(#03/2016) Aller guten Bücher sind 3…!

Beim heutigen Trio dreht sich alles um die Familie; eine Familie für die man quer durch Europa reist und sein Leben riskiert, eine Familie, über die man auf seinem Weg in die weiten Amerikas stolpert, eine Familie, die einen immer wieder zurück an die Orte der Kindheit zieht, mit Erinnerungen und Bitten, so sehr man auch versucht auszubrechen und sich in den Straßen Berlins zu behaupten. Nicht alle dieser Familiengeschichten habe ich als literarische Glücksgriffe empfunden, letztlich liegt ihr eigentlicher Wert aber im Auge einer jeden, individuellen Leserin.

Für Familienmenschen…

51d4Mivd2lL._SX313_BO1,204,203,200_Das Limonenhaus von Stefanie Gerstenberger… Nach dem Tod ihres Bruders und seiner Frau will Lella deren Tochter Matilde zu sich nach Köln holen. Doch der sizilianische Clan ihrer Schwägerin verweigert ihr das Mädchen, denn eine alte Fehde steht zwischen den beiden Familien. Verzweifelt versucht Lella, die Hintergründe dieses Streits aufzudecken, immer in der Hoffnung, ihren Anspruch auf Matilde doch noch durchsetzen zu können. Im Limonenhaus, dem Haus ihrer Mutter, findet sie in einer alten Familienbibel einige lose Tagebuchseiten. Sie ahnt zunächst nicht, dass diese der Schlüssel sind zu jenem Ereignis, das seine dunklen Schatten bis in die Gegenwart wirft.

Lange schon hockte dieser Roman in meinem Bücherregal und wartete auf den richtigen Moment, selten beachtet doch nie vollkommen vergessen. Nach meiner Lektüre stellt sich nun heraus, dass es diesen richtigen Moment mit mir als Leserin und dem Limonenhaus nie geben wird. Denn die Lektüre des Romans gefiel mir nicht halb so gut, wie die Idee ihn zu lesen, all die Jahre zuvor. Eigentlich ist die Geschichte ganz süß, ab und zu sogar ein bisschen spannend, und hat alle Zutaten für einen guten Schmöker – Familie, Liebe und ein exotischer Schauplatz – doch wenn so wie hier alles zusammen serviert wird, dann schmeckt es mir irgendwie nicht. Die Handlung wirkt an den Haaren herbei gezogen, die Figuren allesamt vollkommen blutleer und die Liebesgeschichte wirkt auf mich einfach nur kitschig und albern.

Insofern ist nicht alles, was Weile hat, auch gleich ein gutes Ding – zumindest nicht in Kombination mit mir als Leserin. Meiner Mutter hat das Buch gefallen, meiner Tante auch – vielleicht liegt es ja an mir und meine Ansprüchen, daran dass ich eine klischeehafte Figur mit halbgaren Motivationen von einer solchen unterscheiden kann, der echtes Blut durch die papiernen Adern fließt; oder ich mag es einfach nicht, wenn es allzu rosig endet. Doch möchte ich an dieser Stelle nichts vorweg nehmen. Im Nachhinein hielt die Lektüre von „Das Limonenhaus“ nichts besonderes für mich bereit, war ein Wohlfühlmoment im grauen, ruppigen Alltag einer chronisch Kranken, die von sich glaubte ein bisschen Kitsch mache alles besser. Doch reicht es eben nicht aus, dass sich auf dem Papier alles zum Guten wendet – ein bisschen literarischer Anspruch muss einfach sein.

Am besten kombiniert mit…

51f5rpnA3sL._SX320_BO1,204,203,200_41bzG63CKHL._SX313_BO1,204,203,200_51gEcSOotgL._SX312_BO1,204,203,200_519t8qwrt-L._SX303_BO1,204,203,200_

Für Adoptivmütter…

51MYTC8674L._SX297_BO1,204,203,200_„Das Bohnenbaumglück“ von Barbara Kingsolver:The Bean Trees is the tale of rural Kentucky native Taylor Greer, who only wants to get away from her roots and avoid getting pregnant. She succeeds, but inherits a 3-year-old native-American little girl named Turtle along the way, and together, from Oklahoma to Tucson, Arizona, half-Cherokee Taylor and her charge search for a new life in the West. Taylor, out of money and seemingly out of options, settles in dusty Tucson and begins working at Jesus Is Lord Used Tires while trying to make a life for herself and Turtle.

