(Sachbuch) Bad Feminist: Essays von Roxane Gay

Roxane Gay sah ich zum ersten Mal in der Diskussionsrunde, in der ich auch Tara Moss und ihr Buch für mich entdeckte. Physisch imposant und darüber hinaus auch noch überaus sympathisch vertrat sie dort ihre Meinung zu allerhand feministischen Themen und machte mich damit neugierig auf ihre Essays…

41YU-9T-AZL._SX315_BO1,204,203,200_Roxane Gays BAD FEMINIST ist ein erfrischender neuer Beitrag zur aktuellen feministischen Debatte, die sich oft eher anhört wie eine neue Folge von »Girls Club«mit Lindsay Lohan als eine ernsthafte Diskussion um Gender oder Ungleichheit. Mitten in der wechselseitig zerstörerischen feministischen Giftigkeit überwindet Roxane Gay mit spielender Leichtigkeit die Grenzen zwischen Popkulturkonsument und Kritiker, zwischen ernsthaftem Akademiker und leichtfüßigem Mädchen, zwischen Verzweiflung und Optimismus, zwischen Gut und Böse. Dieses Buch ist für alle von uns, die ihren Feminismus aus anspruchslosen Frauenromanen und postmodernen Theorien zusammengebaut haben. Gay erlaubt uns, das feministische Schwert zu ergreifen und gleichzeitig unser Schutzschild kontrollierter Authentizität abzulegen. So ist dieses Buch kraftvoll und verletzlich zugleich – wie Roxane Gay selbst.

Die amerikanische Bloggerin und Professorin für Englisch an der Purdue Universität Roxane Gay hält sich für eine schlechte Feministin. Nimmt man, wie ich es getan habe, ihr Buch zur Hand merkt man sofort, dass dies etwas überspitzt formuliert ist. Im Grunde ist der Feminismus, den Roxane Gay lebt und über den sie schreibt, nicht schlechter als der Feminismus von Naomi Woolf oder Betty Friedan, fordert er doch die Gleichberechtigung aller Menschen ohne Rücksicht auf Geschlecht, Ethnie oder sexueller Orientierung. Nur ist die feministische Praxis von Roxane Gay vielleicht etwas weniger konsequent als sie es von sich selbst erwartet. Ähnlich inkonsequent ist auch dieses Buch, denn es beschäftigt sich nicht nur mit Feminismus oder mit der Autorin als Person, sondern mit westlicher Popkultur im Allgemeinen.

„Bad Feminist“ ist dementsprechend etwas durchwachsen, was seine Relevanz für diese Leserin anbelangt. Mit manchen Essays landet Roxane Gay bei mir einen Volltreffer, vor allem dann wenn es um feministisch relevante und politisch brisante Themen geht. In vielen dieser Essays kritisiert Roxane Gay zum Beispiel die amerikanische Vergewaltigungskultur und ihre diversen Auswüchse, die mir persönlich oft den Atem verschlagen. Roxane Gay macht das beste daraus, was in ihrem Land geschieht und regt sich nur dann auf, wenn es wirklich zu viel wird und Menschen, besonders oft junge Frauen und Mädchen, zu Schaden kommen. Insofern lässt sie Rapsongs, Rapsongs sein, und tanzt auch schon mal dazu, auch wenn sie als Feministin eigentlich etwas kritischer sein müsste.

Nicht ganz so interessiert höre ich dann hin, wenn Roxane Gay über ihr Privatleben schreibt. Denn hier gibt es zwar durchaus interessante Essays, die sich zum Beispiel mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte auseinandersetzen. Oft sind diese Einblicke in die Person hinter dem Buch aber an eine Rezension gekoppelt. Ab und zu frage ich mich da, was eine Rezension in einem Essayband zu suchen hat. Roxane Gay bespricht unter anderem die Panem-Trilogie, die HBO Serie „Girls“ und einen Roman von Joan Didion, den ich mir sofort gekauft habe. In der Regel kann ich mit den erwähnten Titeln allerdings eher wenig anfangen und da tröstet es mich auch nicht sonderlich, dass Roxane Gays Rezensionen außerordentlich professionell verfasst sind. Es schleicht sich bei mir das Gefühl ein, die Autorin habe nicht genug Material gehabt, um ein ganzes Buch zu füllen.

Fängt Roxane Gay dann auch noch mit ihrem scheinbaren Lieblingsthema an, driftet meine Aufmerksamkeit leider ganz weit weg von dem, was ich gerade lese. Denn Roxane Gay ist eine professionelle Scrabble-Spielerin und das gehört für mich mit zu den langweiligsten Sachen, mit denen ein junger, bzw. jung gebliebener Mensch seine Freizeit verbringen kann, gleich nach Ornithologie und die Wand anstarren. Das ist allerdings eine sehr persönliche Abneigung meinerseits und ich sehe an dieser Stelle ein, dass dieses Spiel besonders im englischsprachigen Raum, aus dem die Autorin kommt, viele Fans hat. Nicht jede Leserin dürfte also meine Langeweile teilen, und doch möchte ich diese hier nicht unerwähnt lassen.

Roxane Gays Essayband „Bad Feminist“ ist ein qualitativer Flickenteppich aus persönlichen Anekdoten, Feminismus und Rezensionen, für den es mir schwer fällt eine ausdrückliche Empfehlung auszusprechen. Das Buch hat sowohl das Potenzial zu begeistern, als auch (im schlimmsten Fall) schrecklich zu enttäuschen. Zu welchem Pol es einen zieht hängt stark davon ab, was man sich davon erhofft. Ich persönlich hätte mir mehr Feminismus, mehr Gesellschaftskritik gewünscht, wäre aber auch mit der Autobiografie von Roxane Gay zufrieden gewesen. Was für mich gar nicht in ein professionell verlegtes Buch gehört sind Buch- und Filmbesprechungen, aber da mag ich mit meiner Meinung alleine stehen.

Bad Feminist – Roxane Gay – ISBN 978.3.945.55014.4

Für Leserinnen, die…

  • …sich als intersektionelle Feministinnen sehen.
  • …sich für populäre Medien interessieren.
  • …alles andere als perfekt sind.

Am besten kombiniert mit…

41yvZhbunsL._SX314_BO1,204,203,200_Download (25)41D+isoDF5L._SX307_BO1,204,203,200_king_kong_theorie-9783833305733_xxl

Advertisements

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s