(Sachbuch) The Plain Choice von Sherry Gore

Ursprünglich hatte ich dieses Buch mal bei netgalley entdeckt. Letztlich habe ich mich dann aber doch für das Hörbuch entschieden – mein bevorzugtes Medium für Sachbücher. Im Rahmen dieser Rezension soll das aber keine Rolle spielen.

cover61360-mediumRaised in a broken family and emotionally overlooked, Sherry Gore grew up without a solid foundation.  A series of terrible mistakes left her feeling wrecked and alone and a sudden tragedy threw Sherry into an emotional tailspin too powerful to escape. Sherry hangs by a thread, unable to see how she can go on living, until it happens: She goes to bed stunned; she wakes up a Christian. Sherry attacks her faith head on.  Soon the life Sherry Gore remakes for herself and her children as she seeks to follow the teachings of the Bible features head coverings, simple dress, and a focus on Jesus Christ.  Only then does she realize, in a fit of excitement, that there are others like her.  They are called Amish and Mennonite, and she realizes she has found her people.

Die Bloggerin und alleinereziehende Mutter von drei Kindern Sherry Gore ist amische Menonitin, doch war das nicht immer so. Aufgewachsen ist die knapp vierzig-Jährige ganz weltlich, in einer texanischen Kleinfamilie, bzw. nach der Scheidung der Eltern beim Vater in Orange County, Californien. Dort verlebt sie eine Jugend, wie sie oft in amerikanischen Teenie Komödien porträtiert wird. Morgens Schule, nachmittags Freunde und abends Hausaufgaben und das gemeinsame Essen mit der Patchwork Familie. Wie kommt es nun aber, dass eine so konventionelle Jugend den Weg ebnet für ein so gesellschaftsfernes Erwachsenenleben? Das fragte ich mich, als ich das Buch zur Hand nahm und es ist somit auch kein Wunder, dass ich es einmal aufgeschlagen in einem Rutsch durchlas.

Selten kann ich mich dabei mit ihr und ihrer Geschichte identifizieren, auch wenn ich mich selbst schon oft als Suchende beizeichnet habe – wonach war mir letztlich nie wirklich klar, ich denke dies ist ein generelles Merkmal meiner Generation – trotzdem folgte ich ihren Ausführungen mit regem Interesse. Denn einen Einblick in das Leben einer amisch-menonitischen Gemeinde zu erlangen, das hat Seltenheitswert und interessiert mich, die ich immer auf der Suche nach ungewöhnlichen literarischen Perspektiven bin, schon seit langem. Was Sherry Gore in ihrer Autobiografie liefert stellt meine Neugier jedoch nur bedingt zufrieden. Denn es ist sehr persönlich, also auf die Autorin als Person und ihre kleine Familie bezogen und entbehrt einer weitläufigeren Perspektive auf die Lebensweise der (amischen) Menoniten.

Zunächst einmal erzählt Sherry Gore von ihrer Kindheit und Jugend, in der sie sich von ihrer Familie oft alleine gelassen und wenig beachtet, manchmal sogar wenig geliebt fühlt. Bald schon zieht sie aus und weiß erst einmal nicht wohin. Schon bald ist sie obdachlos und ich beginne zu verstehen, warum das entbehrliche Leben der Menoniten mit seinen klaren Regeln und Strukturen des Alltags eine solche Faszination auf die vom Schicksal gebeutelte junge Frau ausgeübt hat. Hier findet sie nach zwei gescheiterten Ehen den familiären Zusammenhalt, der sie langsam aus Verzweiflung und Depression zurück holt. Ich als Leserin verfolge diese Entwicklung mit Wohlwollen, auch wenn sie Sherry Gore und ihre Familie leider nicht vor weiteren Schicksalsschlägen zu schützen scheint.

Was mir vor der Lektüre von „The Plain Choice“ nicht bewusst war, war der starke, teils missionarisch anmutende, fundamentalistisch christliche Unterton. Sherry Gore ist zweifelsohne ein sympatischer Mensch, der auch Andersgläubige oder Religionsskeptiker nicht verurteilt. Doch kann man sich als Leserin zwischen den Seiten schnell mal von oben herab angesprochen fühlen, sieht die Autorin sich doch als religiös Gerettete an, was impliziert, dass nicht amisch-menonitische Leserinnen noch zu erretten sind, und das hat mich für kurze Zeit darüber nachdenken lassen, ob es nicht sinnvoller wäre meine Lektüre an dieser Stelle zu beenden. Letztlich siegte meine emotionale Involvierung in das Schicksal der Familie von Sherry Gore, die in den ersten Teilen des Buchs stetig gewachsen war und mich nun über den Dingen, bzw. der Bevormundung der Leserin durch die Autorin stehen ließ.

Ich hatte hohe Erwartungen an „The Plain Choice“ die von Autorin Sherry Gore nur bedingt erfüllt wurden. Die Lektüre dieses Buchs beantwortete meine Frage dazu, was einen Menschen dazu bringt sich für das entbehrungsreiche und oft, aber auch nicht immer, wie ich im Laufe dieses Buchs erfahren habe, technologieferne Leben eines amischen Menoniten zu entscheiden. Als Bonus versucht sie mir aber auch noch einen ganzen Batzen religiöser Doktrine in den Rachen zu stopfen, nach denen ich so nicht verlangt hatte. Letztlich hätte ich den Klappentext wohl etwas sorgfältiger lesen sollen, schließlich macht dieser kein Geheimnis aus der religiösen Überzeugung der Autorin. Wer derartige Untertöne akzeptieren kann, sie vielleicht sogar aktiv sucht, der wird im Hinblick auf „The Plain Choice“ jedoch keinerlei Beanstandungspunkte finden.