Man merkt diesem Roman an, dass er Barbara Kingsolvers Debüt ist. Er hat im Grunde alles, was man auch in ihren weiteren Romanen findet – (romantisierte) Südstaatenatmosphäre, die Probleme der unteren Mittelklasse Amerikas, eine starke Frauenfigur, die kein Blatt vor den Mund nimmt – doch sind all diese Aspekte in „Das Bohnenbaumglück“ noch etwas unausgegoren. Die Autorin probiert sich aus, lernt ihr Handwerk vor Publikum – in diesem Fall ich. Das heißt natürlich nicht, dass dieses Buch nicht lesenswert ist, aber ein typischer Kingsolver ist es irgendwie (noch) nicht. Trotzdem wäre es ein Fehler anzunehmen „Das Bonenbaumglück“ eigne sich nicht zum Schmöker, nur weil es kürzer ist als Kingsolvers andere Romane.

Ich persönlich habe diesen Roman sehr genossen, mich mit den Figuren angefreundet und die kleine Adoptivtochter der Erzählerin ins Herz geschlossen. Und da stört es mich auch nicht so sehr, dass Kingsolvers Figuren, wie so oft, etwas klischeehaft sind und ihren Geschichten das Gewisse etwas fehlt, dass sie mit einem gewissen Tropfen Lebensblut füllt. Denn trotz einiger stilistischer Unzulänglichkeiten taucht man schon früh von Kopf bis Fuß in die Welt der Erzählerin ein und möchte diese am liebsten nie wieder verlassen; und dass obwohl es dort oft harscher zugeht als im Lesezimmer der geneigten Leserin. Was auch immer es ist – die Figuren, der Schauplatz – Barbara Kingsolvers Romane haben Charme, das gewisse Etwas, das ihr die Leserin von der ersten Seite an mit Haupt und Herz ausliefert, mich ebenso.

Am besten kombiniert mit…

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Für Heimatsuchende…

51xq4VAxw7L._SX305_BO1,204,203,200_Ich bin ein Rudel Wölfe von Julia Blesken… Sie macht sich auf in die Stadt, nach Berlin, aber sie ist nicht allein, sie hat ihre Kindheit bei sich, im Kopf, in den Erinnerungen, im flatternden Herzen. Es ist das Dorf, das sie nicht vergessen wird, niemals, die Straße, auf der sie mit der Mutter gehen musste, der Teich, an dem sie mit dem Vater saß, das Haus. Und es ist der Bruder, der engste Vertraute und Komplize ihrer frühen Jahre, mit dem sie den Sinn für Licht, Grün und Wolken teilte und mit dem sie einen Pakt geschlossen und den sie doch zurückgelassen hat.

Die Geschichte von Hauptfigur Re, ihrem Bruder Marc und ihrer Familie, der depressiven Mutter und des lustlosen, nach der Wende größtenteils arbeitslosen Vaters, erzählt Autorin Julia Blesken vor allem zwischen den Zeilen. Gleich zu Anfang bricht Re aus, warum sie das für nötig hält bleibt ebenso ungesagt wie der Rest ihres Namens. Etwas verstört lässt sie sich durch Berlin treiben und als Leserin frage ich mich, warum diese junge Frau einfach nichts gebacken kriegt, obwohl ihr seit dem Mauerfall doch die Welt offen steht. Dann jedoch wird sie von ihrem Bruder zurück ins Heimatdorf beordert und allmählich wird mir als Leserin klar, dass etwas faul ist, in dieser Familie. Zwischen Re und Marc stimmt etwas nicht, doch sind sie nur das Spiegelbild der kaputten Beziehung ihrer Eltern. Stück für Stück enthüllt die Autorin Res Geschichte, wird aber nie deutlich genug, um meine Fragen zu beantworten.

Stilistisch ist das Buch etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Autorin springt zwischen zwei Perspektiven hin und her. Die Gegenwart beschreibt sie in der dritten Person und die Vergangenheit wird von Re selbst erzählt. Anfangs schwirrte mir ein bisschen der Kopf, denn der ständige Wechsel macht es einem schwer sich in der Geschichte zurecht zu finden. Sobald ich mich daran gewöhnt hatte wurde es mir jedoch zur zweiten Natur hin und her zu springen, auch wenn ein kleines Fitzelchen Restverwirrung zurück blieb. Insgesamt ist „Ich bin ein Rudel Wölfe“ also vor allem etwas für Leserinnen, die sich die Geschichte eines Romans erarbeiten wollen. Denn Julia Blesken schenkt ihrer Leserin nichts und lässt sie – in diesem Fall mich – mit einem Gefühl zurück nicht wirklich zu wissen, was man über die Figuren und die Handlung zu wissen glaubt.

Am besten kombiniert mit…

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