schatten einer vielseitig begabten Mutter aufwuchsen.

Am besten kombiniert mit…

Advertisements

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s