(#02/2016) Aller guten Sachbücher sind 3…!

Nach einer fehlgeschlagenen Behandlung hatte sich mein Zustand für einige Woche so verschlimmert, dass ich Schwierigkeiten hatte Sprache zu verstehen, ob nun gesprochen oder geschrieben. Meine zwischenzeitliche Lektüre lag also erst einmal auf Eis, das eigene Zimmer staubte etwas ein. Nach und nach ging es mir besser, dann kam der Brexit und ich las nur noch Zeitung. Jetzt, da sich sowohl die gesundheitlichen als auch die politischen Wogen etwas geglättet haben, möchte ich endlich wieder durchstarten. Und wie könnte ich dies besser tun, als mit einem Kleeblatt aus Sachbuchempfehlungen.

Für (Lebens)hungrige…

41jxSN6F9CL._SX331_BO1,204,203,200_„Kid Rex“ von Laura Moisin… After knowing other friends with anorexia and being baffled by their behavior Moisin suddenly found herself prone to the same disease. She learns how to deceive the therapists her worried family sends her to, so they’ll misdiagnose her and let her continue to be anorexic. When she recognizes that she has a serious problem, though, she finally owns up to a therapist working at her university. Shortly after this devastating therapy visit, the Twin Towers fall in the September 11th attacks, and Moisin watches it happen from her apartment window. Her ensuing depression quickens her already dangerous downward spiral.

In „Kid Rex“ wiederholt sich eine Geschichte der Selbstkasteiung, die ich so oder so ähnlich schon oft gelesen habe. Was Laura Moisin in der Beschreibung ihres Kampfes gegen die Hungersucht anders macht, ist dass sie nicht abblendet, wenn es um ihren steinigen Weg zu einem gesunden Gewicht geht – so wie es viele andere Autobiografien des Genres tun. Wundern tut es mich nicht, schließlich will sich nicht jede junge Frau an jede Einzelheit ihres Krieges gegen sich selbst, bzw. der zähen Friedensverhandlungen erinnern, die öfter zu nichts führen als dass sie von Erfolg gekrönt wären. Ich allerdings werde nicht müde mich in die verfeindeten Parteien einzufühlen, auch wenn es nicht leicht ist zum Mitwisser von so viel selbstverursachtem Leid zu werden.

„Kid Rex“ ist ein interessantes Buch, doch im Vergleich zu anderen Anorexie-Memoiren schwächelt es ein bisschen. Als Leserin hatte ich meine liebe Mühe mit der Autorin, die zumindest anfangs eine mir persönlich sehr unangenehme arrogante Art an den Tag legt. Dennoch zeichnet ihre Erzählung ein realistisches Bild von den Erfolgen und Rückschlägen im Kampf gegen die Magersucht, das ich so noch nirgendwo gelesen habe. Laura Moisin zeigt ihrer Leserin, dass Therapien nicht zwangsläufig zur Genesung führen und dass selbst eine als geheilt geltende Frau wieder in die Krankheit abrutschen kann, bzw. dass es dafür nicht einmal viel braucht. Leider neigt Laura Moisin dazu über Ereignisse, die sie als unwichtig einstuft schnell hinweg zu gehen und das macht ihre Autobiografie etwas unstet, schwankend zwischen Detailreichtum und erzählerischer Oberflächlichkeit.

Am besten kombiniert mit…

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Für Körperbewusste…

61gk6Z7YcEL._SX312_BO1,204,203,200_„Die stille Macht der Mikroben“ von Alanna Collen… Unser Körper besteht nur zu zehn Prozent aus menschlichen Zellen. Die eigentlichen Chefs unserer inneren Steuerungssysteme sind Billionen von Mikroben – Bakterien und Pilze, die einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit haben und sogar unser Denken beeinflussen. Übertriebene Hygienemaßnahmen, ungünstige Ernährungsgewohnheiten und Antibiotika bringen den Mikrobenhaushalt empfindlich aus der Balance. Eine maßgeschneiderte »mikrobenfreundliche« Ernährung könnte chronisch Kranken neue Hoffnung bringen und unser aller Wohlbefinden verbessern.

