(Sachbuch) Warum französische Kinder keine Nervensägen sind: Erziehungsgeheimnisse aus Paris von Pamela Druckerman

Über dieses Buch bin ich eher zufällig gestolpert, auf der Suche nach Hörbüchern im Stil von Gretchen Rubins „Happier at Home“. Gesehen, gekauft, bald darauf gehört und ich habe mich ähnlich amüsiert – besonders über den albernen französischen Akzent, den die Sprecherin in ihrem Eifer jedes Mal aufsetzt wenn die Autorin es mit einem Franzosen zu tun hat…

51bFW3LHYSL._SX311_BO1,204,203,200_Warum werfen französische Kinder im Restaurant nicht mit Essen, sagen immer höflich Bonjour und lassen ihre Mütter in Ruhe telefonieren? Und warum schlafen französische Babys schon mit zwei oder drei Monaten durch? Als Pamela Druckerman der Liebe wegen nach Paris zieht und bald darauf ein Kind bekommt, entdeckt sie schnell, dass französische Eltern offensichtlich einiges anders machen – und zwar besser. In diesem unterhaltsamen Erfahrungsbericht lüftet sie die Geheimnisse der Erziehung à la française.

Als ich dieses Buch zur Hand nahm, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es sich um einen verhaltenen Erziehungsratgeber handelt. Ich erwartete eine unterhaltsame Auseinandersetzung damit, was es heißt sein Kind als Pariser Expat aufzuziehen. Doch auch wenn Pamela Druckerman mit „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ nicht genau das lieferte, was ich mir anfangs erhofft hatte, habe ich die Lektüre doch in ihren Grundzügen sehr genossen. Ich habe zwar (noch) keine eigenen Kinder, habe mir aber trotzdem den einen oder anderen französischen Erziehungstipp gemerkt – frau kann ja nie wissen, wann frau den mal braucht 😉

Als Person ist mir die dreifache Mutter Paula Druckerman leider sehr unsympathisch, entspricht sie doch dem typisch amerikanischen Weibchen-Ideal, das schon im Kindergarten von seinem zukünftigen Mann träumt, sich bis zur Ehe auf Size Zero herunter hungert und schließlich für den Angetrauten das eigene Leben aufgibt (und im Fall der Autorin mal eben nach Europa zieht.) Die Persönlichkeit der Autorin färbt ihre Schilderung des französischen Sozialsystems aber nur zum Teil ein also konnte ich mich zumindest für die Dauer der Lektüre damit abfinden, dass Mrs. Druckerman und ich – sollten wir uns denn einmal persönlich treffen – wohl nie und nimmer miteinander auskommen würden.

Die Erziehungstipps á la francaise sind aber trotzdem Gold wert, weiß ich nun beispielsweise wie man einen Säugling dazu kriegt die Nacht durch zu schlafen. Und auch die allgemeinen Beobachtungen zur Pariser Lebensart sind für mich als frankophile Leserin von großem Interesse. In seinen Grundzügen gleichen sich das deutsche und das französische Sozialsystem übrigens, zumindest wenn es um Familienpolitik geht, nur sind die Franzosen einfach um zehn Jahre weiter als wir im Bezug auf die flächendeckende, bezahlbare Krippen- und Ganztagsbetreuung ihrer Sprösslinge.

Paula Druckerman deckt in ihrem Buch thematisch alles ab, von der französischen Art schwanger zu sein – maximal fünf bis sieben Kilo Gewichtszunahme und nimm es bloß schnell wieder ab, sonst beschwert sich der Ehemann – über die Nachsorge für „natürlich“ Gebärende – vom Staat gesponsertes Beckenbodentraining – bis hin zu dem Grund, warum französische Mütter sich nicht mit Schuldgefühlen plagen, sobald sie wieder voll arbeiten gehen. Dieses Buch kann also sowohl als praktischer Erziehungsratgeber, wie auch als humorvolle Auseinandersetzung mit der Pariser Lebensart, in die schon die Kleinsten mit eingebunden werden, gelesen werden.

Auch wenn meine Erwartungen dem Buch gegenüber zunächst einmal enttäuscht wurden, war „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ einfach zu interessant und informativ als dass ich mich lange darüber hätte ärgern können. Wie schon erwähnt habe ich mir die wichtigsten Ratschläge gemerkt und auch wenn meine (zukünftigen) Kinder wohl nie zu kleinen Franzosen werden dürften, werde ich in meiner Herangehensweise an ihre Erziehung nun wohl selbst etwas französischer sein. Denn laut Paula Druckerman heißt das sein Kind vom ersten Tag an als eigenständige Person und Persönlichkeit wahrzunehmen, der man mit Respekt begegnen muss, von der man aber auch Respekt einfordern kann – und bei so einer Einstellung zu Erziehung und Familie wundert mich der Kinderreichtum der Franzosen ganz bestimmt nicht.

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind: Erziehungsgeheimnisse aus Paris – Pamela Druckerman – ISBN 978.3.442.39245.2

Für Leserinnen, die…

  • …Mütter sind oder fürs Muttersein vorsorgen möchten.
  • …eigentlich keine Erziehungsratgeber lesen.
  • …für die französische Lebensart schwärmen.

Am besten kombiniert mit…

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