Die Sonntagsleserin ist zurück…

Als ich Ende Januar meine „Abwesenheitnotiz“ veröffentlichte, brauchten ich und mein gematerter Körper eigentlich nur eine kleine Pause. Nie und Nimmer hätte ich damit gerechnet, dass diese kleine Pause fast ein ganzes Jahr andauern würde. Ich will an dieser Stelle gar nicht so sehr ins Detail gehen, denn so ganz verarbeitet habe ich die Erinnerungen an die längsten acht Monate meines Lebens noch nicht – trotz des Happy Ends. Seit Anfang September geht es Dank der Bemühungen eines Ärzteteams, das mich einfach nicht aufgeben wollte, zum Glück wieder bergauf. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren darf ich nun endlich Zeuge davon sein, dass mein Körper von Tag zu Tag, Woche zu Woche, ein klein wenig stärker wird. Ich habe wohl noch ein gutes Stück Weg vor mir, bis ich wieder so am Leben teilnehmen kann, wie ich das gerne möchte und ein paar Kompromisse werden mich vielleicht noch darüber hinaus begleiten. Doch davon werde ich mir meine Vorfreude auf den Rest meines Lebens (und Lesens und Schreibens und Reisens, und, und, und…) nicht nehmen lassen 🙂

Vor den Augen…

Seitdem ich wieder lesen kann, verschlinge ich ein Buch nach dem anderen, in einer Geschwindigkeit, die selbst mich atemlos zurück lässt. Diese beiden Bücher waren die letzten, die ich vor meiner Pause in den Händen hielt und diese Woche durfte ich sie endlich genießen.

51k8TP6oriL._SX319_BO1,204,203,200_Zärtliche Klagen von Yoko Ogawa… Tief verletzt durch die Untreue ihres Mannes, flieht Ruriko aus Tokio und zieht sich in ein einsam gelegenes Landhaus zurück. Sie arbeitet als Kalligrafin und will dort Ruhe finden, um die Transkription der Lebenserinnerungen einer englischen Dame abzuschließen. Bald schon lernt sie ihre neuen Nachbarn kennen. Nitta war früher ein bekannter Pianist und widmet sich nun dem Bau von Cembalos. Dabei geht ihm eine junge Frau namens Kaoru zur Hand, die er als seine Assistentin vorstellt. Von ihr erfährt Ruriko, dass Nitta nicht mehr vermag, in der Gegenwart anderer Klavier zu spielen. Es ist, als wäre sein Herz zu Stein geworden und die Musik zur bloßen Erinnerung. Ruriko und Nitta fühlen sich zueinander hingezogen, und doch spürt die Kalligrafin, dass zwischen ihm und seiner Assistentin unsichtbare Bande bestehen, die stärker sind als das, was Nitta für sie empfindet.

9783550081125_coverGold Ruhm Zitrus von Claire Vaye Watkins… Niemand kann sagen, wann es das letzte Mal in Kalifornien geregnet hat. Das Land liegt unter einer gigantischen Dünenformation begraben, die Bewohner werden, teils mit Waffengewalt, teils durch undurchsichtige bürokratische Vorschriften davon abgehalten, in fruchtbarere Regionen zu ziehen. Die meisten haben sich mehr oder weniger freiwillig in Notlager begeben, einige wenige hausen in den Villen und Bungalows, die andere verlassen haben, und leben von Notrationen. Auch Luz und Ray gehören zu ihnen. Als das Schicksal ein zweijähriges Mädchen namens Ig in ihre Hände legt, ändert sich für sie alles. Luz, ehemaliges Model, will des Kindes wegen die Flucht nach Osten wagen, ihr Freund Ray, Kriegsveteran und Surfer, unterstützt sie trotz seiner Vorbehalte. Spätestens als sie in den Weiten der Amargosa-Wüste auf eine sektenartige Kommune und ihren charismatischen Anführer stoßen, wird klar, dass Gefahr nicht nur von der erbarmungslos brennenden Sonne ausgeht. Die gleißende Schönheit der Landschaftsbeschreibungen lässt in keiner Sekunde die tödliche Bedrohung vergessen, die über allem liegt.

Auf den Ohren…

Kurz vor meiner Zwangspause hatte ich mich mit Hörbüchern eingedeckt, und diese warten nun nur darauf von mir gelesen zu werden – nicht zu Schweigen von dem massigen audible Guthaben, das ich angehäuft habe. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welches ich zu erst hören soll.

51y5CwCneGL._SL300_Why have kids? von Jessica Valenti… In Why Have Kids?, Valenti explores these controversial questions through on-the-ground reporting, startling new research, and her own unique experiences as a mom. She moves beyond the black and white “mommy wars” over natural parenting, discipline, and work-life balance to explore a more nuanced reality: one filled with ambivalence, joy, guilt, and exhaustion. A must read for parents as well as those considering starting a family, Why Have Kids? is an explosive addition to the conversation about modern parenthood.

