(Kurzgeschichten) Oh Bumerang von Ildikó Noémi Nagy

Geboren 1975 in Vancouver, Kanada, wuchs Ildikó Noémi Nagy in New York und Connecticut auf und lebt heute in Budapest. Sie ist Schriftstellerin, Übersetzerin und Musikerin. Sie hat an der Franz-Liszt-Akademie und an der Eötvös-Lóránd-Universität in Budapest studiert, wo sie 2002 mit einem Diplom in Amerikanischer Literatur abschloss. 2010 erschien »Oh Bumerang« (eggyétörve) im ungarischen Original. (Jung & Jung Verlagsseite)

41pcb1sHBgL._SX314_BO1,204,203,200_ (1)Mit Tempo und Witz erzählt: Short cuts aus dem wirklichen Leben.Was liegt zwischen Neu England und Budapest? Jede Menge Kilometer, aber auch jede Menge Stoff für Geschichten. Ildikó Noémi Nagy, in Vancouver geborene und in Connecticut und New York aufgewachsene amerikanisch-ungarische Schriftstellerin, hat das Leben zwischen den Welten in minimalistische Bilder gebracht, sie hat die Paradiese der Kindheit und die süßen Höllen der Liebe in einem Ton beschrieben, der souverän und tastend zugleich ist. „Oh Bumerang“ heißen die Stories, die alle miteinander fast schon wieder einen ganzen Roman ergeben. Lakonischer kann man über Hochzeitsreisen mit der Schwiegermutter zu den Niagarafällen, über Budapester Hinterhoftristessen oder grandios gescheiterten Sex nicht schreiben.

In „Oh Bumerang“ erzählt mir das ungarische All-Round Talent Ildikó Noémi Nagy von ihrem Leben zwischen Ungarn und den USA. Ihre locker zusammen hängenden Geschichten sind Momentaufnahmen aus dem Alltag der Autorin über einen nicht näher festgelegten Zeitraum. Sie erzählen mir unter anderem von Ildikó Noémi Nagys Hochzeitsreise zu den Niagarafällen, lauten ungarischen Nachbarn und einem Kuss zwischen ihr und dem an Krebs erkrankten Sohn einer befreundeten Familie. Ihre Beschreibungen der Ereignisse sind kurz und oft etwas entrückt, Zeit und Raum spielen selten eine Rolle, die Behauptung des Herausgebers, dass aus all dem Hin und Her fast schon ein ganzer Roman entstehe, kann ich leider nicht unterschreiben.

Was Ildikó Noémi Nagy schreibt sind keine Kurzgeschichten, es scheinen mir während der Lektüre nicht einmal Geschichten zu sein. Es fällt mir allzu leicht was sie schreibt für bare Münze zu nehmen, sie an die Stelle ihrer nicht weiter benannten Ich-Erzählerin zu setzen. Doch weiß ich auch, dass oft Fiktion ist, was wir Erinnerung nennen, und deshalb werde ich mich hüten an dieser Stelle dem Irrglauben zu erliegen ich kenne Ildikó Noémi Nagy nun in und auswendig. Denn letztlich bleibt mein Bild der Autorin auch nach der Lektüre ihres Buchs eher verschwommen, kann ich die Episoden in „Oh Bumerang“ beim besten Willen nicht chronologisch einordnen. Eines weiß ich jedoch ohne Zweifel, dieses Buch ist nichts für Leserinnen, die geregelte Verhältnisse zwischen den Buchdeckeln schätzen.

Die Ich-Erzählerin wirbelt durch ihre Biografie, ist mal zerrissene Heimkehrerin, ein Gast im Hause ihrer Eltern, dann wiederum schreibt sie an ihrer Diplomarbeit und zwischendurch heiratet sie einen Mann, der in den folgenden Geschichten nur flüchtig erwähnt wird. Auf ca. 120 Seiten wird viel erzählt, aber wenig hat Substanz, als Leserin fühle ich mich so als jage ich eine Fatamorgana. Jedes Mal wenn ich glaube Ildikó Noémi Nagy ein Stück näher gekommen zu sein, sie als Person definiert zu haben, entpuppt sich das wofür ich sie hielt als Luftschloss. Das ist auf die Dauer ganz schön frustrierend und früh wird mir klar, dass meine Erwartungen an dieses Buch, wenn auch nicht überaus hoch, doch leider nicht erfüllt werden.

So wie ich nicht genau weiß, wie ich das Leseerlebnis von „Oh Bumerang“ beschreiben soll, weiß ich auch nicht genau, wem ich es empfehlen würde mir auf dem verschlungenen Pfad von Connecticut nach Budapest und wieder zurück zu folgen. Vielleicht ist es in diesem Fall besser das Dickicht hinter mir zuwachsen zu lassen, denn oft scheint es mir so als wären die Geschichten nichts weiter als dahingekritzelte Tagebucheinträge, die nie eine andere hätte lesen sollen, als Ildikó Noémi Nagy selbst. Schließlich kommen ihre Geschichten weder im Osten der USA noch in Ungarn so richtig an, pendeln hin und her ohne ihr Zuhause zu finden. Mir geht es ähnlich, nur dass mich mein eigener Eindruck von der Lektüre erst in die eine dann in die andere Richtung riss. Letztlich riss er mich aber nicht mit und ich bleibe etwas ratlos zwischen diesen zwei Polen zurück.

Oh Bumerang – Ildikó Noémi Nagy – ISBN 978.3.990.27034.9

Für Leserinnen, die…

  • …nicht allzu viel Zeit zum Lesen haben.
  • …eine unverbindliche Lektüre für zwischendurch suchen.
  • …die Grenze zwischen Essay und Kurzgeschichte überschreiten wollen.

Am besten kombiniert mit…

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