(Neuerscheinung) Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat…

Lange Zeit lag dieses Buch nur hoffnungsvoll in meinem Regal und wartete darauf zur Hand genommen zu werden. Ich jedoch habe es schweren Herzens monatelang ignorieren müssen. Jetzt aber bin ich endlich in meinen Lesesessel zurückgekehrt und diese Ode an zwei Stubentiger der italienischen Autorin Marina Mander, war das Buch, mit dem ich meine Rückkehr unter die Lesenden feiern durfte…

Katzen von Marina ManderWelche Denkanstöße und Lebensweisheiten können uns Katzen vermitteln? Die erfolgreiche Autorin Marina Mander ist seit ihrer Kindheit große Katzenfreundin. Charmant und kenntnisreich berichtet sie von persönlichen Erlebnissen, liebenswerten Anekdoten und wissenswerten Fakten. Sie erzählt, was uns Katzen in Sachen Müßiggang und echter Selbstliebe voraushaben und wie man lernen kann, sich etwas von ihrer Eleganz und ihrem ganz eigenen Zeitempfinden abzuschauen. Wir erfahren, warum zahllose Künstler – von Pablo Picasso bis Doris Lessing – die inspirierende Wirkung von Katzen genossen und sie zu ihren engsten Vertrauten gemacht haben. Und die Autorin ist sich gewiss: Hätte Freud statt seines Schäferhundes eine Katze bei den Sitzungen an seiner Seite gehabt, wäre vermutlich die gesamte Psychoanalyse anders verlaufen…

Autorin Marina Mander ist ihren beiden Katzen Spritz und Schatzi voll und ganz verfallen, das merke ich als Leserin von der ersten Seite an und kann es als Adoptivmutter zweier quietschfideler und rotzfrecher Kater auch gut nachvollziehen. Mit poetischer Leichtfüßigkeit, die mich stilistisch an das Romandebüt der Autorin („Meine erste Lüge“, erschienen bei Piper) erinnert, oder auch an die Grazie mit der meine Nachbarskatze auf dem Dachfirst balanciert, erzählt sie mir von ihrem Leben mit ihren beiden Katzen und deren felinen Vorgängern. Marina Mander nimmt ihre Leserin mit auf eine Reise in die Vergangenheit zurück in ihre Kindheit zur ersten Katze, an die sie ihr Herz verschenkte, deren stolze Ergebenheit dem kleinen Mädchen gegenüber und schließlich deren tragisches Ende. Die erste einen langen Reihe von Katzen, die Marina Mander ihr eigen nannte, wobei für Katzenliebhaber an dieser Stelle die Frage aufkommen dürfte, inwiefern man eine Katze eigentlich je besitzen kann.

Und dementsprechend wild geht es im Haushalt der drei Mitbewohner zu, denn eines steht für Marina Mander unverrückbar fest, Katzen erzieht man nicht, man sperrt sie weder ein noch aus, und wenn sie beschließen mitten im Bett zu nächtigen, dann macht man ihnen eben Platz und hofft, dass sie einem des nachts nicht die Decke stehlen. So viel Katzenliebe gibt es im Hause Bücherphilosophin dann auch wieder nicht und die vierbeinigen Lebensgefährten der Autorin würden sicher die Nase rümpfen, wären sie bei mir zu Besuch, angesichts unnützer Regeln, wie zum Beispiel Katzen gehören nicht auf die Küchenspüle, sind ihnen in ihrem ursprünglichen Zuhause doch keine solch überflüssigen Beschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit und ihres Entdeckergeistes gesetzt, den Marina Mander in ihrem Buch übrigens in höchsten Tönen lobt; ja, ich kriege als Leserin fast schon den Eindruck, die Autorin beneidet ihre Katzen ein wenig um deren Revierkenntnis, die jeden Zentimeter der Manderschen Behausung, ebenso wie zum Beispiel die Unterseiten von Möbelstücken und hintersten Winkel der Abstellkammer mit einschließt.

„Katzen: Eine unendliche Liebesgeschichte“ ist kein gewöhnliches Sachbuch, Zeit und Ort springen mal vor und zurück, verschieben sich quer über die italienische Landkarte, nur um schließlich wieder in der kleinen Stadt zu enden, in der Marina Mander das Haus ihrer Großmutter verortet. Einen roten Faden aus ihren Erzählsträngen zu spinnen, fällt mir als Leserin manchmal schwer; in etwa so wie einen Pullover zu stricken, während meine Katze gerade mit dem Wollknäuel spielt. Mit etwas Eifer und Liebe zum Detail, bzw. einem strengen Wort an die Katze, geht es dann aber doch und bald fühle ich mich bei der Autorin und ihren beiden Schützlingen wie Zuhause. Denn als Katzenhalterin kenne ich die Sperenzchen, mit denen sich diese Miniaturtiger die Zeit vertreiben nur zu gut. Auch meine beiden spielen gerne mal verstecken miteinander und mit mir, bis nur noch eine zuckende Schwanzspitze unter dem Lesesessel hervorlugt – von der Autorin übrigens wie zu erwarten überaus humorvoll geschildert.

