Schlagwort-Archive: Feminismus

(Feminismen) Eine Amerikanerin erklärt warum Feminismus wichtig ist…

Wer, wie ich, ein Faible für feministische Sachbücher hat, der kommt an der amerikanischen Bloggerin Jessica Valenti nicht vorbei. Die Gründerin der Internetplattform feministing.com hat es im letzten Jahr mit gleich drei Büchern in mein Regal geschafft, ein viertes steht zur Zeit auf meiner Wunschliste. Dieses hier ist übrigens das allererste, weitere werden sicher schon bald folgen…

61g4da32myl-_sx329_bo1204203200_Full Frontal Feminism is a book that embodies the forward-looking messages that author Jessica Valenti propagated as founder of the popular website, Feministing.com. Full Frontal Feminism is a smart and relatable guide to the issues that matter to today’s young women. The book covers a range of topics, including pop culture, health, reproductive rights, violence, education, relationships, and more.

Was „The Equality Illusion“ für die unbedarfte britische Leserin ist, das ist „Full Frontal Feminism“ für deren amerikanisches Pendant – ein Weckruf nämlich. Typisch amerikanisch darf der Feminismus diesmal sogar aufs Titelblatt und findet hoffentlich viel Zulauf; mir persönlich hat es jedenfalls gefallen. Denn auch wenn sich die Autorin auf die amerikanische Gesellschaft bezieht, hat mein Heimatland doch genug gemeinsam mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und wenn man Jessica Valenti Glauben schenken darf ebenfalls unbegrenzten Sexismus – um einen feministischen Kommentar dazu auch für deutsche Leserinnen interessant zu machen. Und interessant war es, wenn auch etwas oberflächlich, was ich allerdings darauf zurück führe, dass „Full Frontal Feminism“ als Einstiegsdroge konzipiert wurde; ich persönlich es aber ungefähr zwei Jahre nach meiner feministischen Erweckung gelesen habe.

Anders als das oben erwähnte „The Equality Illusion“, ist „Full Frontal Feminism“ ganz klassisch nach Themen aufgebaut, dazu gehören sowohl die ganz alltäglichen Herausforderungen an die moderne Frau, wenn es zum Beispiel darum geht sich innerlich gegen das destruktive Frauenbild, welches die amerikanischen Medien vermitteln, zu wappnen oder auch für frauengesundheitliche Grundversorgung, wie zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen und bezahlbare Verhütungsmittel, zu kämpfen. Es geht um die Entfremdung junger Frauen von ihren Körpern, um die „Raunch Culture“ (wer hierzu mehr erfahren möchte, dem empfehle ich Ariel Levys „Female Chauvinist Pigs“) und in der Konsequenz um die Rückeroberung des so heiß umkämpften weiblichen Körpers durch jede einzelne Frau, bzw. Leserin. In diesem Zusammenhang spricht Jessica Valenti natürlich auch über den dringend notwendigen Kampf gegen die epidemische sexuelle Gewalt, in Amerika und anderswo.

Feminismus ist trendy, besonders in der amerikanischen Populärkultur. Ob nun Beyoncé, Lena Dunham oder gar Taylor Swift, alle bekennen sich zum Feminismus, leben und agieren gleichzeitig aber weiter innerhalb der engen Grenzen der vom Patriarchat als akzeptabel definierten Weiblichkeit. In ihrem Buch „Full Frontal Feminism“ regt Jessica Valenti junge Leserinnen dazu an sich offen und selbstbewusst zum Feminismus zu bekennen, es aber gleichzeitig nicht dabei zu belassen. Denn auch heute noch braucht die Welt Frauen, die bereit sind aus ihren Zimmern, Hörsälen und den virtuellen Sphären des Internets zu treten und auf Worte Taten folgen zu lassen. Frauen, die mutig genug und bereit sind gesellschaftliche Regeln und Definitionen von Weiblichkeit zu brechen und so deren Überflüssigkeit innerhalb einer modernen, gleichberechtigten Gesellschaft zu verdeutlichen.

Dabei ist die feministische Erweckung junger Frauen die eine Sache, und Jessica Valenti macht diese Sache wirklich gut. Die Frau will ich sehen, die nach der Lektüre von „Full Frontal Feminism“ nach wie vor den in Amerika so beliebten Satz äußert: „Ich bin keine Feministin, aber…“ Was aber darüber hinaus unbedingt notwendig ist, ist ebenfalls die jungen Männer mit ins Boot zu holen und ihnen zu verdeutlichen, wie viel angenehmer das Leben auch für sie wird, wenn es ihren Müttern, Schwestern, Freundinnen und Töchtern besser geht; wenn diese selbstbewusst mit ihren Körpern umgehen können und wieder Vertrauen in das andere Geschlecht schöpfen können, erwachsen aus gegenseitigem Respekt. Denn solange die Mädels stolz rufen: „Wir sind Feministinnen!“ und die Jungs dagegen skandieren „Nein heißt Ja! Ja heißt anal!“ kommen wir als Gesellschaft leider keinen Schritt weiter. Diese Überbrückung der ansozialisierten Geschlechterdifferenzen jedoch gelingt Jessica Valenti nicht – vielleicht wird’s ja im nächsten Buch was werden.

