(Backlist) Tsugumi von Banana Yoshimoto

Nicht jedes Buch von Banana Yoshimoto schafft es mich zu begeistern, trotzdem zähle ich sie zu meinen Lieblingsautorinnen. „Tsugumi“ nun ist das nächste Buch aus ihrer Feder, das es zu entdecken gilt…

41ZwRG2qUoL._SX312_BO1,204,203,200_Auf der Halbinsel Izu erneuern zwei Mädchen jeden Sommer ihre Freundschaft: die Ich-Erzählerin Maria und die wilde Tsugumi, deren Temperament nicht so recht zu ihrer fragilen Gesundheit passen will. Es ist der letzte Sommer einer engen Mädchenfreundschaft. Tsugumi lernt einen jungen Mann kennen, der im Ort heftig angefeindet wird. Er scheint der einzige zu sein, der das eigenwillige Mädchen zu erobern vermag.

Bei Banana Yoshimoto ist der Weg das Ziel, so auch in ihrem Roman „Tsugumi“. Wortreich und ein bisschen nostalgisch schwelgt ihre Erzählung durch die Jahre, angefangen mit der Kindheit der Erzählerin Maria – ob sie im Original wohl auch so heißt, frage ich mich – in einem kleinen Ferienort am Meer. Als Tochter der Geliebten eines Tokyoter „salaryman“ lebt Maria im Gasthaus der Tante, wo auch deren zwei Töchter leben, die pflichtbewusste Yoko und die kränkliche Tsugumi, die heimliche Hauptfigur von Marias Geschichte. Zusammen verleben die drei eine glückliche Kindheit und nachdem Maria mit ihrer Familie zum Studieren ins ferne Tokyo gezogen ist, einen letzten, aber umso unvergesslicheren Sommer.

Die Cousinen Yoko und Tsugumi könnten unterschiedlicher nicht sein. Besonders Tsugumi ist so ganz anders als man es von einem jungen japanischen Mädchen erwartet. Nahezu bettlägrig hat sie umso mehr Persönlichkeit und hält die anderen Figuren mit ihren frechen Sprüchen auf Trab – frech im Kontext der Handlung wohlgemerkt. Wenn ich Tsugumi mit der deutschen Jugend ergleiche, erscheint sie mir fast schon wieder handzahm. Und doch treffen ihre Kommentare in der Regel ins Schwarze, sie scheint die einzige Figur, die sich traut auszusprechen, was auch immer Sache ist, egal wem sie dabei auf den Schlips tritt. Mir schmeckt das nicht immer, da ich besonders mit der älteren Cousine Yoko fühle, die, ganz wohlerzogene japanische Tochter, Tsugumis Launen still erträgt.

Als Erzählerin tritt Maria immer nur kommentierend in Erscheinung und bleibt daher über die Dauer der Geschichte hinweg für den Leser etwas farblos. Ihre Stimme ist jedoch ein angenehmer Begleiter, ein Fremdenführer durch die Kleinstadt am Meer, der hier und dort mit einem einfühlsamen Wort dafür sorgt, dass mich Tsugumis Sticheleien gegen die anderen Figuren nicht allzu sehr treffen. Sie nimmt mich, die Leserin, bei der Hand und spricht mit der Stimme, die allen Romanen von Banana Yoshimoto eigen ist, die Stimme der Autorin inkognito vielleicht. Viel Spiel liegt nicht darin, aber zumindest weiß ich als Leserin was mich erwartet, wenn ich einen ihrer Romane zur Hand nehme und das tut mir im Moment sehr gut.

Der letzte Sommer am Meer ist lang und heiß, die Tage ziehen sich hin wie Kaugummi, bis die drei Cousinen einen jungen Mann und seinen kleinen Hund kennen lernen. Als Erbe eines Hotels, das den Gasthäusern des Städtchens in Zukunft die Kunden abwerben dürfte, ist er dort allerdings nicht gerne gesehen. Tsugumi und ihre Cousinen heißen ihn trotzdem in ihrer kleinen Clique willkommen und bald schon wird es sogar ein klein wenig romantisch. Diese Romanze setzt jedoch eine Reihe von Ereignissen in Gang, die den Roman auf den letzten 50 Seiten zu einem finalen Paukenschlag führen, wie genau dieser klingt, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Soviel jedoch schon einmal, anders als von Banana Yoshimoto gewohnt, wird es zum Ende ihres Romans „Tsugumi“ richtig spannend.

Insofern habe ich die Lektüre dieses Romans sehr genossen. Der verträumte Stil von Banana Yoshimoto passte sehr gut zum Thema des Romans und auch wenn mir die Titelfigur oft etwas quer saß, lieferte die Geschichte doch genug Ablenkung von ihren frechen Sprüchen, um mir nicht zu sehr auf den Geist zu gehen. „Tsugumi“ ist ein liebreizender Roman, ähnlich der titelgebenden Figur, die laut Erzählerin Maria so schön und zierlich ist, dass man ihr trotz derber Sprüche nie wirklich böse sein kann. Ein Stückchen japanischer Sommer, die letzten Monate der Jugend, Banana Yoshimoto hat ihnen ein Denkmal gesetzt, und ich auf den Zuschauerrängen werde die Geschichte der ungebändigten Tsugumi und ihrer Cousinen so schnell nicht wieder vergessen.

Tsugumi – Banana Yoshimoto – ISBN 978.3.257.22973.8

Für Leserinnen, die…

  • …sich nach dem (japanischen) Sommer sehnen.
  • …eine verrückte Cousine haben.
  • …den Ort ihrer Kindheit haben zurück lassen müssen.

Am besten kombiniert mit…

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