Darüber wie sehr die verschiedenen Mikroben, die sich auf dem und im menschlichen Körper befinden, meine Gesundheit beeinflussen habe ich mir vor der Lektüre von „Die stille Macht der Mikroben“ nie wirklich Gedanken gemacht. Ehrlich gesagt versuchte ich den Gedanken daran aktiv auszublenden, schließlich ist es keine angenehme Vorstellung, dass es zum Beispiel auf jedem Zentimeter meiner Haut kreucht und fleucht, das ich mehr Habitat als Mensch zu sein scheine. Doch Alanna Collen versichert mir in ihrem Buch, dass diese Kolonisierung meines Körpers durch Mikroben schon so seine Richtigkeit hat, ja sogar dass zu wenige mikroskopische Mitbewohner den Körper ohne adäquaten Schutz gegen Krankheiten, oft autoimmun, und Allergien lassen. Insofern bin ich nach der Lektüre von „Die stille Macht der Mikroben“ nicht nur um einiges klüger und körperbewusster, sondern auch fest entschlossen von nun an für meine eigenen Mikroben ein freundliches Klima herzustellen.

Wer den Gedanken ertragen kann nicht vollkommen im Besitz des eigenen Körpers, ja sogar des eigenen Gehirnes, zu sein, für den hält dieses Buch ein wahres Festmahl aus Informationen bereit. Die Autorin trägt hier allerhand Forschung zusammen, die teils nachdenklich und teils hoffnungsvoll macht – so stellt sie u.a. in Aussicht irgendwann einmal Autoimmunkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose heilen und Behinderungen wie z.B. Autismus lindern zu können. Abgesehen davon ist das Buch auch randvoll mit ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen, die für seine Leserin im Alltag schon jetzt umsetzbar sind, um eine gesunde Verdauung zu fördern, indem sie erwünschte Mikroben im Darm ansiedelt und unerwünschte Populationen klein hält. Dahingehend hat sich Alanna Collen vor allem auf den inflationären Gebrauch von Antibiotika eingeschossen, der die Vielfalt im menschlichen Darm wie nichts sonst zerstört. Insgesamt ist „Die stille Macht der Mikroben“ Pflichtlektüre für jede, die den eigenen Körper kennen und pflegen lernen möchte; es ist dabei sowohl informativ als auch eingängig.

Am besten kombiniert mit…

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Für Nimmersatte…

41Fc2R7hWhL._SX328_BO1,204,203,200_„Swallow This – Serving Up the Food Industry’s Secrets“ von Joanna Blythman… Even with 25 years experience as a journalist and investigator of the food chain, Joanna Blythman still felt she had unanswered questions about the food we consume every day. How ’natural‘ is the process for making a ’natural‘ flavouring? What, exactly, is modified starch, and why is it an ingredient in so many foods? What is done to pitta bread to make it stay ‚fresh‘ for six months?  Determined to get to the bottom of the impact the industry has on our food, Joanna Blythman has gained unprecedented access to factories, suppliers and industry insiders, to give an utterly eye-opening account of what we’re really swallowing.

Zwar bezieht sich Journalistin Joanna Blythman in „Swallow This“ vor allem auf die britische Lebensmittelindustrie, doch in Zeiten der Globalisierung kann man als Leserin getrost davon ausgehen, dass die hochprofitablen, gleichsam aber äußerst unappetitlichen Herstellungsmethoden längst nach Deutschland exportiert sind. Insofern geht „Swallow This“ auch deutsche Leserinnen etwas an, vor allem wenn diese daran interessiert sind, was heutzutage alles so in Fertiggerichten steckt, warum Obst und Gemüse nicht mehr schimmlig, sondern nur noch schrumpelig werden und was das alles im schlimmsten Fall mit des Endverbrauchers Gesundheit anstellt. Ich persönlich war mehr als schockiert, dachte ich doch ich würde mich bewusst und somit auch gesund ernähren – weit gefehlt, denn Joanna Blythmans Buch hat mich über mein Essen aufgeklärt.

Joanna Blythman schleicht sich in Lebensmittelfrabriken und auf die Messen der Chemiebranche, die längst schon mit der Lebensmittelbranche fusioniert zu haben scheint. Ich lese derweil ihren Bericht und mich packt das kalte Grausen, wenn ich von Schutzatmosphäre in der Fleischtheke höre, von bedampftem Obst und chemischen Zusätzen selbst im, von mir früher so verehrten, griechischen Joghurt. Das und mehr gelangt dann in meinen Körper, macht mich schleichend krank, wird mir aber als Verbesserung verkauft. Joanna Blythman wischt mir die Schuppen von den Augen, berichtet von angeblichen Industriegeheimnissen, die als Deckmantel für Giftstoffe in der Nahrung fungieren, davon wie Hersteller fragwürdige Zusatzstoffe vom Etikett mogeln. Die Enthüllungen in „Swallow This“ werden interessierten Leserinnen im Halse stecken bleiben, sind es aber wert gehört zu werden.

Am besten kombiniert mit…

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