41drbZqDaAL._SL300_The Case Against Sugar von Gary Taubes… More than half a billion adults and 40 million children on the planet are obese. Diabetes is a worldwide epidemic. Evidence increasingly shows that these illnesses are linked to the other major Western diseases: hypertension, heart disease, even Alzheimer’s and cancer, and that shockingly, sugar is likely the single root cause. Yet the nutritional advice we receive from public health bodies is muddled, out of date, and frequently contradictory, and in many quarters still promotes the unproven hypothesis that fats are the greatest evil.With expert science and compelling storytelling, Gary Taubes investigates the history of nutritional science which, shaped by a handful of charismatic and misguided individuals, has for a hundred years denied the impact of sugar on our health. He exposes the powerful influence of the food industry which has lobbied for sugar’s ubiquity – the Sugar Association even today promoting ’sugar’s goodness‘ – and the extent that the industry has corrupted essential scientific research. He delves into the science of sugar, exposes conventional thinking that sugar is ‚empty calories‘ as a myth, and finds that its addictive pleasures are resulting in worldwide consumption as never experienced before, to devastating effect.

Neu im Regal…

Nach meiner langen Leseabstinenz konnte ich natürlich nicht anders als zu schauen, was ich über Frühjahr und Sommer so alles verpasst habe. Beim Ullstein Verlag habe ich angefangen und mich direkt in dessen „Ullstein fünf“ Imprint verliebt, wie frau an meinen Neuzugängen unschwer erkennen kann 😉

9783961010073_cover

Schwimmen von Sina Pousset… Milla und Jan kennen sich seit Kindertagen. In einem heißen Sommer fahren sie gemeinsam mit Jans Freundin Kristina ans Meer. Drei Tage lang schweben sie zwischen Angst, Liebe und Sehnsucht. Bis sich alles bei einem heftigen Gewitter katastrophal entlädt. Jan überlebt nicht. Vier Jahre später sind Milla und die kleine Emma an einem kalten Morgen durch die große Stadt unterwegs. Da findet Milla etwas, das sie an Jan erinnert und stellt sich endlich der Vergangenheit. Ein Roman voller zarter Melancholie und berührender Bilder, die einen nicht mehr loslassen.

9783961010042_coverDas Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfen… »Die Abende, die Nächte gehörten uns. Wir gingen nicht raus. Wir hatten hier alles, was wir brauchten, das heißt: uns. Wir hätten uns auch in einer Bar gehabt, im Kino, in einem Restaurant; aber eben nicht so, wir hätten uns teilen müssen mit einer ganzen Welt, die nach Aufmerksamkeit schrie.« Lene lebt mit ihrer besten Freundin in einer WG in einer großen Stadt, ihre liebevolle Familie und der Freundeskreis geben Halt. Als sie Hendrik begegnet, scheint ihr Glück perfekt. Sie plant eine gemeinsame Zukunft, doch Hendriks Vergangenheit schleicht sich in ihr Leben ein. Da ist seine zerrüttete Familie, sein bisweilen merkwürdiges Verhalten. Und Klara.

9783961010035_coverFuchsteufelsstill von Niah Finnik… Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.

Nur zu Besuch…

Nach so langer Zeit platzt mein WordPress Reader aus allen Nähten. Zum Glück kann ich mich bei meiner Auswahl interessanter Links auf die letzte Woche beschränken. Doch bei einer Unmenge an liebevoll gestalteten Beiträgen von so vielen engagierten Bloggerinnen, fällt mir die Entscheidung trotzdem schwer.

Mitte nächster Woche ist es so weit, Blogger aus ganz Deutschland strömen nach Frankfurt auf der Suche nach Rezensionsexemplaren, Autoreninterviews oder auch nur einem netten Plausch mit dem Pressekontakt vom Lieblingsverlag, den frau bisher nur aus Emails kennt. Wer zum ersten Mal dabei ist, dem greift Buchnotizen, die kürzlich erst ihr Rosenjubiläum gefeiert hat, mit einer Checkliste unter die Arme – damit sich selbst die Buchmessen-Frischlinge wie alte Hasen fühlen können.

Wer am letzten Oktoberwochenende noch nichts vorhat, den lädt die kürzlich generalüberholte Wörterkatze zum Lesemarathon ein. Wenn sich kurzfristig nichts anderes ergibt, werde ich sicher auch mit von der Partie sein.

Fernweh machten mir diese Woche Phantasienreisen, die in meine ehemalige Heimat Großbritannien reiste und mir nun von ihren bibliophilen Fischzügen und dem englischen Essen vorschwärmt. Während es Binge Reading & More auf ihrer Parisreise vor allem um das mitgebrachte Lesefutter geht. Vom Fernweh gepackt, aber kein Geld zum Verreisen? Kein Problem mit dem Tramping Guide von Pollenleben.

Woran erkennt frau eigentlich einen österreichischen Autor? Wer sich das schon mal gefragt hat, findet beim Bücherwurmloch eine humorige Liste, die einem in Zukunft bei der Identifikation derselben zur Hand gehen kann. Und selbst wenn nicht, dann brachte sie mich, als deutsche Leserin wenigstens ein bisschen zum Lachen – und das ist ja auch was wert.

