(Sachbuch) Julie & Julia: 365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche von Julie Powell

Zum ersten Mal begegnete ich Julie Powell vor ungefähr vier Jahren und was sie mir literarisch vorsetzte schmeckte mir so gar nicht. Kürzlich gab ich ihr eine zweite Chance und was soll ich sagen, ihr Debüt lag mir dieses Mal weitaus weniger schwer im Magen…

51rXhyJOcIL._SX341_BO1,204,203,200_Man nehme 1 junge Frau auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, 524 Rezepte, 1 winzige Küche und 1 geduldigen Ehemann. Für Julie Powell sind dies die Zutaten für ein großes Abenteuer. Innerhalb eines Jahres will sie alle Rezepte des Kochbuch-Klassikers »Mastering the Art of French Cooking« nachkochen. Bei nächtlichen Kochgelagen oder dem Versuch, ein Omelette perfekt zu wenden, entdeckt sie jedoch mehr als nur den Spaß am Kochen: nämlich die Lust am Leben selbst.

Es fängt damit an, dass Julie Powells dreißigster Geburtstag bevorsteht und sie anfängt über ihr Leben nachzudenken. Im Grunde hat sie schon ein Drittel des weiblichen Lebenssolls erfüllt, nun müssen nur noch das Haus und die Kinder her, am besten sofort. Um die hysterische Julie zu beruhigen, schlägt Eric ihr treuherziger Ehemann erst einmal ein Projekt vor, zur Ablenkung quasi von dem runden Geburtstag vor dem sie sich so fürchtet. Nichts hat sie erreicht, theoretisch hat sie zwar zwei Kinder, die sind jedoch durch eine Eizellspende entstanden und tragen somit nicht zu Julies Seelenfrieden bei. Ein lausiger Zeitarbeitsjob und eine zugige Wohnung in einem Außenbezirk New Yorks, da lassen selbst Gimlets und Buffy Wiederholungen nur mäßig Stimmung aufkommen.

Doch eines hilft Julie Powell eigentlich immer mit ihrem Alltagsstress zurecht zu kommen und das ist ein herzhaftes Abendessen zu kochen. Also ein Kochprojekt, schlägt Ehemann Eric an dieser Stelle vor und Julie fällt ein, dass sie ja darüber schreiben könnte. Gesagt getan, eine Prise wohlige Kindheitserinnerungen und schon wird los gekocht, auf den Spuren der amerikanischen Fernsehköchin Julia Child. Doch auch wenn sich die beiden Damen den Vornamen teilen, könnten sie nicht verschiedener sein. Wo Julia Child mit Humor zu Werke geht, legt Julie Powell eine Verbissenheit an den Tag, die mit der französischen Küche nur wiederwillig in Einklang zu bringen ist.

Aber wer kann es ihr verdenken, bis sieben auf der Arbeit und anschließend noch groß kochen, da würde mir persönlich auch das eine oder andere Schimpfwort entschlüpfen. Doch Julie schlägt sich durch, schlägt Eier, Butter und Sahne bis zur Unkenntlichkeit, meuchelmordet Krustentiere und nimmt zu allem Überfluss auch noch zehn Kilogramm zu, der fettreichen französischen Küche sei Dank – na, wenigstens isst sie gut 😉 Ehemann Eric versucht ihr derweil aus dem Weg zu gehen und auch wenn ich Julie Powell in dieser Instanz fast ein bisschen um ihre stabile, liebevolle Beziehung beneide, sehe ich „Cleaving“ doch schon am Horizont – jedes Mal wenn Julie sich nach einem stressigen Tag, gefolgt von einem üppigen Essen von ihrem Mann wegdreht, anstatt sich ihm zuzuwenden.

Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten und bald kocht Julie nicht mehr nur für sich Eric und ihre Freunde, sondern für Journalisten aus Print und Fernsehen. Das nenne ich mal ein gelungenes Projekt, besonders wenn man bedenkt wie wenig ernst das Ehepaar Powell Julies Kochvorsätze zu Anfang nahm. Wer wie ich über die Verfilmung zu diesem Buch kommt, der wird sicher etwas enttäuscht sein. Denn Julie Powells Erzählstimme lässt den mädchenhaften Charme einer Amy Adams leider vermissen. Trotzdem sind ihre Ausführungen durchaus unterhaltsam, besonders für Leserinnen, die gerne kochen – ich zähle mich an dieser Stelle einfach mal dazu, auch wenn mir oft die Zeit fehlt. Julie Powell selbst ist etwas deftiger als ihr Filmportrait, texanischer vielleicht, temperamentvoller aber auf jeden Fall.

Ich muss sagen, dass mich meine Reaktion auf dieses Buch überrascht hat. Denn ich hatte nicht gedacht, dass sich meine Meinung über die Autorin und ihre Bemühungen nach nur ein paar Jahren schon so verändert haben könnte. Ich habe die Lektüre beim zweiten Mal um einiges mehr genossen, habe dem von Julie Powell selbst gelesenen Hörbuch gelauscht und ab und zu sogar laut gelacht, worüber im einzelnen weiß ich aber nicht mehr so genau. Die Stunden, die ich in Julie Powells winziger Küche verbrachte – einen Gimlet schlürfend und ab und zu von ihrem „Boeuf Bourguignon“ kostend – und ihr beim Kochen zuschaute vergingen im Flug und waren zugegebenermaßen die beschwingtesten, die ich in den letzten paar Tagen so verbracht habe.

Julie & Julia: 365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche – Julie Powell – ISBN 978.3.442.47133.1

Für Leserinnen, die…

  • …gerne (französisch) kochen und/oder essen.
  • …es in und außerhalb der Küche etwas derber, bzw. deftiger mögen.
  • …selbst kurz vor einem runden Geburtstag stehen.

Am besten kombiniert mit…

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