(Neuerscheinung) Liebling, ich habe die Katzen getötet von Dorota Maslowska

Dorota Maslowska wurde am 3. Juli 1983 in Wejherowo, Polen, geboren. Nach dem Abitur begann sie ein Psychologiestudium an der Universität Danzig, wechselte später jedoch zu Kulturwissenschaften in Warschau. 2004 wurde ihr erstes Kind geboren. Im Februar 2009 war die Schriftstellerin Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Sie lebt mit ihrer Tochter in Warschau. (Quelle: KiWi online)

9783462047196Joanne kuriert ihr gebrochenes Herz bevorzugt mit Whisky on the Rocks und süßen Muffins und malt sich mit Filzstift eine Strumpfhosennaht auf die Beine, um sexy auszusehen; Farah, genannt Fah, liebt Yogazeitschriften, Desinfektionsgel und Lebenshilfebücher. Kaum wollen die beiden Freundinnen endgültig den Männern abschwören, lernt Jo jemanden kennen. Über Eifersüchteleien geht die Freundschaft der beiden jungen Frauen in die Brüche. Fah flüchtet sich in Tagträume und erkundet nachts New York. Sie geht in abgeschmackte Karaoke-Bars und auf schräge Vernissagen, und bei der Suche nach neuen Bekanntschaften in den wenig mondänen Vierteln der Stadt begegnet sie Nerds, Künstlern und Hochstaplern – eine davon Go, die sich als Polin ausgibt, weil ost-europäische Nationalitäten in New York gerade hip sind.

Der neue Roman von Dorota Maslowska beginnt mit einem Traum, den Hauptfigur Farah hat, und der mir als Leserin im Laufe der Erzählung immer wieder begegnet. Eine kleine Katze mit weißem Latz liegt überfahren auf einer New Yorker Straße. Zunächst nehme ich dieses Traumbild für bare Münze, versuche mich darin zurecht zu finden, die handelnden Personen zu identifizieren, Handlungsstränge aus dem Text zu spinnen. Erst nach und nach erkenne ich, das die Geschichte in der Geschichte nicht echt sein kann – die Schilderung der Ereignisse ist letztlich doch zu surreal. Unwirklich ist auch, dass dieser Traum nicht nur Farah selbst heimzusuchen scheint, sondern bis in die schlafenden Köpfe ihrer Freunde und Bekannten vordringt. Für einen kurzen Moment bin ich als Leserin ganz schön verwirrt.

Ich schenke dieser anfänglichen Verwirrung im folgenden jedoch keine Beachtung. Denn auf den nächsten Seiten beginnt die Geschichte von Farah und ihrer Freundin Joanne, die ich bereits aus dem Klappentext kenne. So richtig kommt diese aber nicht in Gang bevor sie eine erneute Traumpassage unterbricht. Diese fantastischen Aspekte, die Farah unter anderem an den Grund des Meeres führen, wo sie mit Sirenen Freundschaft schließt, bringen mich immer wieder aus dem Konzept. Denn im Grunde bin ich nicht wirklich aufgelegt für experimentelle Literatur. Doch gerade das ist es, was Dorota Maslowska mir hier serviert. Ab Mitte des Buchs bringt sich die Autorin scheinbar sogar selbst ins Spiel, als neue Mieterin in Farahs Gebäude und mir schwirrt der Kopf. Denn die Luft auf der Metaebene ist dünn.

Im Grunde ist es ganz interessant mal hinter die Kulissen zu schauen. Dorota Maslowska macht kein großes Geheimnis um ihren schriftstellerischen Prozess und das kann durchaus erfrischend sein, ist die Leserin denn dazu aufgelegt. Ich biss mir an ihrem Roman mal um mal die Zähne aus, fand keinen rechten Zugang dazu. Die einzige Figur, die etwas Fleisch auf den Knochen hat ist Desinfektionsgel-Junkie Farah. Ihre Freundin Joanne und die meiner Meinung nach viel zu spät auftauchende Go(sha) bleiben verglichen damit Hungerhaken im Kopf dieser Leserin. Es scheint so als hätte Dorota Maslowska bei all der literarischen Finesse, die ihr Text an den Tag legt, dessen Leserin und ihr Erlebnis damit etwas aus den Augen verloren. Das kann natürlich den besten ihrer Zunft passieren, schade ist es aber trotzdem.

