(Sachbuch) Female Chauvinist Pigs: Women and the Rise of Raunch Culture von Ariel Levy

Was feministische Sachbücher angeht ist die Bücherphilosophin mittlerweile angefixt. Wie konnte ich also diesem Buch widerstehen, verspricht es doch mir die Augen noch weiter zu öffnen…

Download (7)„Meet the Female Chauvinist Pig—the new brand of “empowered woman” who wears the Playboy bunny as a talisman, bares all for Girls Gone Wild, pursues casual sex as if it were a sport, and embraces “raunch culture” wherever she finds it. If male chauvinist pigs of years past thought of women as pieces of meat, Female Chauvinist Pigs of today are doing them one better, making sex objects of other women—and of themselves. They think they’re being brave, they think they’re being funny, but in Female Chauvinist Pigs, Ariel Levy asks if the joke is on them.“ („Female Chauvinist Pigs“, Klappentext)

Was „Living Dolls“ von Natasha Walter im Bezug auf die Britische Kultur bemängelt, prangert Ariel Levy nun mit Blick auf die US-amerikanische Kultur an. Es geht ihr darum, wie das Patriarchat sich den Feminismus zur Brust genommen hat und seine Lehren und Parolen nun für die eigenen Zwecke, bzw. gegen amerikanische Frauen verwendet. Betrunkene junge Frauen, die im TV Format „Girls Gone Wild“ ihre Brüste entblößen, werden als befreit und emanzipiert dargestellt, obwohl sie laut Ariel Levy von der chauvinistischen „Raunch Culture“, die in den USA zur einzigen Kultur zu werden droht, instrumentalisiert und schamlos ausgenutzt werden. So beginnt Ariel Levys Abrechnung mit einer Art Frau, die verzweifelt versucht in einer sexistischen Männerwelt anerkannt zu werden.

Und das geht laut Levy nur auf zwei Weisen, entweder lassen sich Frauen jeglichen Alters zu Sexobjekten degradieren oder sie benehmen sich noch schlimmer als die Männer, die sie objektivieren. Wie ersteres aussieht habe ich ja bereits beschrieben, letzteres äußert sich in einem Ansturm heterosexueller Frauen auf die Stripclubs der USA, natürlich in männlicher Begleitung. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass diese Art Frau, die schon in der Serie „Sex and the City“ ausführlich porträtiert wurde, die Ketten des Patriarchats nun endlich abgestreift hätte, um ihre Sexualität frei und unbeschämt auszuleben. Schaut man jedoch genauer hin merkt man, dass es nicht die Sexualität der emanzipierten Frau ist, die hier gelebt wird, sondern die der Männer, die sie mit ihrem Machobravado zu beeindrucken versucht.

Ariel Levys Buch ist sowohl interessant als auch unterhaltsam. Sie nimmt verschiedene Kulturphänomene unter die Lupe, „Girls Gone Wild“ habe ich schon erwähnt, andere sind zum Beispiel das Männermagazin „Playboy“ und die angeblich feministischen „Cake Parties“. Mit diesen Detailbesprechungen illustriert sie den Holzweg, auf dem die befreite Frau von heute ist, wenn sie meint ihr Barbie Outfit und das Maxim Abo würden sie nicht in Ketten legen. Sie bezieht sich dabei ausdrücklich auf die US-amerikanische „Raunch Culture“, die sogar das amerikanische Olympiateam der Frauen dazu treibt sich nahezu unbekleidet für diverse Männermagazine fotografieren zu lassen, alles im Sinne der Frauenbefreiung. Manchmal kommt Ariel Levys Kritik dabei etwas von oben herab, sie sieht sich ganz klar als immun an, gegenüber den korrodierenden Einflüssen des Mainstreams.

Mich persönlich machte die Lektüre von „Female Chauvinist Pigs“ lange nicht so wütend wie derzeit die von „Living Dolls“, auch wenn sich die Bücher im Grunde einem ähnlichen Thema widmen. Denn in Ariel Levys Buch sind es vor allem Frauen, die den falsch verstandenen neuen „oben ohne“ Feminismus voran treiben. Vielleicht ist es auch die geografische Distanz zu Amerika, aber ich kann über die Fallbeispiele in diesem Buch nur den Kopf schütteln. Ich bedauere amerikanische Frauen fast ein bisschen, da sie sich scheinbar selbst durch herausragende Leistungen der Objektifizierung nicht entziehen können, daran oft sogar aktiv teilhaben. Europa ist da leider nicht viel besser, auch hier gibt es einschlägige Presse, welche zum Beispiel die Kanzlerin im Badeanzug ablichtet. Doch darauf nimmt Ariel Levy in ihrem Buch natürlich keinen Bezug.

Auch wenn es mich lediglich indirekt betrifft war mir die Lektüre von „Female Chauvinist Pigs“ doch wichtig. Denn sie wirkt auf mich wie ein abschreckendes Beispiel, auch wenn ich sicher nie so wirklich in Gefahr war mich gängigen Rollenvorbildern, vor allem denen im Minirock, anzupassen. Ariel Levys Buch ist ein Weckruf für alle, die dachten, dass Feminismus sich mittlerweile überlebt hat und das Seite Eins Mädchen doch eigentlich eine Vollblutemanze ist, schließlich wird sie für ihr Bild bezahlt. Doch so sieht Feminismus nicht aus, ganz im Gegenteil. Wenn wir nicht aufpassen und so bald wie möglich gegensteuern, so prophezeiht Levy, werden zwar die Errungenschaften der sexuellen Revolution allgegenwärtig bleiben, die feministischen Aspekte aber langsam daraus getilgt werden, bis wir Frauen wieder Mütterchen am Herd sind, nur eben in Minirock und ohne Höschen.

Female Chauvinist Pigs: Women and the Rise of Raunch Culture – Ariel Levy – ISBN 978.0.743.28428.8

Für Leser, die…

  • …sich gegen die Vulgärkultur auflehnen.
  • …glauben, dass es mehr als nur eine Art gibt Frau zu sein.
  • …einen feministischen Blick über den Tellerrand werfen wollen.

Am besten kombiniert mit…

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