(Neuerscheinung) Die Unglückseligen von Thea Dorn

Thea Dorn, geboren 1970, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt, Wien und Berlin und arbeitete als Dozentin und Dramaturgin. Sie schrieb eine Reihe preisgekrönter Romane und Bestseller, Theaterstücke, Drehbücher und Essays. Sie moderierte die Sendung „Literatur im Foyer“ im SWR-Fernsehen und kuratierte unter dem Motto „Hinaus ins Ungewisse!“ das „forum:autoren“ beim Literaturfest München 2012. Thea Dorn lebt in Berlin.

51+2HuZd7kL._SX312_BO1,204,203,200_Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben – nach Deutschland.

Vor genau zehn Jahren lernte ich Thea Dorn kennen, natürlich nicht persönlich sondern durch ihre Romane, wobei es sicher keine persönlichere Art gibt einen Schriftsteller kennen zu lernen. Ich las damals den neu erschienenen „Mädchenmörder“ und war vom Inhalt des Buchs nicht halb so begeistert, wie vom Klappentext und der Marketingkampagne die für das Buch veranstaltet wurde. Ähnlich ging es mir nun mit dem neusten Werk der Autorin „Die Unglückseligen“. Erwartungsfroh ging ich in die Lektüre und war gespannt, wie Thea Dorn den Faust in die Gegenwart transportieren würde. Doch dann war es der leidgeprüfte Werther, welcher mich zwischen den Seiten begrüßte, nur dass ich mir gegen Ende der Lektüre am liebsten eine Kugel in den Kopf gejagt hätte.

Das klingt jetzt zugegebenermaßen etwas harsch, aber was soll ich hier auch das Märchen vom guten Buch erzählen, wenn ich „Die Unglückseligen“ doch persönlich ganz anders erlebt habe. Zugegebenermaßen ging ich mit hohen Erwartungen in die Lektüre und das ist bei mir leider allzu oft ein Vorbote der Enttäuschung. Doch liegt es nicht nur an meiner eigenen Vorstellungskraft, die sich basierend auf dem Klappentext etwas zu freizügig entfaltet hat. „Die Unglückseligen“ zu lesen macht einfach keinen Spaß. Der Roman wird aus drei Perspektiven erzählt, zum einen ist da eine Stimme aus dem Off, die wohl den Mephistopheles symbolisieren soll, mich beim Lesen aber nur immer wieder herausgebracht und mit der Zeit sogar richtig genervt hat.

Dann sind da noch Johann und Johanna, ein paar so ungleich es könnte einem Kuriositätenkabinett entsprungen sein. Von ihnen kriegt der Leser ebenfalls eine Geschichte erzählt, bzw. wird Johanna von Thea Dorn über die Schulter geguckt. Der eine Part ist dabei modern geschrieben und der andere in einer älteren Version des Deutschen, die in einem so frisch gedruckten Buch aufgesetzt und einfach nur fehl am Platze wirkt. Wer den Klappentext kennt, der darf an dieser Stelle drei mal raten, welche Erzählstimme zu welcher Figur gehören. Ich persönlich fing spätestens nach den ersten hundert Seiten an zu Seufzen, sobald Johann das antiquierte Wort ergriff. Diese Passagen, die schätzungsweise leider überwiegen, hätte ich ehrlich gesagt am liebsten überlesen.

Das ist es letztlich auch, was dieses Buch in meinem Meinungsspektrum von „ganz in Ordnung“ zu „warum hab ich das nur gelesen“ katapultiert hat. Thea Dorn hat sich ein spannendes Thema ausgesucht, leider ist sie selbst aber keine Spannungsschriftstellerin. Sie schafft es mit ihrer verkopften Art diese Geschichte zu erzählen leider nicht deren Unterhaltungspotenzial umzusetzen. So ist dieser Roman weder besonders anspruchsvoll noch besonders interessant – was es mir anfangs schwer machte meinen Eindruck davon in Worte zu fassen. Letztlich habe ich es dann doch geschafft meine Gedanken so weit zu ordnen, dass ich hier von der Lektüre dieses Romans abraten kann – oder zumindest eine Leseprobe anraten kann.

Insgesamt ist „Die Unglückseligen“ nämlich viel zu umfangreich und die Lektüre artet irgendwann in Schwerstarbeit aus. Zäh fließt die Handlung dahin und stockt jedes Mal, wenn sich diese Leserin durch Johanns anachronistische Schilderungen des Geschehens kämpfen muss. Indem sie deutsche Klassik mit moderner Wissenschaft kombiniert versucht Thea Dorn den Salto, der für mich allerdings in einer kläglichen, ja fast schon schmerzhaften, Bauchlandung endet. Besser wäre es gewesen, hätte sie sich auf die Geschichte konzentriert, denn diese hat Potenzial, und hätte all die literaturhistorischen Sperenzchen weg gelassen, besser für den Roman und im zweiten Schritt auch besser für dessen Leser, zu denen ich auch gehöre. Ein drittes Mal jedoch kommen ich und Frau Dorn nicht zusammen, nicht zwischen den Seiten jedenfalls.

Die Unglückseligen – Thea Dorn – ISBN 978.3.813.50598.6

Für Leserinnen, die…

  • …dem Tod von der Schippe springen wollen.
  • …vor antiquierter Sprache nicht zurück schrecken.
  • …davon überzeugt sind, dass auch die Wissenschaft ihre Grenzen hat.

Am besten kombiniert mit…

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5 Kommentare zu „(Neuerscheinung) Die Unglückseligen von Thea Dorn“

  1. Puh, das erste Mal, dass ich zu diesem Buch eine negative Kritik lese. Danke für diese andere Sicht auf das Buch! Ich habe in den vergangenen Monaten oft damit gehadert, ob ich das Buch lesen soll, konnte mich aber nie überwinden, da ich nach all den Lobgesängen eine Enttäuschung erwartete. Deine Besprechung hat meine Vorstellung vom Roman nun ein wenig gerade gerückt und ich werde mich dem Buch wohl erst in ferner Zukunft widmen, wenn die Lobeshymnen vergessen sind und ich ohne sonderliche Erwartungen an die Lektüre gehen kann.

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      1. Ach ja, die berühmten Leseproben. Das Merkwürdige bei mir ist ja, dass ich Bücher im Laden immer anlese, aber online schau ich nie in Leseproben rein. Aber du hast Recht: Es ist der beste Weg, um eine Fehlentscheidung zu vermeiden.

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