(Backlist) Nackt Schwimmen von Carla Guelfenbein

Für eine gute Geschichte bin ich als Leserin immer zu haben und so zog es mich ein paar Monate nach der Lektüre von „Das Gift“ erneut nach Südamerika, genauer gesagt nach Chile…

51o4GnzYuVL._SX304_BO1,204,203,200_Morgana und Sophie verbindet eine innige Freundschaft, bis Sophie von der Liebe zwischen ihrem Vater Diego und Morgana erfährt. Diese Liebe ihrerseits wird von dem Putsch des Militärs auf die Probe gestellt, und die Ereignisse überstürzen sich: Begegnungen an ständig wechselnden Verstecken, eine Schwangerschaft, ein geplatzter Fluchtversuch. Jahrzehnte später folgt Sophie einer leisen Ahnung auf Versöhnung und versucht, das Schweigen über die damaligen Geschehnisse zu brechen.

Dieses Buch habe ich zugegebenermaßen schon vor einer ganzen Weile gelesen und es bisher allerdings nicht so richtig fertig gebracht auch etwas dazu zu schreiben. Woran das genau liegt weiß ich selbst nicht, denn „Nackt Schwimmen“ hat mich gut unterhalten, besser sogar als manch anderes Buch, zu dem mir die Worte wahrscheinlich nur so zuflogen. Es lässt jedoch den Tiefgang eines Allende Romans vermissen und ist demnach wohl nicht eines der Bücher, zu denen ich viel zu sagen, bzw. zu schreiben habe. Ich werde an dieser Stelle jedoch versuchen ihm nichts desto trotz gerecht zu werden, gönne ich „Nackt Schwimmen“ und seiner Autorin Carla Guelfenbein doch viele weitere Leserinnen.

Die Leserin lernt Sophie und ihre beste Freundin Morgana kennen, als sie zusammen ein nächtliches Bad in einem fremden Swimmingpool nehmen. Das ungleiche Paar lebt im selben Apartmenthaus, wo die verschlossene obwohl scheinbar hochbegabte Sophie eine Wohnung mit ihrem politisch engagierten Vater Diego teilt. Zunächst hat Sophie ihre etwas ältere Freundin Morgana ganz für sich alleine, teilt mit ihr Ängste und Sehnsüchte und kuschelt sich des nachts, wenn sie mal wieder nicht schlafen kann, an sie. Doch dann begegnen sich Morgana und Diego und eine Leidenschaft entbrennt, die beide trotz ihrer anfänglichen Angst Sophie mit ihrer Beziehung zu kränken nicht verleugnen können.

Diese Dreiecksgeschichte wird der Leserin in zwei Teilen präsentiert, wobei der erste Teil den Löwenanteil des Romans einnimmt. Der erste Teil spielt in Chile und erzählt davon, wie sich Diego und Morgana kennen und lieben lernen. Zunächst halten sie ihre Beziehung noch geheim, um die fragile Psyche von Diegos Tochter Sophie nicht zu belasten. Doch bald schon wird Morgana schwanger und das Paar beschließt ihre Liebe offen und gegen alle Widerstände zu leben. Wie erwartet kann Sophie damit eher schlecht als recht umgehen, bricht den Kontakt zum Vater ab und flieht zu ihrer Mutter nach Paris. Im zweiten Teil, der in Spanien spielt, versucht eine gealterte Sophie die Brücke zur Familie ihres Vaters wieder aufzubauen, die sie vor so vielen Jahren und scheinbar aus verletzter Eitelkeit heraus in Brand setzte.

Im Hintergrund dieses Liebeschaos tobt der Militärputsch, den schon Isabel Allende in ihrem Roman „Das Geisterhaus“ thematisierte. Anders als Allende konzentriert sich Carla Guelfenbein jedoch auf ihre Figuren und deren Gefühlsleben, die politischen Umwälzungen betreffen die Handlung zwar direkt, wirken aber dennoch etwas farblos im Vergleich zur Affäre zwischen dem alternden Diego und der jungen Morgana. Im zweiten Teil der Geschichte spielt Politik auch schon wieder keine Rolle mehr und demnach erscheint mir dieser Roman, obwohl er relativ seitenstark ist, doch etwas oberflächlich. Das gute daran ist jedoch, dass er der Brutalität entbehrt, die mich während der Lektüre von „Das Geisterhaus“ meine Nägel in die Armlehnen meines Lesesessels hat bohren lassen.

Insgesamt ist „Nackt Schwimmen“ eine wunderbar unterhaltsame Lektüre mit einer sowohl spannenden als auch anrührenden Geschichte. Die Figuren sind nicht immer voll ausgereift, besonders die melancholische Sophie bleibt etwas farblos, Carla Guelfenbein hat ganz klar woanders Prioritäten gesetzt. Trotzdem ist „Nackt Schwimmen“ eines dieser Bücher, die ich mit einem wohligen Gefühl aus der Hand gelegt habe, und das trotz seines oft ernsten, bzw. aufreibenden Inhaltes. Denn Carla Guelfenbein lässt mich für ein paar Momente den Alltag vergessen, nach Chile und in der Zeit zurück reisen, um dort den Lauf der Geschichte zu erleben, am Beispiel eines ungleichen Liebespaares, dem ich während der Lektüre wider besseren Wissens ein Happy End wünsche.

Nackt Schwimmen – Carla Guelfenbein – ISBN 978.3.100.27826.5

Für Leserinnen, die…

  • …sich für chilenische Geschichte interessieren.
  • …Frauenfreundschaften einen besonderen Wert beimessen.
  • …schon einmal kopflos verliebt waren.

Am besten kombiniert mit…

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