(Neuerscheinung) Herrlichkeit von Margaret Mazzantini

Auf den neuen Roman von Margaret Mazzantini bin ich ganz zufällig auf der Webseite des Dumont Verlages gestoßen, wo ich mich Hals über Kopf in den Klappentext verliebte und in die Geschichte von der er mir erzählt…

Download (26)Dies ist die Geschichte von Guido und Costantino. Zwei Männer, die sich ein Leben lang anziehen, verlieren, lieben und verstoßen. Sie stammen aus völlig unterschiedlichen Milieus, wachsen jedoch im selben römischen Palazzo auf. Guido als Kind des Bildungsbürgertums, Costantino als Sohn der Hauswartfamilie im Souterrain. Nach einer kurzen rauschhaften gemeinsamen Zeit auf der Abiturfahrt verlieren sie sich aus den Augen. Guido lebt in London, heiratet, gründet eine Familie. Costantino betreibt ein Restaurant in Rom. Doch bis ins hohe Alter verirren sich ihre Gefühle, kreuzen sich ihre Wege, bleiben sie sich nah. Wer sind wir und wer möchten wir sein? Margaret Mazzantini hat eine große Liebesgeschichte geschrieben, die anders ist als alle anderen. Es ist die Geschichte einer schmerzhaften Selbstfindung, ebenso schonungslos wie einfühlsam.

In ihrem Roman „Herrlichkeit“ erzählt Margaret Mazzantini ihren Leserinnen die Geschichte zweier Liebender, die einfach nicht zueinander finden können. Doch was sie von einander fern hält, bzw. immer wieder auseinander treibt, sind nicht nur die Vorurteile, bzw. die offen zur Schau gestellte Abscheu homosexuellen Paaren gegenüber, welche die Jugendzeit der beiden charakterisiert und in manchen Regionen Italiens auch darüber hinaus überdauert, sondern vor allem ihre Herkunft und das daraus resultierende Oberschicht-Unterschicht Dilemma. Während sich die beiden nichts sehnlicher wünschen als einander und das für immer, was am Anfang noch möglich schien mit der Zeit aber immer unwahrscheinlicher wird, nimmt ihre Beziehung schleichend destruktive Züge an.

Erzählt wird die Geschichte von Guido, dem verwöhnten Sohn eines Arztes und seiner ausgehaltenen Ehefrau, der durch seine privilegierte Stellung die Unausweichlichkeit einer Trennung, wenn auch erst einmal nur auf Zeit, vollkommen verkennt. Aus der Ferne betrachtet er den heranwachsenden Costantino, phantasiert sich sein Leben in der Kellerwohnung zusammen und hat doch – wie die Leserin am Ende von Costantino selbst erfährt – keinen blassen Schimmer, wie es in dessen Leben und Herzen wirklich aussieht. Auf einer Klassenfahrt nach Griechenland verdichtet sich die Neugier Guidos zu einer schüchternen Verliebtheit, die beide jedoch noch bis nach ihrem Schulabschluss verleugnen.

Guido fängt an zu studieren und Costantino geht zum Militär, zwischendrin immer wieder Mädchenbekanntschaften, die jedoch zu nichts führen und von Guido eher der Form halber unterhalten werden. Der jeweilige Weg der beiden scheint vorgezeichnet, von Generationen vor ihnen ausgetreten, auf die Liebe der beiden nehmen diese keine Rücksicht. Währenddessen fehlt den Liebenden die Kreativität sich einen eigenen Weg vorzustellen, vielleicht auch der Mut von ihren jeweiligen Plätzen in der Gesellschaft aufzustehen und mit dieser Entscheidung vielleicht anzuecken. Als Leserin verfolge ich die Geschehnisse mit wachsender Frustration, auch darüber wie sich die beiden gegenseitig behandeln, wie herablassend Guidos Blick auf den Geliebten Costantino sein kann und wie sich dieser dem besser gestellten Guido unterwirft.

Im Nachhinein wäre ein Happy End für die beiden ein bisschen geschmacklos, wenn nicht sogar unmöglich. Doch wird mir das erst gegen Ende klar, sobald Margaret Mazzantini mich in ihre Karten schauen lässt. Bevor das passiert, bin ich so ahnungslos wie Erzähler Guido, der in London ein neues Leben beginnt, nachdem die Beziehung zu Costantino zum Scheitern verurteilt scheint. Während der Lektüre hege ich gemischte Gefühle für die Figuren, lasse mich von ihnen in eine Art von Hass-Liebe verwickelt, mit der sie sich gegenseitig immer wieder anziehen, sich einfach nicht vergessen können, sich schließlich aber doch immer wieder gegenseitig abstoßen. Margaret Mazzantini versteht es die Komplexität dieser Beziehung in all ihren Facetten für die Leserin zu Papier zu bringen.

Der Roman ist eine schillernde, wenn auch tragikomische Erzählung aus Italien, die letztlich nur hin und wieder auch in Italien spielt. Margaret Mazzantini macht sich ihre Herkunft zu Nutze und lässt sowohl Rom als auch London authentisch vor dem Auge der Leserin entstehen. Stilistisch schaltet sie dabei einen Gang runter, lässt die Lebensgeschichte ihres Erzählers Guido und seine Liebesgeschichte mit dem schweigsamen Costantino für sich selbst sprechen. Als Leserin lasse ich mich zwischen die Seiten fallen, ziehe meine Bahnen von Zeile zu Zeile und entdecke die im Buch viel besungene Herrlichkeit des Augenblicks, koste aber auch den darin enthaltenen Wermutstropfen. „Herrlichkeit“ ist so wankelmütig wie das Leben selbst.

Herrlichkeit – Margaret Mazzantini – ISBN 978.3.832.19786.5

Für Leserinnen, die…

  • …ungewöhnliche und dabei tragische Liebesgeschichten mögen.
  • …nach einer soliden Erzählung ohne stilistische Sperenzchen suchen.
  • …sich nicht zwischen Rom und London entscheiden können, oder wollen.

Am besten kombiniert mit…

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2 Kommentare zu „(Neuerscheinung) Herrlichkeit von Margaret Mazzantini“

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