(Neuerscheinung) Politik und Liebe machen von Laura de Weck

Laura de Weck, geboren 1981, ist in Paris, Hamburg und Zürich aufgewachsen. Bis 2005 studierte sie Schauspiel in Zürich. Sie erhielt das Paul-Maar-Stipendium, nahm an den Werkstatttagen des Wiener Burgtheaters teil und wurde ans Frankfurter Autorenforum eingeladen, wo ihr erstes Theaterstück ›Lieblingsmenschen‹ begeistert aufgenommen wurde. Ihr zweites Stück, ›SumSum‹, stand bei den St. Galler Autorentagen im Finale, und ihr drittes Stück ›Für die Nacht‹ wurde 2011 am Theater Basel uraufgeführt. Ebenfalls 2011 hatte Laura de Wecks erste eigene Inszenierung Premiere in der Roten Fabrik in Zürich. (Quelle: diogenes.de)

418sjFkI98L._SX312_BO1,204,203,200_In ihren kurzweiligen szenischen Dialogen durchmischt Laura de Weck Öffentliches mit Intimem: Die Frauenquote wird im Schlafzimmer diskutiert, Bankgeheimnisse werden ausgeplaudert, Volk und Staat müssen zur Paartherapie, und im Kreißsaal wird illegal eingewandert. Gesetzgeber und Google wirken von oben auf unser Privatleben ein. Doch wer liegt in einer Demokratie eigentlich oben und wer unten? Aus Normalem macht die Autorin Ungewöhnliches, aus Banalem höchst Politisches. Ein vielstimmiges Panorama zum aktuellen Leben, Lieben und Politisieren in der Schweiz und Europa. Ein heiter abgründiges Alltagsbuch.

In diesem Buch sammelt die gelernte Schauspielerin Laura de Weck diverse Kolumnen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Da es sich dabei vor allem um die schweizerische Gesellschaft handelt, wird das Buch sicher nicht für jeden Leser interessant sein. Auch ich hatte so meine Schwierigkeiten damit, hatte ich anfangs doch einen völlig falschen Eindruck von diesem Buch. Im Laufe der Lektüre wurde ich dann aber doch damit warm und konnte hier und dort sogar über die humorvolle Art, mit der Laura de Weck gesellschaftliche Belange anspricht und Meinungen dazu parodiert, ein bisschen schmunzeln. Wer sich jedoch so gar nicht für (Europa)politik interessiert und die Schweiz nur vom Hören-Sagen kennt, für den ist „Politik und Liebe machen“ nicht zu empfehlen.

Die einzelnen Kolumnen sind geschrieben wie Theaterstücke, alle zwischen zwei und vier Seiten lang, perfekt als kleines Intermezzo, wenn man als Leserin im Alltag mal wo warten muss und diese Zeit sinnvoll nutzen möchte. Laura de Wecks Figuren sind ganz normale Schweizer, manche sind alt, andere wiederum studieren noch, einige sind zugewandert und müssen sich nun mit den Ressentiments der Bevölkerung herum quälen, während sie am perfekten schweizer Akzent feilen. Ab und zu nimmt Laura de Weck auch auf den Zuzug von deutschen in die Schweiz Bezug und wie kritisch das von vielen Schweizern gesehen wird. Außerdem geht es ihr um Zuwanderungskontingente, die Beziehung zur EU und die Schweiz als Paradies für Steuerhinterzieher, auch innerhalb der eigenen Bevölkerung. Politisch würde ich Laura de Wecks Kolumnen daher als links-liberal einordnen.

Doch sie schreibt nicht nur über Einwanderer und Fremdenfeindlichkeit und das Unwesen der Financiers, sondern auch über Gleichberechtigung, Frauenquoten und Emanzipation, natürlich alles mit einem Augenzwinkern, aber doch auch mit ernstem Unterton. Eine ihrer Kolumnen handelt so beispielsweise von einem Mann, der auf seiner Arbeitsstelle von seiner Chefin sexuell belästigt wird, sich aber nicht traut sich zu beschweren. Die Pointe der Geschichte ist, dass Gleichberechtigung nur dann existiert, wenn Männer auch mal Opfer sein dürfen, auch mal Schwäche zeigen und um Hilfe bitten. Da trifft Laura de Weck mit ihrer Meinung bei mir genau ins Schwarze, und was die Hürden für die Emazipation von Frau (und Mann) angeht, ähneln sich die Schweiz und Deutschland, ja ganz Europa, letztlich doch sehr.

Alles in allem ist „Politik und Liebe machen“ ein humorvolles Buch, voller ernster Themen, die ein politisches Bewusstsein voraussetzen. Die Art auf die Laura de Weck ihre Meinung zu verschiedensten Themen ausdrückt, als fiktive Begegnungen in Dialogform, dürfte nicht jedermanns Sache sein. Doch ich finde gerade diesen Aspekt des Buchs sehr interessant, da sich „Politik und Liebe machen“ so von der Masse aus politischen und gesellschaftlichen Essays abhebt, ohne sich dabei jedoch allzu wichtig zu nehmen. Ein zweites Mal werde ich das Buch wohl nicht lesen, dafür fehlt ihm die Allgemeingültigkeit, aber das eine Mal bereue ich nicht. Denn es war heiter und gab mir als Leserin doch zu denken, darüber wie wir in Europa mit Fremden umgehen, mit Geld und auch miteinander.

Politik und Liebe machen – Laura de Weck – ISBN 978.3.257.30038.3

Für Leserinnen, die…

  • …eine persönliche Beziehung zur Schweiz haben und sich mit der dortigen Politik und Gesellschaft auskennen.
  • …gerne ins Theater gehen, der Dialoge wegen.
  • …nach einer humorvollen, aber nicht zu albernen Zwischendurchlektüre suchen.

Am besten kombiniert mit…

41YU-9T-AZL._SX315_BO1,204,203,200_51ouTNx6uWL._SX332_BO1,204,203,200_51J0qwdXp3L._SX312_BO1,204,203,200_41BB7qlGEZL._SX327_BO1,204,203,200_

Advertisements

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s