(Backlist) Ada liebt von Nicole Balschun

Zunächst kam dieser Roman für mich so gar nicht in Frage, klang zu sehr nach „Bauer sucht Frau“ für Bücherwürmer. Doch dann häuften sich die positiven Rezensionen im Netz und schließlich ließ ich mich umstimmen…

41lag1RtQWL._SX327_BO1,204,203,200_„Als ihre Tante Rosi stirbt, gerät Adas Welt aus den Fugen. Aber nicht so sehr wegen der Trauer um die schrullige Tante. Vielmehr weckt einer der Sargträger Adas Interesse, als er aus Versehen sein Gebetbuch in Rosis Grab fallen lässt. Bo ist Landwirt und nur im Nebenberuf Sargträger. Er ist ganz anders als die verschlossene Ada. Ada sucht ihr Glück in Büchern und auf Friedhöfen und verkriecht sich so vor dem Leben. Bis Bo mit seinen Kühen und Schweinen auftaucht. Er liest Ada aus den Landwirtschaftsmagazinen vor und stellt ihr schließlich eigene Gummistiefel hin. Doch nicht nur Adas Vater, dem die Leitsau Siegfried und überhaupt die ganzen Schweine suspekt sind, traut der Beziehung nicht richtig über den Weg.“ („Ada liebt“, Klappentext)

In ihrem Roman „Ada liebt“ erzählt Nicole Balschun die Geschichte zweier reichlich skurriler Figuren und wie sie beinahe, dann aber doch nicht, glücklich lebten bis an ihr Lebensende. Schuld ist wohl eben das, was die beiden für den Leser so interessant und einzigartig macht. Adas Merkwürdigkeiten, die auf mich fast schon ein wenig autistisch wirken, die aber zumindest zwanghaft sind, werden von Bo zwar wieder und wieder weggelacht bis man sich ernsthaft fragt, wie er eine so kuriose Type denn bloß ertragen kann. Ihre Unfähigkeit sich emotional zu öffnen und somit verwundbar zu machen, ist aber letztlich das, was den beiden den Rest gibt. Nehme ich hier das Ende vorweg, so tue ich das nur, um anderen Leserinnen eine Enttäuschung zu ersparen. Denn eigentlich wünscht man Ada und Bo ihr Liebesglück bis zu dessen bitteren Ende.

„Ada liebt“ ist ein kompaktes Buch und doch schafft es etwas, das vielen ausführlicheren Werken schwer fällt, es packt mich beim Herzen, gräbt die metaphorischen Nägel richtig tief rein und lässt nicht los bevor es Blutstropfen zwischen die Seiten regnet. Ich blute für Ada und für Bo, für seine Kühe und die Leitsau Siegfried, für Adas Eltern, die nicht so recht wissen, was sie mit ihrer Tochter anfangen sollen und die arme, betrogene Kindheitsfreundin, die den abgelegten Freund von Ada, der nach ihren Aussagen mehr schlecht als recht küssen kann, auch noch heiratet. Es geht also nicht nur zwischen Ada, Bo und Siegfried holperig zu, sondern auch in deren Peripherie und kein Paar scheint so wirklich in der Lage zu sein sich gegenseitig glücklich zu machen, oder auch nur darüber zu kommunizieren wie das vielleicht gehen könnte.

Insofern komprimiert Nicole Balschun Lebens- und Liebeslehren, in ihrer Geschichte, von einer Dringlichkeit und Weitsicht, für die der durchschnittliche Beziehungsroman so seine paar hundert Seiten zu brauchen scheint. Währenddessen bringt „Ada liebt“ es lieber gleich auf den Punkt – findest du den, der dich liebt obwohl du merkwürdig bist, dann überwinde deine Furcht und halt ihn fest. Doch Adas Finger sind zu klamm, ihre Furcht zu groß und wenn man den Vater so anschaut scheinbar erblich bedingt, als dass sie sie so einfach hinter sich lassen könnte, selbst für Bo und seinen Hof, auf dem ihre helfende Hand dringend gebraucht würde, mit dem sie aber so gar nichts anzufangen weiß und wo sie nur eine Katastrophe nach der anderen anrichtet. Ich weiß mit der Zeit weder ein noch aus, meine Verzweiflung über die unmögliche Ada wächst ähnlich schnell wie die von Bo und wird wohl noch lange andauern.

Eine weitere Stärke des Romans ist sein subtiler Humor, der oft in kuriosen Szenen und kleinen Spielereien der Figuren zum Ausdruck kommt. Beispielsweise haben Adas Eltern einen kleinen Sketch, in dem sich Adas Vater als feiner Herr ausgibt und den sie füreinander aufführen, wann immer sie mal wieder zusammen lachen müssen, bzw. sich ihrer gemeinsamen Liebe und dem Zusammenhalt ihrer Beziehung vergewissern wollen. Ada und Bo verbinden ähnliche Wortwechsel, wobei Ada in der Regel unfreiwillig komisch ist und Bo das beste aus der Situation zu machen versucht, doch irgendwie klappt es. Irgendwie passen sie zusammen, so ungleich sie auch sind, irgendwie holt Bo Ada aus ihren Gedanken und Ada bringt ihn wiederum dazu sich geistig zu betätigen. Wenn das nicht reicht, obwohl ich es mir als Leserin wünschen würde, dann nur, weil das Leben in seiner Komplexität gerne mal dazwischen funkt, sobald sich zwei gefunden haben.

Alles in allem ist „Ada liebt“ mehr als nur eine Landromanze oder eine gewöhnliche Liebesgeschichte, die man mal eben liest während man wartet, dass das Spaghettiwasser überkocht. Nicole Balschun hat einen Roman geschrieben, den man auf keinen Fall unterschätzen sollte, ein Roman in dem die großen Themen der Liebe auf ganz kleiner, ländlicher Ebene aufgegriffen werden. Ihre Figuren sind es, die den Charme der Erzählung ausmachen, sie sind ungewöhnlich und oft sehr humorvoll und ihre überaus einfallsreichen und dabei oft so ungewöhnlichen Dialoge zu lesen, brachte mich ein ums andere Mal in eine beschwingte Stimmung. „Ada liebt“ ist trotz des ausbleibenden Happy Ends für die Liebenden ein Buch, das seinem Leser ein gutes Gefühl gibt, das Gefühl, dass sich trotz des Kuriositätenkabinetts, das wir oft unsere individuelle Persönlichkeit nennen, jemand finden wird, mit dem all der Unsinn einen Sinn ergibt und wenn man Glück hat, dann hat dieser jemand einen Sinn für Humor und vielleicht sogar eine Leitsau namens Siegfried.

Ada liebt – Nicole Balschun – ISBN 978.3.832.16185.9

Für Leserinnen, die…

  • …auf dem Land leben und/oder aufgewachsen sind.
  • …es am liebsten romantisch mögen.
  • …skurrile Figuren zu schätzen wissen.

Am besten kombiniert mit…

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