(#01/2016) Aller guten Sachbücher sind 3…!

Vor einem Jahr habe ich Sachbücher im Hörformat für mich entdeckt und bin seitdem ein wahrer Wissensjunkie geworden, meine Lieblingsthemen sind Feminismus, Ernährung und (außergewöhnliche) persönliche Erfahrungen. Einen Themenbereich kann ich mit diesem Rezensionstrio schon mal abdecken, und zwar durch „My year of living danishly“.  Abgesehen davon könnte die Auswahl nicht vielfältiger sein, es geht um die skandinavische Lebensart, um das sechste große Artensterben und um Kindererziehung in Theorie und Praxis.

Für Skandinavienfans…

51SCCk7fxAL._SX319_BO1,204,203,200_My year of living danishly von Helen Russell… Denmark is officially the happiest nation on Earth. When Helen Russell is forced to move to rural Jutland, can she discover the secrets of their happiness? Or will the long, dark winters and pickled herring take their toll? A Year of Living Danishly looks at where the Danes get it right, where they get it wrong, and how we might just benefit from living a little more Danishly ourselves.

Als Norddeutsche habe ich schon alleine durch die geografische Nähe zur Grenze einen guten Eindruck von der dänischen Kultur bekommen. In Städten wie Flensburg, Schleswig oder auch Eckernförde und Umkreis gibt es dänische Schulen, eine dänische Bibliothek und da ein Großteil der Einwohner zweisprachig aufgewachsen ist kann man auch im Alltag immer wieder Dänisch hören. Ich bin insofern also kein völlig unbeschriebenes Blatt, wie es die Autorin von „My year of living danishly“ ist. Diese kommt aus Großbritannien und lebt am Anfang des Buchs mit ihrem Mann in London, wo sie beide sowohl psychisch als auch körperlich unter dem enormen Karrieredruck leiden. Dann jedoch ergattert Helen Russels Mann eine Stelle beim dänischen Konzern Lego und kurzerhand zieht das paar ins ländliche Jytland – die Landzunge gleich hinter der deutschen Grenze.

Was ich an diesem Buch so schätze ist nicht nur der britische Humor, mit dem die Autorin ihre Erfahrungen spikt, sondern auch die Unbedarftheit mit der sie sich in die dänische Lebensart hinein fallen lässt. Ob es nun um Inneneinrichtung, Freizeitgestaltung oder Kindererziehung geht, bei den Dänen ist alles sehr homogen und straff durchorganisiert. Mir persönlich wäre das zwar ein Graus, aber Helen Dunmore betont in ihrem Buch vor allem die angenehmen Seiten einer Gesellschaft in der sich die einzelnen Mitglieder zwar nicht sonderlich voneinander unterscheiden, sich aber auch gegenseitig vertrauen können – so sehr dass dänische Mütter ihre Kinderwagen samt Baby vor dem Restaurant oder Café stehen lassen, wenn sie essen gehen. Insgesamt ist „My year of living danishly“ also ist ein ganz besonderer Leckerbissen für jeden Skandinavienfan, randvoll mit Infos zur dänischen Kultur, Bevölkerung und Gesellschaftsstruktur.

Am besten kombiniert mit…

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Für Umweltbewusste…

416bF6-uEkL._SX313_BO1,204,203,200_Das sechste Sterben: Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt von Elizabeth Kolbert… Wir erleben derzeit das sechste sogenannte Massenaussterbeereignis: In einem relativ kurzen Zeitraum verschwinden ungewöhnlich viele Arten. Experten gehen davon aus, dass es das verheerendste sein wird, seit vor etwa 65 Millionen Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlug, mit den bekannten Folgen für die Dinosaurier. Doch dieses Mal kommt die Bedrohung nicht aus dem All, sondern wir tragen die Verantwortung. Wie keine andere Gattung zuvor haben wir Menschen das Leben auf der Erde verändert. Elizabeth Kolbert spricht mit Geologen, die verschwundene Ozeane erforschen, begleitet Botaniker, die der Waldgrenze in den Anden folgen, und begibt sich gemeinsam mit Tierschützern auf die Suche nach den letzten Exemplaren gefährdeter Arten. Sie zeigt, wie ernst die Lage ist, und macht uns zu unmittelbaren Zeugen der dramatischen Ereignisse auf unserem Planeten.

