(Backlist) Glorreiche Tage von Dana Spiotta

Entdeckt habe ich diesen Roman in der Vorschau des Berlin Verlages, das ist aber schon eine Weile her. Doch vergessen habe ich ihn nie so ganz, auch wenn mein Leben zwischendurch weiter ging. Jetzt habe ich ihn gelesen und (leider) festgestellt, dass nicht alles was Weile hat auch gut Ding ist 😉

51Bi22dywwL._SX303_BO1,204,203,200_Als das verkannte Musikgenie Nik eines Tages spurlos verschwindet, setzt seine Schwester Denise alles daran, herauszufinden, was passiert ist. In ihrem dritten von der Kritik gefeierten Roman erzählt Dana Spiotta die berührende Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars und entwirft ein grandios komponiertes Spiel mit Identitäten und der Macht der Fantasie. Nik war immer der Künstler in der Familie, der für ein bisschen Geld in einer Bar jobbte. Und wenn das nicht reichte, gab es ja auch noch seine Schwester Denise. Jetzt, kurz nach seinem 50. Geburtstag und der Fertigstellung des angekündigten letzten Albums, ist er verschwunden. Und Denise sitzt da, liest in seinen ausufernden Tagebüchern, Chroniken genannt, die eine ganz andere Geschichte erzählen: die einer vollendeten Popstarkarriere mit allen Höhen und Tiefen – eine Mischung aus erfundenen Plattenbesprechungen, Interviews mit sich selbst und ausgedachtem Klatsch. Und sie liest auch über sich, wie er sie sah, die ihm so vertraute Schwester. Sie liest, um zu verstehen: ihren Bruder, sich selbst und nicht zuletzt, was es heißt, einen Traum zu haben in der gnadenlosen Welt des Alles-oder-Nichts – ganz ohne Kompromisse.

Ich weiß nicht so recht, wie ich „Glorreiche Tage“ beschreiben soll. Ist es nun eine Rockbiografie? Oder vielleicht eher eine musikalische Tragikomödie? Inwiefern kann man Musik überhaupt literarisch darstellen?! Eines steht aber fest, die Geschichte von Nik, dem verkannten Musikgenie, ist tragisch, hat aber auch ihre heiteren Momente. Der alternde Möchtegern-Rockstar ist mit seiner exzentrischen Art eine Figur, die allen anderen die Aufmerksamkeit dieser Leserin streitig macht, und doch tritt er nur am Rande in Erscheinung, verschwindet gegen Ende des Romans sogar vollkommen. Erzählt wird seine Geschichte von seiner kleinen Schwester Denise, seinem „#1 Fan“.

In ihrer Schilderung der Ereignisse, die zu Niks Verschwinden führten, bedient Dana Spiotta sich einem Potpurri an Erzählformen. Manchmal schreibt sie ganz klassisch in der dritten Person, dann wiederum lässt sie die Leserin in Denises Tagebuch lesen, schließlich sind da noch die so genannten „Chroniken“ vom großen Bruder Nik, der heimlichen Hauptfigur dieses Romans, ebenso wie eine low-budget Dokumentation über diesen, gedreht von Denises Tochter Ada. Die verschiedenen Erzählformen kommen bunt gemischt vor, wobei Denises Tagebucheinträge, in denen sie übrigens nicht nur von ihrem großen Bruder erzählt, den Roman dominieren. Manchmal wird es mir ein bisschen zu viel, ein bisschen zu experimentell und ich muss das Buch kurz zur Seite legen, um Atem zu holen.

Was ich manchmal nicht verstehe ist, warum Dana Spiotta sich mit der Aufzeichnung der Chroniken aufhält. Diese sind wie ein Roman im Roman, sie erzählen eine „was wäre, wenn…“ Geschichte über Nik und seine ehemalige Band „The Fakes“. Was wäre, wenn sie es geschafft hätten, wenn der Plattendeal nicht im letzten Moment geplatzt wäre, wenn Niks Leben und Karriere so verlaufen wäre, wie er sich das in Jugendtagen vorgestellt hatte??? Interessant sind diese Passagen aus allesamt von Nik selbst geschriebenen Plattenkritiken, Magazinartikeln, ja selbst einem Brief seiner Schwester Denise an ihre Tochter nur für die Figuren selbst. Ich derweil kämpfe mit dem Impuls sie einfach zu überlesen. Denn sie treten handlungstechnisch auf der Stelle und bringen die Geschichte selbst kein Stück weiter.

In „Glorreiche Tage“ zeigt Dana Spiotta was sie so alles kann, nur reibt sich diese Leserin daran eher auf, als dass sie sich davon beeindrucken lässt. Ich schlage das Buch zu und es war alles in allem nicht schlecht, etwas verkopft vielleicht aber dagegen habe ich nichts. Trotzdem hat mich das Buch nicht beeindruckt, hat nicht so richtig gepackt, so wie ich es von einer guten Geschichte erwarte. Mir enthielt der Roman einfach zu viel Flitterkram, zu viel Feuerwerk in der Form von scheinbar unendlich vielen stilistischen Experimenten und darunter war zu wenig Substanz, zu wenig Entwicklung bei den Figuren und eine sich bestenfalls dahin schleppende Handlung.

Glorreiche Tage – Dana Spiotta – ISBN 978.3.827.01191.6

Für Leserinnen, die…

  • …bereit sind sich auf stilistische Experimente einzulassen.
  • …exzentrische Verwandte haben oder selbst gerne träumen.
  • …sich für Musik interessieren.

Am besten kombiniert mit…

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