(Hörbuch) Der Sommer, in dem es zu schneien begann von Lucy Clarke

Lucy Clarke studierte englische Literatur an der Universität von Cardiff und lebt heute mit Mann und Kind in Bournemouth. Sie ist passionierte Tagebuchschreiberin und mit einem professionellen Windsurfer verheiratet, mit dem sie ihre Liebe zum Meer und zum Reisen teilt. (Quelle: piper.de)

51gEcSOotgL._SX312_BO1,204,203,200_Abrupter kann das Schicksal kaum zuschlagen: Als Eva nur wenige Monate nach der Hochzeit ihren Mann durch einen Unfall auf See verliert, erstarrt sie vor Schmerz. Ihr gerade erst begonnenes Leben als glückliche Ehefrau soll schon zu Ende sein? Eva fühlt sich völlig allein in ihrer Trauer und reist nach Tasmanien, um Trost bei Jacksons Angehörigen zu finden. Doch so bezaubernd die australische Insel ist, so abweisend verhält sich Jacksons Familie. Warum nur wollen sein Vater und sein Bruder partout nicht über ihn sprechen? Auf Eva warten schockierende Wahrheiten, die sie zu einem schicksalhaften Sommer in der Vergangenheit führen – dem Sommer, in dem es zu schneien begann.

Eva und ihr Ehemann Jackson sind auf einer verspäteten Hochzeitsreise, als Jackson bei einem Angelausflug verunglückt. Man sieht ihn von einer Klippe stürzen, doch seine Leiche bleibt verschollen. Eva will den Tod ihres Mannes zunächst nicht wahr haben und macht sich zusammen mit einem örtlichen Fischer auf die Suche nach ihm. Doch was die Küstenwache nicht bewerkstelligen konnte, das gelingt der trauernden Eva schon gar nicht und so zieht sie in Richtung London ab, wo sie mit Jackson gewohnt hat. Die gemeinsame Wohnung allerdings verstärkt den Schmerz der jungen Witwe nur und so beschließt sie bald schon nach Tasmanien aufzubrechen, wo sie den Kontakt zu Jacksons Familie sucht.

„Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ entführt diese Leserin auf die andere Seite der Erdkugel. Dort wo Sommer ist, wenn wir hier Winter haben, versucht Hauptfigur Eva ihren inneren Frieden wieder zu finden. Sie ist dabei nicht die einzige, die um den verschollenen Jackson trauert. Auch sein Vater Dirk hat an den Umständen um den Tod des Sohnes ganz schön zu knabbern, was seinen ohnehin schon beträchtlichen Alkoholkonsum noch erhöht. Eva, die in der Zeit, die sie mit Jackson verbracht hat, regen Briefkontakt mit dem raubeinigen Mann hatte, wundert sich über seine unterkühlte Art ihr gegenüber. Es scheint ihr so, als kenne er sie gar nicht, so als wolle er sie in Jacksons Heimat nicht sehen, so als wäre er von Anfang an gegen eine Heirat der beiden gewesen – aber warum nur?

Es ranken sich viele Geheimnisse, um Jacksons Verschwinden, mehr noch als ich der Geschichte anfangs zutraue. Ich dachte zunächst „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ handele lediglich von Evas Trauer, ihrer Flucht nach vorn und einem Neuanfang unter der australischen Sonne. Je tiefer ich in der Geschichte versinke, desto mehr Wendungen kommen ans Licht. Denn so gut, wie Eva ihren Ehemann zu kennen glaubte, kannte sie ihn nun wahrlich nicht. Das merkt sie vor allem dann, wenn sie seinem Bruder gegenüber steht und zuhört wie er von seinem Leben und seinem Werdegang erzählt und es so klingt als wäre Jackson auf einmal wieder bei ihr. Zunächst weigert Eva sich eins und eins zusammen zu zählen und Jackson von den Sockel zu stoßen, auf den sie ihn gestellt hat.

Dann jedoch wird die Beweislast gegen den Verschwundenen unübersehbar und diese Leserin glaubt ihren Ohren nicht. Denn das was Lucy Clarke mir hier auftischt ist einfach zu perfekt konzipiert und gegen Ende fühle ich mich fast ein bisschen so als schaute ich eine Seifenoper. Für manch andere Leserin dürfte das nicht weiter schlimm sein, für mich allerdings war es ein kleiner Minuspunkt, der mich in Zukunft wohl nicht zu weiteren Romanen der Autorin greifen lassen wird. Trotzdem hat mich das, was ich bis dahin gelesen hatte gut unterhalten. Hauptfigur Eva ist eine angenehme Reisebegleiterin und Jacksons Bruder eine kleine Schwärmerei durchaus wert – dazu bin ich an dieser Stelle aufgelegt, schließlich gibt es in der dunklen Jahreszeit sonst nicht allzu viel Zerstreuung.

Letztlich ging die mit überraschenden Wendungen und spektakulären Enthüllungen gespickte Handlung jedoch auf Kosten der Figurenzeichnung und nicht jedes Mitglied des Ensembles ist ähnlich gut realisiert, wie zum Beispiel Eva und Jacksons Bruder. Wer auf der Suche ist, nach einer Lektüre, die ihre Leserin den Alltag vergessen lässt, der ist mit „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ jedoch trotzdem bestens bedient. Ich habe hohe Ansprüche an meine Lektüre, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ab und zu fand ich diese zwischen den Seiten von „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ auch erfüllt. Dann wiederum merkte ich aber, dass ich nur widerwillig Abstriche bei der Figurenzeichnung zu machen bereit bin , und anders als Lucy Clarke großen Wert auf die Plausibilität der Handlung lege – zumindest bei Büchern dieses Genres.

Der Sommer, in dem es zu schneien begann – Lucy Clarke – ISBN 978.3.492.06012.7

Für Leserinnen, die…

  • …von ihrer großen Liebe belogen wurden.
  • …schon einmal einen Neuanfang gewagt haben.
  • …von einem Leben in Australien träumen.

Am besten kombiniert mit…

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