(Backlist) Im Hotel der kleinen Bilder von Christine Pitzke

Christine Pitzke wurde 1964 in Burghausen/Salzach geboren. Von 1984 bis 1987 machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Während dieser Lehre bewarb sie sich um einen Medizin-Studienplatz. Im Herbst 1987 schrieb sie sich an der Münchner LMU ein. Während ihrer Studienzeit arbeitete sie zunächst in Kliniken, später als Büro-Assistenz im Carl Hanser Verlag. Nach Hospitanzen bei BR, ORF und SFB ist sie seit 1993 regelmäßige Autorin für den Bayerischen Rundfunk. Im Sommer 2001 begann sie ihre Laufbahn als freie Schriftstellerin. (Quelle: literaturport.de)

41qjuSdiwKL._SX314_BO1,204,203,200_Ein Hotel in Südfrankreich und die Gewissheit, dass das Leben selbst bisweilen ein sehr angenehmes Hotel sein kann. Es ist die durchaus erträgliche Leichtigkeit des Seins: Ein Hotel im südfranzösischen La Ciotat, die Sonne, das Meer und ein paar Gäste, die die Tage wie im Traum zubringen. Da ist Reymont, der etwas melancholische Geschäftsführer des Hotels, da sind die lebenstüchtige Silvie und der Mathematiker Paul. Und dann gibt es noch Madame Hoegner, den etwas rätselhaften Dauergast aus Deutschland. Im „Hotel der kleinen Bilder“, an dessen Wänden nicht zufällig große, reich geschmückte Teppiche hängen, setzt sich das Leben neu zusammen als Feier seiner selbst und als Fest der Literatur.

Das Hotel der kleinen Bilder steht im Süden Frankreichs etwas abseits der Großstadt Marseille. Geführt wird es von Reymont, der neben seiner Schwester Sylvie, ihrem Kindsvater Paul und dem kauzigen Hotelgast Ines, einer nach einem Giftanschlag beurlaubten Lehrerin, sowie dem Waisenkind Olga, zu den Hauptfiguren dieses Romans zählt. Alle haben sie sowohl ihre eigene als auch eine gemeinsame Geschichte, die es zu ergründen gilt. Christine Pitzke lässt sich Zeit mit dem erzählen, lässt hier und da mal ein bisschen Hintergrundgeschichte einfließen, geht dann aber auch ganz schnell wieder vom Gas, schließlich will ihre Leserin in aller Ruhe die Landschaft genießen.

Wenn Christine Pitzke vom Hotel der kleinen Bilder erzählt gibt es viel zu sehen, aber leider nur wenig Handlung. Diese fällt der Atmosphäre zum Opfer, welche die Autorin in sorgfältiger Kleinarbeit von Szene zu Szene aufbaut. Höhepunkt des Buchs scheint der Bau eines antiken Karussells auf dem Gelände des Hotels zu sein, die Beschreibung dessen, sowie die Beschreibung der Wandteppiche, Landschaften und so weiter nehmen letztlich aber mehr Raum ein als das Ereignis selbst. Die Autorin zwingt diese Leserin zum Innehalten, zum stumm Betrachten und Schwelgen. Nicht immer tue ich mich leicht damit, manchmal fehlt mir die Muße, die Geduld für diesen Roman, der sich in der Betrachtung von Momentaufnahmen verliert.

Die Figuren, die ihn bevölkern sind allesamt etwas verschroben, manche, wie diese Leserin erfährt, auch aus gutem Grund. So trachtete man der deutschen Ines zum Beispiel nach dem Leben, was sie dazu bewogen hat sich erst einmal ins „Hotel der kleinen Bilder“ zurück zu ziehen. Auch ich ziehe mich dahin zurück wenn ich einen ruhigen besonnenen Moment brauche, für shakespearsche Dramen und Seifenopern in D-Moll ist dieser Ort nämlich nichts. Die Teppiche an den Wänden der Lobby schlucken jegliches Geräusch, was schon mal in Totenstille auszuarten droht und in solchen Momenten schleicht sich dann die Langeweile bei mir ein. Doch die südfranzösische Küste lockt diese Leserin und lädt gleichzeitig zum Wandern ein, dazu umherzustreifen und sich im Rauschen des Meeres zu verlieren.

Insofern findet diese Leserin nach etwas über 150 Seiten als Gast „Im Hotel der kleinen Bilder“ ihren inneren Frieden – und dabei hatte ich gar nicht danach gesucht 😉 Christine Pitzke beschreibt in tausend Bildern diesen Ort der Ruhe, den französischen Süden und seine Landschaft. Manchmal geht sie mir dabei etwas zu behutsam vor, lässt sich etwas zu viel Zeit mit der einzelnen Szene, verliert sich darin und verliert darüber das große Ganze, den Handlungs- und Spannungsbogen aus den Augen. „Im Hotel der kleinen Bilder“ scheint mir demnach weniger ein Roman, als eine Meditation darüber zu sein, was es heißt irgendwo zu Gast zu sein und sich von der Hektik des Lebens zurück zu ziehen. Dafür übrigens scheint die Lektüre dieses Romans wie geschaffen zu sein.

Im Hotel der kleinen Bilder – Christine Pitzke – ISBN 978.3.990.27035.6

Für Leserinnen, die/denen…

  • …Atmosphäre wichtiger ist als Handlung.
  • …kauzige Figuren mögen.
  • …schon einmal im Süden Frankreichs waren.

Am besten kombiniert mit…

35431005z414wfO9aTwL._SX307_BO1,204,203,200_Download (53)Download (11)

Advertisements

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s