(Sachbuch) Primates of Park Avenue von Wednesday Martin

Zunächst hielt ich dieses Buch für eine „real-life“ Version von „Der Teufel trägt Prada“. Doch dann stellten sich die Ausführungen der Autorin zum teils kuriosen Verhalten der Upper East Side Mütter als überaus amüsant heraus…

51ICZEpR0oL._SX332_BO1,204,203,200_After marrying a man from the Upper East Side and moving to the neighborhood, Wednesday Martin struggled to fit in. Drawing on her background in anthropology and primatology, she tried looking at her new world through that lens, and suddenly things fell into place. She understood the other mothers’ snobbiness at school drop-off when she compared them to olive baboons. Her obsessional quest for a Hermes Birkin handbag made sense when she realized other females wielded them to establish dominance in their troop. And so she analyzed tribal migration patterns; display rituals; physical adornment, mutilation, and mating practices; extra-pair copulation; and more. Her conclusions are smart, thought-provoking, and hilariously unexpected.

Wednesday Martin und ihr Mann wollen mit ihrer kleinen Familie innerhalb New Yorks umziehen. Mit Rücksicht auf die Schulsituation soll es die Upper East Side sein, doch muss Wednesday Martin bald feststellen, dass es sich hierbei nicht nur um einen anderen Teil New Yorks, sondern um eine ganz andere Welt handelt. Die altbekannten Konventionen des höflichen Umgangs miteinander scheinen unter den ansässigen Erwachsenen außer Kraft gesetzt zu sein. An ihrer statt bestimmen strikte Hierarchien das soziale Miteinander, doch zeichnet sich das Alphaweibchen hier nicht durch körperliche Kraft und vermehrte Aggressivität aus, sondern durch eine exklusive Handtasche. Dies ist die Welt der Primaten der Park Avenue und Autorin Wednesday Martin ist seit ihrem Umzug ein Teil davon, ob sie nun will oder nicht.

Zunächst einmal ist da aber die Suche nach einer Wohnung und dafür gibt es auf der Upper East Side ganz eigene Regeln. Es ist die Ehefrau, die eine Wohnung findet und es ist der Ehemann, der sie schließlich abnickt. Alles sehr traditionell, doch Wednesday Martin nimmt es mit Humor. In ihrer Beschreibung der Wohnungssuche, des Umzugs und der Eingewöhnungszeit in der neuen Umgebung tritt sie einen Schritt zurück, wird zur Beobachterin und doch steckt sie schon zu Anfang viel tiefer in den etwas verkrusteten Hierarchien der Upper East Side drin als sie es in ihrem Buch zuzugeben bereit scheint. Sie selbst ist finanziell von ihrem Mann abhängig und abgesehen von ihrem Buchprojekt Vollzeitmutter und „Play Date“ Organisatorin. In den Augen der aufmerksamen Leserin schmälert das zwar Wednesday Martins Glaubwürdigkeit, tut dem Unterhaltungsfaktor ihrer Ausführungen jedoch keinen Abbruch.

Irgendwann gesteht die Hobbyanthropologin ihren Leserinnen dann, sie wäre „native gegangen“ wie es im Englischen so schon heißt, sie hätte sich also aus der Rolle der Beobachterin gelöst um sich dem Verband der Studienobjekte anzuschließen. Anschließend führt sie ein paar Beispiele auf von historischen Anthropologen, die zum Beispiel den Reizen der eingeborenen Frauen irgendwann nicht mehr widerstehen konnten. Was Wenesday Martin jedoch dazu bewegt sich nicht mehr als Außenstehende zu begreifen, sondern als Teil der von ihr zuvor oft etwas herablassend betrachteten Gruppe zu sein oder zumindest werden zu wollen, ist eine Handtasche. Doch handelt es sich hier nicht um irgendeine Handtasche es ist die „Birkin Bag“ des Designers Hermès, benannt nach Jane Birkin und so teuer wie eine Zweizimmerwohnung in einem schönen Stadtteil.

Dies ist der Punkt an dem Wednesday Martins Beschreibung der Frauen der Upper East Side weitaus nachgiebiger wird als sie es anfangs noch war. Die Autorin scheint sich in den Personenkreis der sie umgibt einzufühlen und ernsthaft daran interessiert zu sein, einen Platz darin zu finden. Als Leserin bin ich darüber geteilter Meinung. Einerseits freue ich mich für die bis dahin sozial isolierte Wednesday Martin, freue mich darüber dass sie sich endlich dort auch Zuhause fühlt, wo sie nun schon seit geraumer Zeit wohnt. Auf der anderen Seite scheint mir dies jedoch eine 180° Drehung in der Erzählstimme der Autorin, wie auch ihrer Einschätzung des sozialen Gefüges auf der Upper East Side, zu sein. In meinen Augen verliert sie dadurch, durch ihre allmähliche nahezu kritiklose Assimilierung an die unangenehm hierarchischen Verhältnisse in ihrem neuen Viertel nämlich, etwas an Glaubwürdigkeit.

Letztlich ist „Primates of Park Avenue“ jedoch trotz allem, bzw. trotz der schleichenden Assimilierung seiner Autorin, ein humorvolles, unterhaltsames und überaus informatives Buch – besonders für Leserinnen, die schon einmal in New York gelebt haben oder, so wie ich, diese berühmt-berüchtigte Stadt immer schon mal sehen wollten. Besonders die ungewöhnliche Herangehensweise Wednesday Martins an ihr Thema hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die Mütter der hiesigen Schulkinder mit wilden Tieren oder einem Stamm aus vorzivilisatorischen Kannibalen, den man so nur aus klassischen Abenteuerromanen kennt, gleich zu setzen brachte mich ein ums andere Mal dazu laut aufzulachen. Da schmerzt es mich letztlich auch nicht, dass Wednesday Martin am Ende all ihre Prinzipien für eine Handtasche geopfert hat – am Ende möchte eben jeder Neuankömmling von den Alteingesessenen akzeptiert werden und es bringt an dieser Stelle nichts sich künstlich aufzuregen und die Autorin dafür zu verurteilen.

Primates of Park Avenue – Wednesday Martin – ISBN 978.1.476.76262.3

Für Leserinnen, die…

  • …anthropologisch interessiert sind.
  • …sich schon einmal außerhalb ihres Elements etablieren mussten.
  • …am liebsten den Underdog anfeuern.

Am besten kombiniert…

51bFW3LHYSL._SX311_BO1,204,203,200_51V+MNO6CHL._SX338_BO1,204,203,200_12433974z5130Ba1EryL._SX350_BO1,204,203,200_

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