Genug geplaudert, meine liebe Leserin. Ich verabschiede mich nun fürs Erste in den Sonntag und wünsche Dir noch viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

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15 Kommentare zu „Die Sonntagsleserin ist zurück…“

  1. Huhu 🙂
    Freut mich sehr, dass du auf dem Weg der Besserung bist!
    Hoffentlich sind die Bücher genauso spannend wie sie klingen 🙂
    Und zu Phantasienreisen: Vom Englischen Essen kann man nur schwärmen! Es hat seinen schlechten Ruf absolut nicht verdient. Neben den Pubs, der Sprache. Und den Leuten das, worauf ich mich bei jedem England Urlaub am meisten freue 🙂
    Liebe Grüße und nur das Beste

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    1. Einige der Bücher, hab ich mittlerweile schon durchgelesen – die Rezensionen folgen im Laufe der nächsten Woche. Das Ullstein 5 Trio steht mir allerdings noch bevor und da bin ich ebenso gespannt wie du 🙂

      Apropro englisches Essen, ich habe einen solchen Heißhunger auf das englische „Convenience Food“, das es in den Supermärkten gibt. Nudelsalat, Cesar Wraps, Prawn Cocktail, Rocky Road Pudding und New York Cheese Cake. Ich werde manchmal halb verrückt bei dem Gedanken es nie wieder essen zu können 😉

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    2. Das hab ich vielleicht etwas übertrieben pessimistisch ausgedrückt. Bis vor Kurzem habe ich noch in GB gelebt, aber seit dem Brexit sehe ich dort leider keine Zukunft für mich. Daher mein Kommentar.
      Ich kann natürlich immer wieder dort Urlaub machen, aber es wird eben nicht das Gleiche sein, wie vor der Uni noch schnell in den Tesco zu schlüpfen und sich mit Snacks einzudecken.

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  2. Wie schön, am Sonntag diese Zeilen von dir zu lesen! (Vielen Dank auch für die Verlinkung!)

    Du konntest zwar eine ganze Weile nicht an der Bloggerwelt teilnehmen, aber dafür hast du einen schnellen und guten Wiedereinstieg gefunden – und in deiner Sonntagsleserei so manches gesammelt, das ich erst noch entdecken muss, z. B. den Artikel im Bücherwurmloch zu österreichischen Büchern.

    Von Yoko Ogawa möchte ich auch schon seit langer Zeit etwas lesen – „Zärtliche Klagen“ klingt nach dem idealen Einstieg. Danke für diese Empfehlung!

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    1. Auf dem Weg der Besserung fühle ich mich manchmal wie eine überspannte und endlich losgelassene Sprungfeder – ich habe so viele Ideen, so viel Lebenslust. Ich muss mich zügeln, damit ich mich nicht übernehme 😉

      Mein erster Ogawa war „Der Herr der kleinen Vögel“; schön geschrieben, aber irgendwie etwas zu still, zu schüchtern – wenn ich das so sagen kann.
      „Zärtliche Klagen“ hat mich wiederum restlos von der Autorin überzeugt, und ich werde bald auch ihre älteren Romane lesen. Insofern kann ich dir das Buch wirklich nur ans Herz legen – eine ausführliche Rezension plane ich übrigens für nächste Woche 🙂

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      1. Es freut mich so, dass alles von dir zu lesen und ich glaub dir zu gern, dass du nun voller Tatendrang und Motivation steckst. Ich staunte ja auch ein wenig, wie intensiv du gleich wieder ins Bloggen gestartet bist. Ich hatte vor zwei Jahren einige Monate, in denen ich aus Zeit- und Internetgründen kaum zum Lesen und Bloggen kam und mir fiel es damals so schwer, wieder eine Grundroutine und immer die richtigen Worte zu finden. Daher bewundere ich, dass dir das leichter fällt und freue mich für dich. 🙂

        Auf deine ausführlichen Eindrücke zu „Zärtliche Klagen“ bin ich sehr gespannt – auf der Wunschliste steht es dank dir aber schon jetzt.

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    1. Als es bei mir gesundheitlich so richtig bergab ging, konnte ich leider nicht mehr alleine leben. Da habe ich schweren Herzens die Entscheidung getroffen zurück zu kehren.
      In GB haben EU Ausländer im Moment aber auch so gar nichts zu lachen. Jobs und Wohnungen werden mittlerweile nur noch an Bewerber mit britischem Pass vergeben. Da hätte ich spätestens nach meinem Studienabschluss ohnehin das Handtuch werfen müssen.

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    1. Mein erstes Buch von Yoko Ogawa war „Der Herr der kleinen Vögel“, das ich zwar nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend fand. Die „Zärtlichen Klagen“ allerdings haben mir richtig gut gefallen. Ich werde Yoko Ogawa also auch in Zukunft die Treue halten.

      Kennst Du auch ihre älteren Romane? Hast Du da vielleicht eine Leseempfehlung für mich?

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