Wer Katzen liebt und mit Katzen lebt, der dürfte sich und seine Mitbewohner zwischen den Seiten dieses Buchs nur zu oft schmunzelnderweise wiedererkennen. Denn auch wenn Marina Manders Katzen Spritz und Schatzi natürlich ihre ganz eigenen kleinen Persönlichkeiten haben, erinnern sie in ihrer unbeschwerten Katzenhaftigkeit doch stark an ihre Artgenossen, die über Generationen gerne gesehene Gefährten waren für Leserinnen, und die Schriftsteller, mit denen sie in Gedanken um die Welt und durch die Zeit reisen; laut Mander waren das zum Beispiel Doris Lessing, Franz Kafka oder auch Ernest Hemingway. Erstergenannte hat ebenfalls ein Buch über ihre Katzen geschrieben, welches literarisch als große Schwester dieser Erzählung zu sehen ist und Marina Mander sicher als Inspirationsquelle diente. Ansonsten unterscheiden sich die Bücher jedoch sehr, denn Marina Mander lässt eine Verzückung für ihre Katzen zwischen den Zeilen erstrahlen, welche Doris Lessing, in meiner Erinnerung an ihr Buch, leider abgeht.

Es ist diese Begeisterung für die Eigenarten der Katzen, diese Bereitschaft sie als kleine Persönlichkeiten mit einer eigenen Geschichte, mit Vorlieben und Macken und einem ganzen Haufen Neugier und Stolz aber auch abgöttischer Liebe und Zärtlichkeit für ihre Menschen und die anderen Katzen im Haushalt zu verstehen, welche mir Marina Mander, die Person und begeisterte Katzenadoptivmuttter so sympathisch macht. Mit ihr verbringe ich nur zu gerne viele, heitere Lesestunden – wenn auch nicht ganz so viele wie erhofft, das Buch ist recht kompakt – und lausche ihren Geschichten von kleinen und großen Missgeschicken, Katzendieben, tragischen letzten Atemzügen und wundersamen Zusammenkünften mit neuen vierbeinigen Wegbegleitern; wie so oft in letzter Zeit, eine genüsslich schnarchende Katze auf der Rückenlehne meines Lesesessels, eine Zweite (fast) verborgen darunter.

Katzen: Eine unendliche Liebesgeschichte – Marina Mander – ISBN 978-3-570-10282-4

Für Leserinnen, (für) die…

  • …ihre(n) Stubentiger ebenso verehren – wie ich 😉
  • …die Eigensinnigkeit der Samtpfoten mit Gleichmut ertragen – auch wenn mal was zu Bruch geht.
  • …ein Haus ohne Katze(n) kein Zuhause ist – trifft auch auf Wohnungen zu.

Literarische Nachbarinnen…

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5 Kommentare zu „(Neuerscheinung) Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat…“

  1. Liebe Katarina,

    herzlich Willkommen zurück! In den letzten Wochen, in denen der Herbst mit seiner Lesegemütlichkeit einkehrte, musste ich oft an dich denken und als der WordPress-Reader mir gerade deinen Artikel anzeigte, huschte sofort ein Lächeln auf meine Lippen.

    Vor allem aber freue ich mich für dich! Ich hoffe, deine Gesundheit beschert dir nicht zu viel Sorgen und du kannst den Alltag wieder mehr genießen?!

    Vielen Dank auch für diese Leseempfehlung – wie du konnte auch ich mich und unseren Kater an so mancher Stelle wiedererkennen. Vor allem diesen Zeilen kann ich mich nur anschließen: „diese Begeisterung für die Eigenarten der Katzen, diese Bereitschaft sie als kleine Persönlichkeiten mit einer eigenen Geschichte, mit Vorlieben und Macken und einem ganzen Haufen Neugier und Stolz aber auch abgöttischer Liebe und Zärtlichkeit für ihre Menschen und die anderen Katzen im Haushalt zu verstehen“.

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Der Sommer war kein Zuckerschlecken, aber Anfang September hatte ich das Glück einen stationären Platz an der Uniklinik ergattern zu können und seitdem geht es stetig wieder bergauf.
      Ich freue mich vor allem wieder lesen und bloggen zu können; Du kannst dir nicht vorstellen wie langweilig es mir war, monatelang ganz ohne Geschichten – aber das ist jetzt zum Glück vorbei!

      Ich denke, dass Manders Begeisterung bei jedem Katzenliebhaber auf fruchtbaren Boden fällt. Denn Katzen muss man so annehmen wie sie sind, während sich Hunde ja bekanntlich auf ihr Frauchen einstellen.
      Bei Katzenhaltern habe ich insofern noch nie einen Graubereich erlebt, entweder sie sind ihren Stubentigern voll und ganz verfallen oder sie halten sich lieber einen Hund 😉

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      1. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie diese lange Zeit für doch wohl gewesen ist … Aber ich bewundere dich für all die Kraft, Hoffnung und Motivation, mit der du deine Krankheit nach so langer Zeit unverändert angehst. Und ich hoffe, dass es weiterhin so bergauf geht und du dein Leben schon bald wieder mit allem, was dich glücklich macht, genießen kannst – vielleicht sogar mit einer Reise zurück nach Großbritannien?!

        „Bei Katzenhaltern habe ich insofern noch nie einen Graubereich erlebt, entweder sie sind ihren Stubentigern voll und ganz verfallen oder sie halten sich lieber einen Hund“ – Das trifft es genau! Meiner Erfahrung nach kann man dieses besondere Wesen der Katzen (trotz all des Cat Contents im Internet 😉 ) erst dann richtig begreifen und zu schätzen wissen, wenn man selbst mit einem oder mehreren dieser Wesen zusammenlebt.

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