(Lesen ist hardcore!) Die MaddAddam Trilogie von Margaret Atwood – Teil 3: Die Geschichte von Zeb

Aller guten Bücher sind drei und so habe ich nach der Lektüre von „Das Jahr der Flut“ nicht lange gezögert, bevor ich den letzten Band der MaddAddam Trilogie zur Hand nahm. Schade eigentlich, dass mein Ausflug in die Welt von Oryx und Crake nun erst einmal vorbei ist…

519JmOuFjpL._SX311_BO1,204,203,200_Die wasserlose Flut, eine Pandemie ungeheuren Ausmaßes, ist über die Erde hinweggegangen und hat die Menschheit ausgelöscht. Bis auf einige wenige Überlebende, die im Lehmhaus eines verwahrlosten Parks zusammenfinden und den Gefahren einer entvölkerten, anarchischen Welt trotzen. Unter ihnen Toby, die ehemalige Gottesgärtnerin, und Zeb, ein großherziger Draufgänger, der zum Anführer der kleinen Truppe wird. Während der Flut hat Toby, in einem Spa verschanzt, auf ihn gewartet; beharrlich an seine Rückkehr geglaubt, nun treffen sie, am Ende der Welt, wieder zusammen.

Nachdem Margaret Atwood in den ersten beiden Teilen ihrer MaddAddam Trilogie zwei nur in der Rückblende verbundene Geschichten erzählt hat, verknüpft sie in „Die Geschichte von Zeb“ die Welt von Schneemann und den Crakern aus „Oryx und Crake“ und die Welt von Ren/Toby und den Gärtnern Gottes aus „Das Jahr der Flut“. Zusammen flüchten die beiden Gruppen vor den psychopathischen Painballern und den rachsüchtigen Pagoons in eine Enklave. Dort pflegen sie sowohl den delirierenden Schneemann, als auch die schwer traumatisierte Amanda, die sich schon bald als schwanger heraus stellt. Doch nicht nur die Painballer kommen als Väter in Frage, sondern auch eine Gruppe Crakermänner. Margaret Atwood legt im dritten Teil dieser post-apokalyptischen Trilogie also die Weichen für eine völlig neue Welt und den Rest muss sich jede Leserin selbst ausmalen.

Doch bevor die Trilogie endet, füllt Margaret Atwood noch ein paar Lücken innerhalb der Geschichte. So erfährt die Leserin zum Beispiel woher die Gärtner Gottes kommen, und das hinter dieser Organisation weitaus mehr steckt als eine verschrobene Ökoreligion. Während die Crakers an Schneemanns Krankenbett wachen und nahezu verzweifelt auf seine Genesung hoffen, erzählt Toby, die seinen Platz als Prophetin Crakes eingenommen hat, die Geschichte von Zeb. (Aufmerksame Leserinnnen dürften ihn noch als rebellischen Geliebten der ehebrecherischen Lucerne und Stiefvater der jungen Ren aus „Das Jahr der Flut“ kennen.) Nun allerdings ist er zunächst einmal der Sohn eines scheinheiligen Priesters und der Bruder eines jungen Mannes, der einmal zu Adam Eins, dem Gründer der Gärtner Gottes werden wird. Manchmal erzählt Zeb seine Geschichte auch selbst und verzichtet dabei auf pseudo-mythologische Ausschmückungen, mit denen Toby ihre Erzählung für die Crakers verziert.

Doch schaut Margaret Atwood in diesem Roman nicht nur zurück, ein großer Teil des Romans befasst sich mit dem Leben in der Enklave und das ist nicht immer einfach. Denn dort treffen Welten aufeinander, zum einen sind da die ehemaligen Gärtner Gottes, die nach wie vor an ihren Geboten festhalten, zum anderen ist da eine Guerillatruppe, die vor der wasserlosen Flut gegen die corpsicorps gekämpft hat. Die Reibungspunkte zwischen den zwei Gruppen sorgen für reichlich Zündstoff und die Anwesenheit der Crakers trägt auch nicht gerade dazu bei, dass sich die Stimmung beruhigt. Abgesehen davon spielen sich in der Enklave täglich kleine Alltagsdramen ab, die schwer traumatisierte Amanda kann nichts zum Gemeinwohl beitragen und wird deshalb misstrauisch beäugt, Sticheleien und Eifersüchteleien spielen sogar für Erzählerin Toby eine Rolle, besonders dann, wenn sie ihren Geliebten Zeb mit der jungen, draufgängerischen Swift Fox zusammen sieht.

