(#03/2016) Aller guten Sachbücher sind 3…!

Die Sachbücher, aus denen dieses Trio besteht, könnten nicht unterschiedlicher sein. Eines ernst, ein anderes wiederum eher frivol, das mittlere ungeschönt autobiografisch – insofern ist dieses Mal für jeden Lesegeschmack etwas dabei, ob es nun um Religion und Politik, um Sex und Scham oder um die größtenteils rosarot eingefärbten Erinnerungen eines früheren Kinderstars geht.

Für Religionsskeptiker…

516++rnp1HL._SX330_BO1,204,203,200_„Kingdom Coming – The Rise of Christian Nationalism“ von Michelle Goldberg… In „Kingdom Coming“, Goldberg demonstrates how an increasingly bellicose fundamentalism is gaining traction throughout our national life, taking us on a tour of the parallel right-wing evangelical culture that is buoyed by Republican political patronage. Deep within the red zones of a divided America, we meet military retirees pledging to seize the nation in Christ’s name, perfidious congressmen courting the confidence of neo-confederates and proponents of theocracy, and leaders of federally funded programs offering Jesus as the solution to the country’s social problems.

Hätte ich dieses Buch kurz nach seinem Erscheinen gelesen, dann hätte ich ganz schön Angst gekriegt vor der christlichen Rechten und ihrem Einfluss in der amerikanischen Politik. Mit etwas Abstand lässt sich feststellen, dass es zum Glück nicht ganz so schlimm gekommen ist, wie Michelle Goldberg es in ihrem Buch vorzeichnet. Dieses ist kontrovers, besonders wenn man selbst religiös empfindet aber gleichzeitig brillant recherchiert. Denn es geht der Autorin nicht vorrangig um die Kritik an der Religion, auch wenn sie sich selbst als Atheistin bezeichnet. Vielmehr zeigt sie eine Entwicklung im US-amerikanischen System auf, die mir Sorgenfalten auf die Stirn zeichnet. Diese Entwicklung geht laut der Autorin gegen alles, was sich die Urväter des Landes einmal auf die Fahnen geschrieben haben.

Als Europäerin kann ich oft nur mit dem Kopf schütteln, wenn es beispielsweise darum geht, dass immer mehr amerikanische Schuldistrikte den Biologieunterricht zum Religionsunterricht machen und so eine Generation von Schülern heranziehen, die wissenschaftlich völlig ungebildet ist, alles im Namen der Religion. Die Autorin selbst macht keinen Hehl daraus, dass sie für Elternbeiräte, die Kreationismus als Schulfach durchsetzen wollen und Politikern, die sogar Fehlgeburten mit Gefängnisstrafen ahnden wollen, nicht viel übrig hat. Doch eines tut sie dabei nie und das ist diese Art von hyper-religiösen Menschen, mögen sie auch noch so fanatisch sein, zu unterschätzen. Alles in allem ein beeindruckendes Sachbuch, das auch wenn es nicht mehr brandaktuell ist, definitiv eine aufmerksame Lektüre wert ist.

Am besten kombiniert mit...

51+Ev+zYrwL._SX329_BO1,204,203,200_51GJv0iTU2L._SX330_BO1,204,203,200_411cttdw5gl-_sx332_bo1204203200_51q8g2cpql-_sx322_bo1204203200_

Für Frühreife…

51g2bjA8g0L._SX354_BO1,204,203,200_„Mit 11 wurde mein Körper zur Ware“ von Kerry Cohen… Sie ist elf, als sie lernt, wie Männer auf sie reagieren. Wie Männer auf Mädchen reagieren. Und der Wunsch wahrgenommen zu werden, lässt sie einen Weg einschlagen, von dem sie selbst weiß, dass er sie in den Abgrund führen wird. Was Liebe ist, weiß sie nicht, sie ist noch viel zu jung. Und so denkt sie, Sex zu haben ist das Gleiche. Es wird die Sucht, die sie treibt. Nicht nur die Sucht nach Sex, es ist die Sucht nach Geborgenheit und nach Nähe.

Der deutsche Titel dieses Buchs ist sehr polemisch gewählt und klingt meiner Meinung nach eher nach Prostitution als nach einem frühreifen Mädchen, das sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt und diese in flüchtigen Jungsbekanntschaften zu finden glaubt, oder zumindest versucht. Kerry Cohens Weg vom Mädchen zur Frau ist sicher etwas holperiger als ihre Eltern es für sie gehofft hatten. Doch ist sie die Triebfeder hinter ihrer eigenen Ausnutzung durch unzählige junge Männer. Wieder und wieder verwechselt sie Begehren mit Liebe und stürzt sich Hals über Kopf in erotische Abenteuer, die oft nur eine Nacht halten. Jedem das seine könnte man sagen, doch Amerika hat dem sexuellen Erwachen pubertierender Mädchen den Krieg erklärt.

