(Feminismen) Alle Menschen sind gleich, aber manche sind nach wie vor gleicher als andere…

Wie genau ich auf dieses Buch gekommen bin, weiß ich mittlerweile gar nicht mehr so unbedingt. Was ich noch weiß, ist dass es eines Tages unter meinen amazon- Empfehlungen auftauchte und interessant klang. Mehr Gründe brauchte ich ehrlich gesagt nicht, um schon bald beherzt zum Buch zu greifen…

51myybd1c1l-_sx316_bo1204203200_In The Equality Illusion Kat Banyard argues passionately and articulately that feminism continues to be one of the most urgent and relevant social justice campaigns today. Women have made huge strides in equality over the last century. And yet: Women working full-time in the UK are paid on average 17 per cent less an hour than men 1 in 3 women worldwide has been beaten, coerced into sex, or otherwise abused because of her gender Of parliamentary seats across the globe only 15 per cent are held by women and fewer than 20 per cent of UK MPs are women 96 per cent of executive directors of the UK’s top hundred companies are men Structuring the book around a normal day, Banyard sets out the major issues for twenty-first century feminism, from work and education to sex, relationships and having children.

Auch wenn sich dieses Buch vor allem an Leserinnen aus Großbritannien richtet, kann man auch als Deutsche einiges an Weisheiten daraus mitnehmen. Denn auch wenn die Statistiken nicht übereinstimmen, haben die Britinnen doch auf ganzer Linie die gleichen Probleme wie deutsche Frauen; sie sind unterrepräsentiert in der Politik und in Führungspositionen, sie werden unverhältnismäßig oft Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt, sie verdienen nicht ansatzweise so viel wie ihre männlichen Kollegen, sie verrichten trotz Vollzeitjob den Hauptteil von Kindererziehung und Haushaltsarbeit – gleichzeitig glauben aber auch viele von ihnen, dass der Feminismus alles erreicht hat, was er erreichen kann und mittlerweile überflüssig ist. Mir persönlich kommen diese Ungleichheiten und Ansichten überaus bekannt vor, und das eben nicht nur aus meiner Zeit in Großbritannien.

Was Kat Banyard zunächst einmal mit ihren Buch „The Equality Illusion“ bezweckt ist, Schluss zu machen mit der Augenwischerei, die junge Frauen glauben macht, wir wären schon seit Jahrzehnten gleichgestellt und es gäbe nichts mehr für das wir kämpfen könnten oder sollten. Dies tut sie indem sie einen typischen weiblichen Tag beschreibt, inklusive all der Ungerechtigkeiten, die einer Frau aber niemals, oder nur äußerst selten, einem Mann, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen, passieren. Es geht um Lohnungleichheit, die „zweite Schicht“ mit Küche und Kindern, häusliche Gewalt und den Beauty Terror, der manche Frauen nur geschminkt das Haus verlassen lässt und etliche mehr zu Dauerdiäten nötigt, einfach um sich als Mensch zu fühlen, der es wert ist geliebt und begehrt zu werden. Als Leserin koche ich innerlich vor Wut angesichts der Ungerechtigkeit und eines Systems, das zwar auf dem (Gesetzes)Papier gleiche Rechte zusichert, sie dann aber nicht konsequent im Alltag umsetzt.

Wie schon angedeutet finde ich den Aufbau von „The Equality Illusion“ äußerst clever und auch wenn man als Frau nicht von jeder hier beschriebenen Ungerechtigkeit persönlich betroffen ist, kann man sich doch gut in diejenigen Frauen hineinversetzen, die zum Beispiel das Unglück haben nach der Arbeit zu einem prügelnden Ehemann heimzukehren. All diese Beweise, dass Frauen auch heutzutage für ihre Rechte, bzw. dafür dass diese Rechte auch angewendet werden, kämpfen müssen, gelten meiner Erfahrung nach auch im deutschen Raum – für dahingehende Parallelen, sollten denn im privaten Umfeld nicht genügend Bespiele vorhanden sein, muss frau nur mal die aktuelle EMMA lesen, oder sich an die Medienberichte zur Aufschrei Debatte von 2013 erinnern.