Insgesamt ist „Full Frontal Feminism“ jedoch ein guter Einstieg ins Thema für junge Frauen, die im Grunde für die Gleichberechtigung der Geschlechter sind, sich aber noch nie so wirklich vor Augen geführt haben, wie man das denn nun am besten erreichen kann. Sie bezieht sich dabei wie gesagt auf Nordamerika, das meines Wissens nach einen anderen Sexismus praktiziert als Deutschland, der jedoch Überlappungen beider Unterdrückungssysteme durchaus zulässt. Insofern kann man aus den Beschreibungen Jessica Valentis trotzdem seine Lehren für das heimische System ziehen; besonders natürlich die, dass keine Frau sich scheuen sollte sich selbst als Feministin zu bezeichnen – ein Begriff der im Deutschland jenseits der EMMA über die Jahrzehnte leider sehr eingestaubt ist. Auf die deutsche Jessica Valenti müssen wir Leserinnen also wohl noch etwas warten, bis dahin ist die Lektüre von „Full Frontal Feminism“ meiner Meinung nach jedoch ein wunderbarer Kompromiss.

Full Frontal Feminism: A young woman’s guide to why feminism matters – Jessica Valenti – ISBN 978.1.580.05561.1

Für Leserinnen, die…

  • …von der Wichtigkeit des Feminismus erst noch überzeugt werden müssen.
  • …sich feministischen Themen auf Augenhöhe nähern wollen.
  • …gesellschaftliche Parallelen zwischen Amerika und Deutschland ziehen können.

Am besten kombiniert mit…

41YU-9T-AZL._SX315_BO1,204,203,200_41yvZhbunsL._SX314_BO1,204,203,200_41ZIApnYwWL._SX299_BO1,204,203,200_Download (7)

Advertisements

(Neuerscheinung) Über Männer, die die Welt erklären und Frauen, die es besser wissen…

Lange schon steht die englische Audioversion auf meinem Merkzettel bei audible.de. Da es sich bei diesem Buch um einen Essayband handelt, habe ich mich nie so ganz dazu durchringen können es zu kaufen. Denn Essays hören, dass bringt mich viel zu oft aus dem Lesefluss heraus. Daher freute ich mich als der btb Verlag die gedruckte Version für kleines Geld herausbrachte, und im Nu war die Entscheidung für das Buch getroffen…

Wenn Maenner mir die Welt erklaeren von Rebecca SolnitEin Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat – jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht die Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Sie schreibt über die Kernfamilie als Institution genauso wie über Gewalt gegen Frauen, französische Sex-Skandale, Virginia Woolf oder postkoloniale Machtverhältnisse. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.

Rebecca Solnits Buch besteht aus sieben Essays verschiedener Länge, der Kürzeste über den frischen Wind, den die gleichgeschlechtliche Ehe in eine zutiefst hierarchische Verbindung bringen wird, ist gerade mal zehn Seiten lang, ihr Essay über die Schriftstellerin Virginia Woolf ist wiederum ausführlich genug um sein eigenes schmales Büchlein zu verlangen. Wenn sie in Länge und Aufbau auch noch so verschieden sind, thematisch gleichen sich die Essays alle. Denn in „Wenn Männer mir die Welt erklären“ hat Rebecca Solnit ihre Gedanken zum Thema Feminismus, Patriarchat und Gewalt zusammengetragen, eine explosive ebenso wie introspektive Sammlung, die bei mir als Leserin und als Feministin einiges ausgelöst hat und mir dadurch wohl noch lange in guter und aufwühlender Erinnerung bleiben wird.

In Rebecca Solnits Essays geht es ebenso um aktuelle Themen, wie um persönliche und ab und zu auch mal um eine Herzensangelegenheit. Der titelgebende Essays zum Beispiel basiert auf den Erfahrungen der Autorin im Gespräch mit zumeist älteren Männern, die über Dinge schwadronieren, von denen sie keine Ahnung haben. Niemand wird gerne unterbrochen, schon gar nicht, wenn frau weiß wovon sie spricht, und doch ist dieser kleine Erfahrungsbericht, dem die Autorin natürlich noch ein paar kluge sozio-psychologische Eindrücke beigibt, noch verhältnismäßig erheiternd; vor allem dann wenn man sich dem nächsten Essay mit dem Titel „Der längste Krieg“ zuwendet, in dem es um Gewalt gegen Frauen geht und der selbst für Nicht-Betroffene schwer verdaulich sein dürfte. Und trotzdem ist gerade dieser Essay der meines Erachtens nach Lesenswerteste der Sammlung als Ganzes.

