(Sachbuch) Drei Schritte nach Russland von Irina Liebmann

Irina Liebmann, geboren 1943 in Moskau, studierte Sinologie in Leipzig. Seit 1975 lebt sie als freie Schriftstellerin in Ost-, später in Westberlin. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, u. a. den Aspekte-Literaturpreis und den Berliner Literaturpreis. (Quelle: Berlin Verlag)

51u01HNFgdL._SX303_BO1,204,203,200_Siebzig Jahre lang kannte die Welt nur die Sowjetunion, ihre Politik, ihre Kultur ― dort, wo einst das Zarenreich gewesen war. Nun ist die Sowjetunion verschwunden, an ihrer Stelle ist Russland erschienen, aber was ist Russland? Diese Frage führte Irina Liebmann in den letzten Jahren drei Mal zurück in das Land, in dem sie geboren wurde, das Land ihrer Mutter.Nur einer Schriftstellerin vom Format Irina Liebmanns gelingt es, sich so auf Orte einzulassen, ob die gegenwärtigen oder bereits untergegangenen, dass schon der Rhythmus ihrer Sprache, die Auswahl an Beobachtungen und Begegnungen, jene große diagnostische Kraft entfaltet, wie wir sie von den Reiseschriftstellern der Weltliteratur kennen.

„Drei Schritte nach Russland“ ist eine literarische Reise in drei Teilen. Zwei Mal zieht es Irina Liebmann nach Moskau und einmal nach Kasan, die Hauptstadt des Kaukasus. Mich trägt sie mit sich wie einen Schalk im Nacken und ich schaue durch ihre Augen auf das Land ihrer Mutter, das auch ihr Land hätte sein können, es tragischerweise oder glücklicherweise oder einfach deshalb aber nicht ist. Ihre Ausführungen lesen sich wie ein Roman, halb Reisebericht halb Traumgebilde, sind voller Sehnsucht und doch reicht dieses Sich Sehnen nicht aus, um Irina Liebmann vollkommen gefangen zu nehmen, um sie endgültig daran zu hindern nach ein paar kostbaren Wochen wieder Richtung Berlin abzureisen.

Ich muss gestehen, dass ich vor der Lektüre von „Drei Schritte nach Russland“ erwartet hatte, dass der Reisebericht von Irina Liebmann etwas linearer, etwas sachlicher sein würde. Stattdessen verbringe ich die drei Ausflüge in die einstige Supermacht gefangen im Kopf. der Autorin Nur selten lässt sie mich die Dinge, die Straßen, die Begegnungen so erleben, wie sie gerade passieren. In der Regel kriege ich nur das mit, was die Autorin mittels ihrer Erzählung zu mir durchdringen lässt. Je nach Grundstimmung lässt es mich schwelgen oder frustriert aufseufzen. Eines jedoch wird mir früh klar, diesem Buch muss ich mit Respekt begegnen oder es weg legen, einen Mittelweg gibt es nicht.

Ich bleibe bei der Lektüre, lasse mir aber Zeit. Denn die „Drei Schritte nach Russland“ muss man gemächlich gehen. In Momenten in denen Irina Liebmanns Erzählung zu verkopft wird, beispielsweise durch ihre persönliche Begeisterung für die Stadt Kasan, schweife ich leicht ab. Ich war selbst noch nie in Russland und kann den Ausführungen der Autorin daher nur ungefähr folgen. Innere Bilder bleiben verschwommen, was auch am Schreibstil der Autorin liegt, der sich auf sensorische Eindrücke und innere Zustände, auf das was ein Spaziergang durch die Straßen des winterlichen Kasans zum Beispiel in ihr auslöst, konzentriert. Melodisch, bzw. sprachlich schön, ist das ganz sicher, leserfreundlich ist es aber nicht unbedingt.

Insofern fühlt man sich als Leserin von „Drei Schritte nach Russland“ oft außen vor. Irina Liebmanns Erzählung ist nicht konkret genug, als dass ich mir ein klares Bild machen könnte davon, was sie auf ihren Reisen erlebt. Das kann schon mal für Frustration sorgen, selbst bei einer Leserin, die dem Schreibstil der Autorin im Grunde offen und wohlwollend gegenüber steht. „Drei Schritte nach Russland“ befindet sich auf der Schnittstelle zuwischen Roman und Autobiografie, gekonnte tänzelt Irina Liebmanns Reisebericht mal einen Fuß breit auf die eine, mal auf die andere Seite, ohne sich jedoch auf irgendetwas fest zu legen. Diese Leichtfüßigkeit, diese strikte Weigerung klar Stellung zu beziehen, ist dabei Stärke und Schwäche zugleich.

Drei Schritte nach Russland – Irina Liebmann – ISBN 978.3.827.01138.1

Für Leserinnen, die…

  • …sich nach Mutter Russland sehnen.
  • …sich nicht zwischen Roman und Reiseführer entscheiden möchten.
  • …zwei Heimatländer haben.

Am besten kombiniert mit…

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