(Neuerscheinung) Die Kunst Champagner zu trinken von Amélie Nothomb

Amélie Nothomb, 1967 in Kobe, Japan, geboren, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. Seit ihrer Jugend schreibt sie wie besessen. In Frankreich stürmt sie mit jedem neuen Buch die Bestsellerlisten und erreicht Millionenauflagen. Für ›Mit Staunen und Zittern‹ erhielt sie den Grand Prix de l’Académie française. Amélie Nothomb lebt in Paris und Brüssel. (Quelle: diogenes.de)

411SvHucaqL._SX314_BO1,204,203,200_Amélie Nothomb liebt Champagner, trinkt aber nicht gern allein. Deshalb sucht sie nach Gleichgesinnten, die den Rausch ebenso kultivieren wie sie. Bei einer Lesung lernt sie Pétronille kennen, eine Frau, die aussieht wie ein fünfzehnjähriger Junge, Amélies Bücher kennt und bald schon selbst einen Roman veröffentlicht. Amélie merkt sofort: Mit Pétronille ist nicht nur gut Kirschen essen, sondern auch Champagner trinken. Fortan finden die beiden stets gute Vorwände, ihrem kleinen Laster zu frönen. Doch plötzlich kommt Katerstimmung auf.

Ihrer neusten deutschen Veröffentlichung spielt Amélie Nothomb wie so oft Katz und Maus mit der Gutgläubigkeit ihrer Leserin – in diesem Falle ich – reißt sie in einen betörenden Strudel in dem sich Fiktion und Realität vermischen bis man das eine nicht mehr vom anderen unterscheiden kann. Ich persönlich ging der Autorin auf den Leim und nahm diese Erzählung für bare Münze, selbst als sie nach und nach immer bizarrer wurde. Bis zum bitteren Ende hielt ich an dieser Illusion fest, und dass trotz vergeblichen Googlens der Schriftstellerfreundin, die laut Amélie Nothomb mit ihren gewagten Romanen schon in jungen Jahren in Frankreichs Literaturszene für Furore sorgte. Am Ende kam ich mir verständlicherweise etwas dumm vor, trage dies jedoch weder dem Roman, noch seiner hinterlistigen Autorin nach.

Die Autorin nennt ihre Hauptfigur nach sich selbst, gibt ihr den gleichen Beruf und Sinn für Extravaganz, im Leben wie in der Mode. Wer weiß, vielleicht teilen sie sich ja sogar die Liebe zum Champagner. Die fiktive Amélie Nothomb ist ihm jedenfalls verfallen, so sehr sogar, dass sie den ganzen Tag fastet, nur um sich abends an ihm göttlich zu tun und dabei hoffnungslos zu betrinken. In solchen Momenten findet die Leserin an ihrer Seite die um einiges jüngere aber nicht weniger frivole Pétronille vor. Aus einer leidenschaftlich sozialistischen Familie stammend ist sie Vergleich zur Erzählerin etwas raubeinig, aber zusammen haben die beiden trotzdem reichlich und vor allem feuchtfröhlichen Spaß.

Paris und London, zwei europäische Hauptstädte wie sie von der Atmosphäre her nicht unterschiedlicher sein könnten, dienen als Schauplatz für „Die Kunst Champagner zu trinken“. In Paris trifft die Leserin auf die (literarische) Elite Frankreichs und darf dabei zusehen, wie Pétronille diese anpöbelt. In London wiederum schickt eine kurzangebundene, ja fast schon herablassende Vivienne Westwood Hauptfigur Amélie zum Gassigehen mit einem kleinen Hund, den sie um einiges besser behandelt als die Menschen mit denen sie sich umgibt. Amélie erklärt ihren Kurzausflug schon zum Fiasko, doch dann taucht Pétronille aus heiterem Himmel auf und zusammen machen die beiden Freundinnen die Stadt unsicher, stellen das Hotelzimmer auf den Kopf und machen wie schon in Paris die Londoner Nacht zum Tag.

Insgesamt ging die Lektüre von „Die Kunst Champagner zu trinken“ wie die der meisten Bücher von Amélie Nothomb viel zu schnell vorbei und ließ mich zugegebenermaßen etwas verwirrt zurück. So ganz weiß ich immer noch nicht, was hier autobiografisch ist und was frei erfunden, das Ende alleine kann ich ohne Zweifel als Fiktion identifizieren – doch will ich es an dieser Stelle nicht vorweg nehmen. Mein Vertrauen in die Echtheit von Amélie Nothombs autobiografischen Aufzeichnungen, inklusive derer aus ihrer Zeit in Japan, ist mit der Lektüre von „Die Kunst Champagner zu trinken“ jedoch für immer verloren gegangen. Das ist aber nicht weiter schlimm, schließlich kann ich nun umso mehr die ungebremste (autobiografische) Kreativität der Autorin vollkommen unvoreingenommen genießen.

Die Kunst Champagner zu trinken – Amélie Nothomb – ISBN 978.3.257.06961.7

Für Leserinnen, die…

  • …die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen.
  • …einen guten Champagner zu schätzen wissen.
  • …nur mit der besten Freundin so richtig Spaß haben.

Am besten kombiniert mit…

51++x8PVtmL._SX317_BO1,204,203,200_41Aa+0JigOL._SX315_BO1,204,203,200_41qjuSdiwKL._SX314_BO1,204,203,200_9783462047196

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