Darüber hinaus widmet sich Rebecca Solnit dem Internationalen Währungsfond und der Strauß-Kahn Affäre, der Auslöschung weiblicher Ahnen aus den Stammbäumen des Patriarchats und schließt letztlich mit einer Zuversicht, die den Sturm in meinem Inneren, der sich auf dem Weg zum Schlusswort aufgebaut hat, zu einem leisen Lüftchen werden lässt. Insofern ist „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die mich mal zum Schmunzeln bringt und mir kurz darauf die Galle überkochen lässt, um mich dann wieder zu beruhigen, ja fast schon versöhnlich zu stimmen. Rebecca Solnit versteht es ihre Leserinnen mit Haut und Haar in ihr jeweiliges Thema zu ziehen, ihnen begreiflich zu machen, warum es wichtig ist hinter die Fassade von beispielsweise Nachrichtenmeldungen zu schauen und zu hinterfragen, welche Strukturen es sind, die das Elend der Welt, das disproportional von Frauen ertragen wird, überhaupt möglich machen.

Insgesamt ist dieses Buch ein kurzweiliges, dabei aber auch aufrüttelndes Lesevergnügen, nicht nur für feministische Leserinnen. Denn Rebecca Solnit predigt nicht, sondern erzählt einfach, präsentiert Fakten und kommentiert Aktuelles; und überlässt es ihrer Leserin deren Denkapparat anzuwerfen und politische Schlüsse aus ihren Essays zu ziehen. Ich persönlich bin mal mehr, mal weniger erschüttert über die behandelte Thematik, kann einiges nachvollziehen, habe mit anderem so wiederum nie zu tun gehabt. Trotzdem denke ich, dass „Wenn Männer mir die Welt erklären“ ein lesenswertes und ein wichtiges Buch ist, als Augenöffner, als Grundstein für eine feministische Lesekarriere oder auch durch seinen Wiedererkennungswert für alle Leserinnen, die gelangweilt weghören, wenn Männer wieder mal über Sachen dozieren, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben.

Wenn Männer mir die Welt erklären – Rebecca Solnit – ISBN 978.3.442.71439.1

Für Leserinnen, die…

  • …sich nicht so leicht unterkriegen lassen.
  • …sich welt- und frauenpolitisch interessieren.
  • …sich ihre Meinung selbst bilden.

Literarische Nachbarinnen…

51JVoL3ZHNL._SX313_BO1,204,203,200_418sjFkI98L._SX312_BO1,204,203,200_51wu55a3QDL._SX329_BO1,204,203,200_41YU-9T-AZL._SX315_BO1,204,203,200_

(Feminismen) Alle Menschen sind gleich, aber manche sind nach wie vor gleicher als andere…

Wie genau ich auf dieses Buch gekommen bin, weiß ich mittlerweile gar nicht mehr so unbedingt. Was ich noch weiß, ist dass es eines Tages unter meinen amazon- Empfehlungen auftauchte und interessant klang. Mehr Gründe brauchte ich ehrlich gesagt nicht, um schon bald beherzt zum Buch zu greifen…

51myybd1c1l-_sx316_bo1204203200_In The Equality Illusion Kat Banyard argues passionately and articulately that feminism continues to be one of the most urgent and relevant social justice campaigns today. Women have made huge strides in equality over the last century. And yet: Women working full-time in the UK are paid on average 17 per cent less an hour than men 1 in 3 women worldwide has been beaten, coerced into sex, or otherwise abused because of her gender Of parliamentary seats across the globe only 15 per cent are held by women and fewer than 20 per cent of UK MPs are women 96 per cent of executive directors of the UK’s top hundred companies are men Structuring the book around a normal day, Banyard sets out the major issues for twenty-first century feminism, from work and education to sex, relationships and having children.

Auch wenn sich dieses Buch vor allem an Leserinnen aus Großbritannien richtet, kann man auch als Deutsche einiges an Weisheiten daraus mitnehmen. Denn auch wenn die Statistiken nicht übereinstimmen, haben die Britinnen doch auf ganzer Linie die gleichen Probleme wie deutsche Frauen; sie sind unterrepräsentiert in der Politik und in Führungspositionen, sie werden unverhältnismäßig oft Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt, sie verdienen nicht ansatzweise so viel wie ihre männlichen Kollegen, sie verrichten trotz Vollzeitjob den Hauptteil von Kindererziehung und Haushaltsarbeit – gleichzeitig glauben aber auch viele von ihnen, dass der Feminismus alles erreicht hat, was er erreichen kann und mittlerweile überflüssig ist. Mir persönlich kommen diese Ungleichheiten und Ansichten überaus bekannt vor, und das eben nicht nur aus meiner Zeit in Großbritannien.