Denn auch ohne akut körperlich bedroht zu sein, schleppen Frauen ihr Kreuz durch den Alltag und Kat Banyard macht dieses in ihrem Buch sichtbar, auch für diejenigen Leserinnen, die es aufgrund glücklicher Lebensumstände bisher leugnen konnten. Insofern ist dieses Buch erst der Anfang Deiner feministischen Erweckung, liebe Leserin. Gerne würde ich Dir sein deutsches Äquivalent vorstellen, doch das muss noch geschrieben werden – wer sich an dieser Stelle berufen fühlt, setze sich bitte an den Schreibtisch und los geht’s! Für alle anderen gilt Augen auf und weiterlesen, bis der Haaransatz glüht. Denn gegen Ende des Buchs wird Kat Banyard deutlich, die Welt ändert sich nicht von selbst, wer um die Ungerechtigkeiten – jegliche, nicht nur geschlechtspolitische – weiß, der oder die ist in der Pflicht seine/ihre Ärmel hochzukrempeln und etwas dagegen zu tun. Ich stelle hier dieses Buch vor, auch weil ich krankheitsbedingt leider nicht mehr tun kann – was machst Du?

Insgesamt ist „The Equality Illusion“ ein wunderbarer Anfang für Leserinnen, die sich feministisch bilden wollen, auch wenn sich das Buch auf Großbritannien und die dortige Politik bezieht. Denn es öffnet seiner Leserin die Augen für Missstände in Politik und Gesellschaft und den Graben, der zwischen den politisch zugesicherten Rechten und deren Anwendung im Alltag liegt. Das Buch lädt seine Leserin ein sich Zähne und Klauen wachsen zu lassen und verbissen für ihre Rechte auf gleiches Geld für gleiche Arbeit, gerechte Arbeitsteilung im Haushalt und körperliche Unversehrtheit zu kämpfen, sich mit anderen Frauen zu verschwestern und vor allem nicht länger weg zu schauen, auch wenn sie die Ungerechtigkeit des Systems im Moment vielleicht nicht direkt betrifft.

The Equality Illusion – Kat Banyard – ISBN 978.0.571.24627.4

Für Leserinnen, die…

  • …ihre rosarote Brille in den Staub treten wollen.
  • …Parallelen zwischen Deutschland und Großbritannien ziehen.
  • …den langen, steinigen Weg zur Gleichheit der Geschlechter bis zu Ende gehen wollen.

Am besten kombiniert mit…

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6 Kommentare zu „(Feminismen) Alle Menschen sind gleich, aber manche sind nach wie vor gleicher als andere…“

  1. klingt nach ner guten Fortsetzung zum gerade gelesenen „wenn Männer mir die Welt erklären“
    Ist das auf Englisch?
    Auch noch interessant „living dolls“ – das gibts auch auf Deutsch

    Gefällt 1 Person

    1. Das Buch von Solnit steht schon länger auf meiner Wunschliste 🙂 Ich hab’s aktuell von Randomhouse angefordert; mal sehen ob ich den Zuschlag kriege. Ansonsten kaufe ich mir eben das Original…

      „Living Dolls“ hab ich sogar gelesen. Sehr interessant aber irgendwie auch erschreckend, wie effektiv der Backlash die Fortschritte der 2ten Welle zur Nichte macht. Dazu habe ich gerade auch Naomi Wolfs „Der Mythos Schönheit“ gelesen, das hat mir richtig die Augen geöffnet.

      Hier schreibe ich etwas ausführlicher zu „Living Dolls“, falls Dich das interessiert: https://buecherphilosophin.com/2015/07/08/sachbuch-living-dolls-warum-junge-frauen-heute-lieber-schon-als-schlau-sein-wollen-von-natasha-walter/

      Kennst Du vielleicht auch „Die Geschlechterlüge“ von Cordelia Fine?
      Darin geht’s um die angeblichen Geschlechterunterschiede zwischen Frauen und Männern, bzw. darum, wie wir als Eltern und Gesellschaft diese Unterschiede unbewusst herbeisozialisieren.

      Und hier der Link zu Cordelia Fines Buch, wenn Du nachlesen magst: https://buecherphilosophin.com/2015/09/28/sachbuch-die-geschlechterluege-die-macht-der-vorurteile-ueber-mann-und-frau-von-cordelia-fine/

      Sorry, ich will Dich nicht mit Links und Buchtitel erschlagen. Ich freu mich nur jemanden getroffen zu haben, mit dem ich über diese Bücher sprechen kann 🙂

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      1. Hey super cool, ich freu mich auch – so ein wichtiges thema, wird ja leider größtenteils negiert deswegen immer her damit.. das mit den Geschlechterrollen ist ähnlich wie mit der alltäglichen Gewalt. Da wir ja auch aus diesen Kontexten kommen ist vieles so selbstverständlich, da muß man echt erstmal einen ganz genauen blick drauf werfen und dann heißt es echt üben, Konditionierungen brechen und auf zur Revolte. Ich schau mir das mal alles an! 🙂

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