So ist Kerry Cohens Scham über ihre Lust groß genug, um ein ganzes Buch darüber zu rechtfertigen. Viele Begegnungen verlaufen wenig emazipiert, und Kerry Cohen gibt dies ehrlich zu. Denn es sind nicht nur Hormone, die sie freizügig machen, sondern auch eine nicht zu stillende Gefallenssucht. Insofern schwankt sie mit ihrem Verhalten zwischen Normalität und Pathologie hin und her, wirkt dabei fast bipolar – manchmal frei und dann wieder vollkommen abhängig von den Jungs in ihrem Umfeld und deren Blicke, die sie auf sich spüren möchte, scheinbar um jeden Preis. Was dieses Buch lesenswert macht, ist die Ehrlichkeit seiner Autorin, wenn es darum geht sich selbst und die eigene Gefühlswelt zu betrachten. Manchmal allerdings geht sie zu hart mit sich um, jeder Mensch hat das Anrecht auf lustvolles Empfinden und Begehren, auch Frauen.

Am besten kombiniert mit…

41ydnyk7itl-_sx321_bo1204203200_313lHgEb6CL._SX333_BO1,204,203,200_51dedey9d7l-_sx322_bo1204203200_51-2I7rMmnL._SX312_BO1,204,203,200_

Für Cineasten…

41QzX2+kqyL._SX319_BO1,204,203,200_„Wildflower: Geschichten aus meinem Leben“ von Drew Barrymore… ist ein Porträt von Drews Leben in einzelnen Geschichten, in denen sie zurückblickt auf ein bewegtes Leben voller Abenteuer, Herausforderungen und unglaublicher Erfahrungen. Weshalb das Wäschewaschen ihr, als sie mit 14 Jahren alleine lebte, möglicherweise das Leben rettete, wie sie ganz persönlich Abschied von ihrem Vater nahm, der diese Rolle niemals erfüllte, weshalb sie mit Cameron Diaz auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick Fallschirmspringen ging.

Drew Barrymores Erinnerungen an ihr bewegtes Leben als Kinderstar in Hollywood, inklusive dem Bruch mit der Mutter als 14-Jährige, früher Alkohol- und Drogenmissbrauch, und der schwere Übergang vom „Mädchen aus E.T.“ zur angesehenen Hollywood-Schauspielerin, klingen nicht gerade nach gute Laune Buch. Doch genau das ist „Wildflower“; ein Buch für laue Sommerabende, ein Buch das man der Mitbewohnerin empfiehlt, auch wenn oder vielleicht gerade weil diese nicht so gerne liest, ein Buch, das man auch im Zug oder im Wartezimmer beim Arzt lesen kann. „Wildflower“ ist die Margarine unter den Hollywood-Autobiografien, leicht und gut verdaulich, aber genau dadurch auch ein bisschen fade. Ich persönlich hatte mir etwas geschmacksintensiveres gewünscht, wurde von Autorin Drew Barrymore allerdings enttäuscht.

Insgesamt ist „Wildflower“ also nichts besonderes und man ist nach der Lektüre ungefähr so klug wie davor. Denn Drew Barrymore hält sich in ihren autobiografischen Anekdoten bedeckt; schreibt lieber davon, wie sie als Teenager zum ersten Mal eine Waschmaschine benutzte, über die Vegetation im Garten ihres Kindheitshauses oder darüber wie sie ihrem frisch Angetrauten morgens Waffeln macht, als die Leserin ernsthaft an sich heran zu lassen. Manchmal sind diese Anekdoten ganz lustig, und wenn sie zum Beispiel davon berichtet wie es war diesen oder jenen Film zu drehen, den man vielleicht auch schon selbst gesehen hat, wird es sogar etwas interessant. Das alleine macht „Wildflower“ jedoch nicht lesenswert, nicht einmal für Fans dieser Schauspielerin. Denn so wie sich das Buch liest, hätte es auch jedes x-beliebige Hollywood-Sternchen, oder deren Ghostwriter, schreiben können.

Am besten kombiniert mit…

41sDffmOkXL._SX309_BO1,204,203,200_51wu55a3QDL._SX329_BO1,204,203,200_51zXP6Lo6zL._SX335_BO1,204,203,200_51uUwTCUrVL._SX324_BO1,204,203,200_

Advertisements

Ich kann leider keine Gedanken lesen, also freue ich mich über Deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s