Ich navigiere mich durch die Geschichte von Farah, Joanne und Go, ohne jedoch davon ergriffen zu sein. Oft braucht es ein bis drei Abschnitte bevor ich wieder weiß was genau geschieht, bzw. ob das was ich lese wirklich geschieht. Bei all den literarischen Sperenzchen bleibt das Erlebnis dieser Leserin leider etwas auf der Strecke. Dorota Maslowska scheint ihr eigener Prozess an dieser Stelle wichtiger zu sein als das was davon bei ihren Leserinnen ankommt. Wobei ich nicht völlig ausschließen möchte, dass es irgendwo ein begeistertes Publikum gibt für derlei erzählerische Experimente, nur zähle ich mich an diesem Punkt meines Leserinnenlebens nicht dazu und dementsprechend war mein Erlebnis mit diesem Roman auch eher durchwachsen, bzw. sogar äußerst verwirrend.

Insgesamt bleibt meiner Einschätzung nicht viel hinzuzufügen. Wer bereit ist sich durch das stilistische Dickicht genannt „Liebling, ich habe die Katzen getötet“ zu wühlen, den möchte ich nicht davon abhalten – schließlich habe ich es selbst auch getan. Rückblickend muss ich jedoch gestehen, dass ich das Buch wohl abgebrochen hätte, wäre es mir nicht vom Verlag zur Verfügung gestellt worden, aus schierer Frustration über so viel Lametta und so wenig Substanz darunter. Denn die Geschichte von Joannes neuem Freund und Farahs Eifersucht darüber ist in Sand geschrieben, der den erzählerischen Aufbau, den stilistischen Wolkenkratzer, den Dorota Maslowska darauf aufgebaut hat, nur unzureichend tragen kann.

Liebling, ich habe die Katze getötet – Dorota Maslowska – ISBN 978.3.462.04719.6

Für Leserinnen, die…

  • …literarisch experimentieren wollen.
  • …nachts mit den Sirenen schwimmen.
  • …sich für die Idee hinter dem Roman interessieren.

Am besten kombiniert mit…

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4 Kommentare zu „(Neuerscheinung) Liebling, ich habe die Katzen getötet von Dorota Maslowska“

  1. Jetzt bin ich auch ganz hin- und hergerissen. Vom Titel her wäre ich am Buch in der Buchhandlung vorbeigegangen, ohne dem Buch auch nur einen zweiten Blick zu schenken. Dann präsentierst du den Klappentext und sprichst von dem surrealen Einstieg, machst mich damit neugierig aufs Buch – und dann lese ich mehr und mehr von deiner Besprechung und denke: „Neeeee, das ist mir dann doch zu speziell, um bei meinem hohen SUB spontan zu experimentieren.“

    Meine Wunschliste und mein SUB danken dir 😉

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    1. Eigentlich mag ich ungewöhnliche Erzählperspektiven, aber Dorota Maslowska verliert bei all den stilistischen Experimenten irgendwie die Geschichte und die Figuren aus den Augen – und das ist, wie ich schon in meiner Rezi schrieb, ganz schön schade.
      Insofern bin ich froh, dass ich Dir mit meiner Einschätzung eine potenzielle Enttäuschung ersparen konnte. Für das neue Jahr nehme ich mir vor Leseproben zu durchstöbern, bevor ich Rezensionsexemplare anfordere oder Bücher kaufe 😉

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      1. Ach, selbst nach Leseproben kann man noch Enttäuschungen erleben 😉

        Bei dem Experimentellen geht es mir wie dir: Grundsätzlich bin ich offen und lese so etwas Ungewöhnliches auch mal ganz gerne, aber für mich haben die eigentliche Geschichte und die Charaktere immer noch Vorrang vor dem Stil. In solchen Fällen bin ich immer froh, wenn ich durch Blogger „vorgewarnt“ werde – und auf dein Urteil konnte ich mich bisher immer verlassen 😀

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