Wie schon in den ersten beiden Teilen gibt es also im Großen, wie im Kleinen, in der Rückschau und im Blick nach vorne, wieder keine ruhige Minute, nicht für die Figuren, die diesen Roman bevölkern und mir „Die Geschichte von Zeb“ erzählen und nicht für mich, die Leserin. Denn ich hoffe natürlich auf ein glückliches, oder zumindest auf ein versöhnliches Ende dieser post-apokalyptischen Saga, auch wenn ich Margaret Atwood als Autorin mittlerweile gut genug zu kennen meine, um nicht vollkommen in dieser Hoffnung aufzugehen. Doch auch wenn sich gegen Ende nicht alles zum Guten wendet, bin ich als Leserin doch überaus zufrieden mit den schriftstellerischen Entscheidungen, die den finalen Paukenschlag von Margaret Atwoods beeindruckender Trilogie durch mein Lesezimmer hallen und die Wände erzittern lassen.

Letztlich ist es unmöglich „Die Geschichte von Zeb“ literarisch einzuschätzen ohne die beiden ersten Bände der Trilogie aus der Erinnerungsschublade hervor zu kramen. Als literarisches Gesamtkunstwerk ist Die MaddAddam Trilogie einfach unschlagbar und für mich auch bisher unerreicht. Doch kann der letzte Teil sich durchaus im Vergleich zu den zwei ersten behaupten. Zeb war schon in „Das Jahr der Flut“ eine interessante Figur und gewinnt zwischen den Seiten dieses Romans noch zusätzliche Facetten. Auch die Anwesenheit meiner Lieblingsfiguren aus den ersten beiden Bänden Toby, Ren, Amanda, Schneemann und seiner kuriosen Craker Gefolgschaft rechne ich dem Roman hoch an. Dementsprechend wird „Die Geschichte von Zeb“ dem Hype, der zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung um sie gemacht wurde, mehr als gerecht und ist somit ein wunderbarer Abschluss für diese rundherum gelungene Romantrilogie.

Die Geschichte von Zeb – Margaret Atwood – ISBN 978.3.827.01172.5

Für Leserinnen, die…

  • …die ersten beiden Teile der MaddAddam-Trilogie gelesen haben.
  • …in eine post-apokalyptische Zukunft reisen wollen.
  • …eine heimliche Schwäche für den raubeinigen Zeb haben.

Am besten kombiniert mit…

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5 Kommentare zu „(Lesen ist hardcore!) Die MaddAddam Trilogie von Margaret Atwood – Teil 3: Die Geschichte von Zeb“

  1. Ja, die Trilogie hatte so ihren Sog… nach dem zweiten Band musste ich gleich zum dritten greifen. Und es stimmt: es macht keinen Sinn, mit dem dritten Buch anzufangen. Die AddAdam-Trilogie war für mich eines DER Leseereignisse in diesem Jahr!

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    1. Mir ging es ähnlich – zumindest ist „MaddAddam“ die unangefochtene #1 Dystopie für mich bisher. Mal abgesehen vom Klassiker „1984“ natürlich 😉 Das ist schon lange eines meiner Lieblingsbücher.

      Ich habe mir jetzt auch „Der Report der Magd“ gekauft. Das ist auch eine Atwood-Dystopie. Ich bin schon sehr gespannt 🙂
      Ich warte aber wohl noch ein bisschen mit der Lektüre, sonst würde ich die beiden Bücher sicher zu sehr miteinander vergleichen.

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