The Plain Choice – Sherry Gore – ISBN 978.0.310.33558.0

Für Leserinnen, die…

  • …davon träumen alles hinter sich zu lassen.
  • …sich für das Leben der amischen Menoniten in den USA interessieren.
  • …sich selbst als spirituell bezeichnen würden.

Am besten kombiniert mit…

51Xd0rPvoFL._SX301_BO1,204,203,200_Download (8)42802103z41UIhOsXR8L._SX322_BO1,204,203,200_

Advertisements

6 Kommentare zu „(Sachbuch) The Plain Choice von Sherry Gore“

  1. Interessant. Ich habe ja auch des Öfteren Aussteigerfantasien, ein klein bisschen ausgestiegen bin ich auch schon (nämlich aus dem Job, der mich 14 Jahre lang gequält hat). Ich hätte ein Problem mit dem Bibelaspekt, ich bin Agnostikerin und könnte nicht in einer streng religiösen Gesellschaft leben. Aber ich kann den Reiz nachvollziehen, den die Amish und ähnliche Gesellschaften ausüben, viele Aspekte daran haben auch eine Wirkung auf mich. Es gibt ja auch Aussteigergemeinschaften, aber ich glaube, dafür bin ich wiederum zu introvertiert.

    Gefällt 1 Person

    1. Bei mir wäre der größte Hinderungsgrund, dass man als amische Frau keine ausdrücklichen Rechte und keine wirkliche Eigenständigkeit hat. Sherry Gore ist zwar geschieden und alleinerziehend, ist aber gleichzeitig dem (männlichen) Oberhaupt einer benachbarten Familie unterstellt.

      Hast Du eigentlich schon mal „Vom Aussteigen und Ankommen“ von Jan Grossarth gelesen?
      Darin stellt der Autor ganz viele Arten des Aussteigens vor, u.a. Selbstversorgerhöfe, Ökodörfer und Waldeinsiedler. Ich hab’s vor ein paar Jahren gelesen, ist super interessant 🙂

      Gefällt mir

  2. Danke für den Beitrag! Ich bin gerade hin- und hergerissen, ob ich dem Buch eine Chance geben soll. Ich finde das Leben der Amish unglaublich faszinierend (einem Englischlehrer mit gutem Gespür für interessante/ungewöhnliche Unterrichtsthemen sei dank) und im Fall von Sherry Gore wäre der Blick auf diesen Lebensstil noch einmal anders, weil sie nicht in das Leben einer Amish hineingeboren wurde,sondern sich bewusst dafür entschied.
    Schade finde ich daher den von dir erwähnten Punkt, dass es mehr um sie selbst und ihr Familienleben geht und weniger um das eigentliche Leben in der Gesellschaft der Amish…

    Und verwundert war ich gerade über dieses pinkfarbene Kleid auf dem Cover und darüber, dass Sherry Gore Bloggerin ist… Irgendwie passt das für mir nicht in den amishen Lebensstil, den ich bisher durch Dokus und Literatur kennengelernt habe…

    Gefällt 1 Person

    1. Amische Mennoniten scheinen generell etwas weltoffener, bzw. technologiefreundlicher zu sein als die „richtigen“ Amischen. Ich dachte vor der Lektüre von „The Plain Choice“ allerdings auch, dass alle amischen Gemeinschaften unglaublich streng und kompromisslos leben. Aber da scheint es Abstufungen zu geben.

      Ich hab vor einiger Zeit mal eine Doku gesehen, wo eine Gruppe Studenten für ein paar Wochen in einer amischen Gemeinschaft gelebt haben. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke müssen das auch amische Mennoniten gewesen sein. In einer so richtig traditionellen Gemeinschaft hätten sie sicher nie ein Kamerateam geduldet.

      Sherry Gores Buch informiert nur am Rande über das Leben der Amischen und der Mennoniten. Ich hab schon ein bisschen gegooglet, aber kein ausdrückliches, sprich nicht autobiografisches Sachbuch zu dem Thema gefunden – im Grunde sehr verwunderlich, schließlich das Leben der Amischen sowohl aus soziologischen wie auch aus anthropologischen Gesichtspunkten sehr interessant.
      Im Zweifelsfall würde ich Dir also von diesem Buch abraten. Ich glaube es würde Dich letztlich nur enttäuschen. Sollte ich allerdings in Zukunft mal über ein lesenswertes Sachbuch über die Amischen stolpern, dann melde ich mich auf jeden Fall bei Dir 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Das ist lieb, danke 🙂
        Ich glaub, die Welt des amischen Lebensstils ist doch vielschichtiger und komplexer, als ich bisher so mitbekommen habe.

        Dass (Auto-)Biografien so selten sind, finde ich schade. Ich kann mir vorstellen, dass Autobiografien vielleicht von Amischen auch nicht gewollt sind, weil sie eine Person in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit stellen und mit einem Buchverkauf auch ein gewisser „Kommerz“ vorliegt, was beides ja nicht so ganz in das Bild bescheidener, nicht an monetären Dingen interessierten Gesellschaften passt. Wobei es bei den weniger strengen Gruppierungen doch eigentlich möglich sein sollte?!

        Gefällt 1 Person

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s