„Das 6. Sterben“ fängt damit an, dass die Autorin ihrer Leserin gehörig Honig um den (Damen)bart schmiert. Der Prolog erzählt nämlich eine kurze Geschichte von der evolutionär erfolgreichsten Säugetierart, dem Menschen. Mit unserem Erfindungsreichtum, unserer Neugier, unserer Bereitschaft zu Kooperation, aber auch mit einer Aggressivität die ihresgleichen sucht, haben wir uns durchgesetzt und jede Spezies mit der wir in unserer Migrationsgeschichte von Afrika nach Europa und weiter nach Asien, von Europa nach Amerika und Australien, in Kontakt gekommen sind, ja wie wir sogar die Natur unterjocht haben. Dieses Joch verwandelte sich mit der Zeit jedoch in ein Damokles Schwert, welches die Herrschaft der Spezies Mensch über diese Erde zunehmend bedroht. In den folgenden Kapiteln vermittelt Elizabeth Kolbert der Leserin über diverse Beispiele einen Eindruck davon, wie es um uns, unseren Lebensraum und die Arten mit den wir ihn (noch) teilen, steht. Ohne hier die Erkenntnisse aus dem Buch vorweg zu nehmen; es sieht alles andere als rosig aus.

Eines muss man der Autorin dabei lassen, sie nimmt ihre Nachforschungen ernst, reist in ferne Länder und an entlegene Orte, spricht mit Wissenschaftlern, Naturforschern und ihren teils ehrenamtlichen Helfern. Insofern kann man die düstere Zukunftsvision, welche in „Das 6. Sterben“ herauf beschworen wird, durchaus ernst nehmen, oft ist Elizabeth Kolbert in ihren Vorhersagen sogar eher konservativ. Trotzdem überfällt mich als Leserin das kalte Grausen, wenn ich hier lese, was noch so alles auf uns Menschen zu kommt, wenn wir es nicht schaffen in Einklang mit unserer Umwelt zu leben. Das alleine schon, macht dieses Buch spannend wie ein Krimi, auch wenn es sich hierbei eigentlich um Wissenschaftsjournalismus handelt. Wer sich, wie ich, nicht gerade brennend für tropische Froscharten oder nordamerikanische Fledermäuse interessiert, dürfte das Buch ab und zu etwas trocken finden. Insgesamt ist „Das 6. Sterben“ thematisch trotzdem ein lesenswertes, und vor allem auch ein überaus wichtiges Buch.

Am besten kombiniert mit…

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Für Familienplaner…

41ixZEKkxsL._SX311_BO1,204,203,200_Himmel und Hölle: Das Dilemma moderner Elternschaft von Jennifer Senior… Die Journalistin und Anthropologin Jennifer Senior beschäftigt sich seit Jahren damit, wie Kinder das Leben ihrer Eltern auf den Kopf stellen. Für den New- York-Times-Bestseller Himmel und Hölle hat sie Familien besucht, Experten interviewt und zahlreiche Studien aus den unterschiedlichsten Bereichen zurate gezogen. Sie geht fundiert der Frage nach, wie sich das Verständnis von Familie im Laufe der Geschichte verändert hat und mit welchen neuen Herausforderungen heutige Eltern konfrontiert sind. Entstanden ist ein aufwühlendes Buch, das das Elternsein schonungslos analysiert und alle Aspekte dieser lebensverändernden Erfahrung ungeschminkt beleuchtet.

Ich habe zwar selbst keine Kinder, weiß aber spätestens seit Pamela Druckermans französischem Erziehungsratgeber, dass ein Buch über Kindererziehung auch für kinderlose Leserinnen überaus unterhaltsam sein kann. Während sich das Buch von Pamela Druckerman (siehe unten) auf das Wie des Erziehungsvorgangs konzentriert, geht Jennifer Senior dem Warum auf den Grund – warum erziehen wir unsere Kinder anders als frühere Generationen, woher kommen all die neuen Erkenntnisse zum Thema Kindererziehung und was taugen Erziehungstrends wie z.B. „Schlaftraining“ oder das „Familienbett“ wirklich?!

Sie tut dies anhand von Fallbeispielen, zum Beispiel einer jungen Mutter, die Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen versucht indem sie von zu Hause arbeitet, was allerdings nicht immer so klappen will, wie sie es sich erhofft hatte. Oder eine asiatisch stämmige Mutter, die jeden Tag zwei Stunden Fahrt auf sich nimmt, damit ihr Spross zum Sport kann. Die Helikopter-Eltern und die Tiger-Mom werden von Jennifer Senior besonders aufs Korn genommen und als Erfindung der heutigen Elterngeneration entlarvt, die hofft alles im Leben ihrer Kinder kontrollieren zu können, und sie so vor jeglichem Übel, Persönlichkeitsstörungen und dem akademischen Hintertreffen beschützen zu können. Hier in Deutschland sind wir noch nicht so weit, doch der Trend geht dahin allzeit für den Nachwuchs zur Verfügung zu stehen – laut Jennifer Senior eine besorgniserregende Entwicklung.

Am besten kombiniert mit…

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