(Backlist) Du musst hier nicht leben von Natasha Radojcic

Oft komme ich über ein interessantes Cover zu einem lesenswerten Buch. Doch bei „Du musst hier nicht leben“ war es der Titel, der mich zu Saschas Geschichte und ihrer Suche nach einer neuen Heimat hingezogen hat…

51yXTt3JODL._SY344_BO1,204,203,200_Die ungestüme Sascha passt nicht in die Enge ihrer jugoslawischen Großfamilie. Sie haut ab, ihr Trip führt sie von Belgrad über Havanna und Athen bis nach New York. Partys, Drogen – ein Strudel, der sie in die Tiefe reißt.

„Du musst hier nicht leben“ dampft den Umfang eines großen Entwicklungsromanes auf unter 200 Seiten zusammen. Die Geschichte bleibt dabei leider eher an der Oberfläche und arbeitet sich an Schauplatzwechseln ab, ohne zu sehr auf die emotionale Entwicklung der Figuren einzugehen. An der Seite der frechen und dabei äußerst wortgewandten Sascha gibt es nur wenig Platz für Nebenfiguren, sie dominiert den Roman und alle anderen bleiben etwas verschwommen am Rand des Geschehens. Saschas Geschichte hat Potenzial und viele interessante Handlungsstränge. Doch leider werden diese oft nicht zu Ende gesponnen und ich schlage das Buch zu, hungrig nach mehr.

Ich muss gestehen, dass es schon eine Weile her ist, dass ich diesen Roman gelesen habe, lange suchte ich nach den richtigen Worten, um ihn zu beschreiben. So ganz habe ich sie immer noch nicht gefunden, doch einen Versuch ist es wert. Schreibt man über „Du musst hier nicht leben“ merkt man, es gibt viel zu erinnern, viel zu erzählen. Die Geschichte beginnt im ehemaligen Jugoslawien, wo Saschas Mutter die Tochter alleine aufzieht. Diese Tochter gerät in allerlei Schwierigkeiten und macht der Familie um sie herum mit ihrem eigensinnigen Kopf nichts als Sorgen. Man weiß als Leser nicht so recht auf wessen Seite man an dieser Stelle stehen soll. Spontan entscheide ich mich für die von Sascha, auch wenn sie sich selbst oft im Weg steht.

Harter Schnitt und die Familie lebt in Havana, der Hauptstadt Kubas. Dort genießen sie eine Fülle von Privilegien, doch beschreibt Natasha Radojcic das Leben dort nur flüchtig. Sascha hat eine kleine Liebelei mit einem kubanischen Jungen, diese wird mir allerdings ähnlich vor die Füße geworfen wie die Tatsache, dass unsere Heldin als Kind von ihrem Cousin missbraucht wurde – was Sascha emotional nicht zu berühren scheint. An dieser Stelle kommt mir die Figurenzeichnung des Romans etwas unrealistisch und schemenhaft vor. Sascha hat ein hartes Leben, wird von einem Teil der Familie zum nächsten abgeschoben und doch wirkt sie auf mich so, als wäre sie innen vollkommen hohl, als berühre sie die ständige Ablehnung und Sorge der Eltern nicht so wirklich.

Dafür, dass „Du musst hier nicht leben“ sich fast ausschließlich um Hauptfigur Sascha dreht, bleibt diese mir unangenehm fremd. Sie treibt durch die Jahre von Jugoslawien nach Kuba, von der Stadt aufs Land und wieder zurück, von Griechenland nach Amerika, ohne jemals irgendwo anzukommen. Wie sie ihr Leben nach all den Abstürzen dann endlich auf die Reihe kriegt, erfährt diese Leserin nicht. Ich sehe Sascha nur am Boden liegen, lächelnd und mit erhobenem Mittelfinger zwar, doch scheint mir diese Geste reines Schauspiel zu sein. Hinter die Kulissen dieser Ein-Frau-Show lässt Natasha Rodjcic mich allerdings nicht blicken, nicht einmal für einen kurzen Moment.

„Du musst hier nicht leben“ erzählt eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die sich jedoch nicht traut bis in die Tiefe der emotionalen Umwälzungen, die diesen Prozess charakterisieren, vorzudringen. Das macht die Lektüre dieses Romans oft etwas frustrierend. Ich habe beim Lesen das Gefühl als habe die Autorin eine Barriere aufgebaut zwischen mir und der Hauptfigur, die ich einfach nicht durchbrechen kann – dafür hätte es ein anderes, mutigeres Buch gebraucht. Natasha Radojcic erzählt mir eine Geschichte die anecken und aufwühlen könnte, dabei dennoch immer auf der sicheren Seite bleibt. Das passt für mich nicht zusammen und untergräbt leider das anfänglich so große Potenzial der Handlung.

Du musst hier nicht leben – Natasha Radojcic – ISBN 978.3.833.30496.5

Für Leserinnen, die/denen…

  • …das Nomadenleben schätzen.
  • …Handlung wichtiger ist als Tiefgang.
  • …selbst einige Jugendsünden begangen haben.

Am besten kombiniert mit…

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