(Kurzgeschichten) Lexikon der Angst von Anette Pehnt

„Das Lexikon der Angst“ ist eines der Bücher, die ich in meiner Zeit als Bücherphilosophin auf vielen Blogs positiv besprochen sah, was bei mir die Lust weckte es selbst auch zu lesen. Nur dauert das manchmal eben etwas länger, aber nun bin ich endlich in den Kreis der Eingeweihten vorgedrungen…

Cover-PehntÄngste von A bis Z: In ihrem furchtlosen, berührenden »Lexikon der Angst« ergründet Annette Pehnt unsere Angst, wie sie uns auf Schritt und Tritt verfolgt, uns lächerlich macht und todtraurig, wie irrwitzig sie ist und doch nur allzu wohlvertraut. Die Angst ist ein Alleskönner, deshalb kennt sie jeder: Sie lähmt uns, sie hält uns den Spiegel vor, sie frisst uns auf, und sie befeuert uns. Dabei nimmt sie jede nur erdenkliche Gestalt an, lauert uns auf oder schlägt uns in die Magengrube.

„Das Lexikon der Angst“ ist eine Sammlung kurzer Geschichten in denen sich alles um Phobien und Ängste dreht. Diese sind mal universell und was das angeht auch nicht weiter erwähnenswert und manchmal völlig irrsinnig, zum Beispiel die Angst, dass morgens die Sonne nicht mehr aufgeht. Ab und zu sind die Ängste der Figuren aus Anne Pehnts Geschichten auch zutiefst tragisch, zum Beispiel wenn eine Mutter Angst vor ihrer eigenen erwachsenen Tochter hat oder wenn im Laufe der Geschichte Angst zu Panik und schließlich zu paranoiden Wahnvorstellungen wird. Doch sind es gerade diese Geschichten, die aus der Masse derer, welche hier die Seiten füllen, herausstrechen und mir letztlich besonders gut im Gedächtnis bleiben.

Bei der Fülle von Geschichten in „Das Lexikon der Angst“, welches sogar wie ein Lexikon konzipiert ist, wobei nicht jeder einzelne Buchstabe des Alphabets auch darin vorkommt, kann ich mich nach dem Ende der Lektüre nur noch an einige wenige genau erinnern. Doch diese werde ich sicher nicht so schnell vergessen, denn sie jagten mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Wenn man sich mal so bedenkt wovor sich Leute fürchten können und Anette Pehnt stößt mich mit der Nase darauf. Sie liefert ihre Hauptfiguren deren Ängsten aus und ich schaue zu, wie diese sie lähmen und oft mittelschwer bis stark beeinträchtigen, wenn nicht sogar völlig unfähig machen, sich der furchteinflößenden Situation zu entziehen, Paroli zu bieten oder einfach nur die ängstlichen Gedanken aus dem Kopf zu vertreiben.

„Das Lexikon der Angst“ zwingt seine Leserin sich Gedanken über ihre eigenen Ängste zu machen, sich diesen in ihrem Kopfkino zu stellen und trotzdem weiter zu lesen, die Geschichte, bzw. das Buch zu beenden, was manchmal schwer fällt. Denn die Lektüre von „Das Lexikon der Angst“ ist keine bequeme, sie wühlt mich auf, dringt mir unter die Nägel und die Haut, bis das Buch in meinen Händen zu zittern beginnt. Gerne hätte ich es an solchen Stellen zur Seite gelegt, oft brauchte ich eine Pause. Über die Lektüre von „Das Lexikon der Angst“ kann ich vieles erzählen, und manches widerspricht sich sogar – wie das bei Kurzgeschichten manchmal so ist – doch eines ist klar und unbestreitbar, dieses Buch und sein Inhalt sind intensiv, nahezu explosiv.

Alles in allem ist dieses Buch nichts für Hasenfüße, denn früher oder später kriegt Anette Pehnt die Leserin, in diesem Fall mich, zu packen und ich erkenne mich wieder in einem Paar weit aufgerissener Augen, in der Schockstarre der Hauptfigur. Gleich oder vielleicht sogar überhaupt noch einmal lesen möchte ich „Das Lexikon der Angst“ nicht, dafür sitzt es mir im Moment noch zu akut im Nacken, gräbt die klammen Finger in mein Fleisch und flüstert mir Dinge ins Ohr, die ich lieber nicht hören möchte. Trotz oder vielleicht gerade aufgrund dieser Nachwirkung der Geschichten darin, ist dieses ganz besondere Lexikon aber auch so lesens- und, in der Konsequenz, empfehlenswert.

Lexikon der Angst – Anette Pehnt – ISBN 978.3.492.05613.7

Für Leserinnen, die…

  • …keine Angst vor einer ungemütlichen Lektüre haben 😉
  • …eine gute Kurzgeschichte zu schätzen wissen.
  • …ihre literarische Aufmerksamkeitsspanne nicht überstrapazieren wollen.

Am besten kombiniert mit…

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