Was Kat Banyard zunächst einmal mit ihren Buch „The Equality Illusion“ bezweckt ist, Schluss zu machen mit der Augenwischerei, die junge Frauen glauben macht, wir wären schon seit Jahrzehnten gleichgestellt und es gäbe nichts mehr für das wir kämpfen könnten oder sollten. Dies tut sie indem sie einen typischen weiblichen Tag beschreibt, inklusive all der Ungerechtigkeiten, die einer Frau aber niemals, oder nur äußerst selten, einem Mann, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen, passieren. Es geht um Lohnungleichheit, die „zweite Schicht“ mit Küche und Kindern, häusliche Gewalt und den Beauty Terror, der manche Frauen nur geschminkt das Haus verlassen lässt und etliche mehr zu Dauerdiäten nötigt, einfach um sich als Mensch zu fühlen, der es wert ist geliebt und begehrt zu werden. Als Leserin koche ich innerlich vor Wut angesichts der Ungerechtigkeit und eines Systems, das zwar auf dem (Gesetzes)Papier gleiche Rechte zusichert, sie dann aber nicht konsequent im Alltag umsetzt.

Wie schon angedeutet finde ich den Aufbau von „The Equality Illusion“ äußerst clever und auch wenn man als Frau nicht von jeder hier beschriebenen Ungerechtigkeit persönlich betroffen ist, kann man sich doch gut in diejenigen Frauen hineinversetzen, die zum Beispiel das Unglück haben nach der Arbeit zu einem prügelnden Ehemann heimzukehren. All diese Beweise, dass Frauen auch heutzutage für ihre Rechte, bzw. dafür dass diese Rechte auch angewendet werden, kämpfen müssen, gelten meiner Erfahrung nach auch im deutschen Raum – für dahingehende Parallelen, sollten denn im privaten Umfeld nicht genügend Bespiele vorhanden sein, muss frau nur mal die aktuelle EMMA lesen, oder sich an die Medienberichte zur Aufschrei Debatte von 2013 erinnern.

Denn auch ohne akut körperlich bedroht zu sein, schleppen Frauen ihr Kreuz durch den Alltag und Kat Banyard macht dieses in ihrem Buch sichtbar, auch für diejenigen Leserinnen, die es aufgrund glücklicher Lebensumstände bisher leugnen konnten. Insofern ist dieses Buch erst der Anfang Deiner feministischen Erweckung, liebe Leserin. Gerne würde ich Dir sein deutsches Äquivalent vorstellen, doch das muss noch geschrieben werden – wer sich an dieser Stelle berufen fühlt, setze sich bitte an den Schreibtisch und los geht’s! Für alle anderen gilt Augen auf und weiterlesen, bis der Haaransatz glüht. Denn gegen Ende des Buchs wird Kat Banyard deutlich, die Welt ändert sich nicht von selbst, wer um die Ungerechtigkeiten – jegliche, nicht nur geschlechtspolitische – weiß, der oder die ist in der Pflicht seine/ihre Ärmel hochzukrempeln und etwas dagegen zu tun. Ich stelle hier dieses Buch vor, auch weil ich krankheitsbedingt leider nicht mehr tun kann – was machst Du?

Insgesamt ist „The Equality Illusion“ ein wunderbarer Anfang für Leserinnen, die sich feministisch bilden wollen, auch wenn sich das Buch auf Großbritannien und die dortige Politik bezieht. Denn es öffnet seiner Leserin die Augen für Missstände in Politik und Gesellschaft und den Graben, der zwischen den politisch zugesicherten Rechten und deren Anwendung im Alltag liegt. Das Buch lädt seine Leserin ein sich Zähne und Klauen wachsen zu lassen und verbissen für ihre Rechte auf gleiches Geld für gleiche Arbeit, gerechte Arbeitsteilung im Haushalt und körperliche Unversehrtheit zu kämpfen, sich mit anderen Frauen zu verschwestern und vor allem nicht länger weg zu schauen, auch wenn sie die Ungerechtigkeit des Systems im Moment vielleicht nicht direkt betrifft.

The Equality Illusion – Kat Banyard – ISBN 978.0.571.24627.4

Für Leserinnen, die…

  • …ihre rosarote Brille in den Staub treten wollen.
  • …Parallelen zwischen Deutschland und Großbritannien ziehen.
  • …den langen, steinigen Weg zur Gleichheit der Geschlechter bis zu Ende gehen wollen.

Am besten kombiniert mit…

61g4da32myl-_sx329_bo1204203200_41yvZhbunsL._SX314_BO1,204,203,200_41ZIApnYwWL._SX299_BO1,204,203,200_Download (7)

(Neuerscheinung) Ja, ich habe meine Tage! So what?

Zum ersten Mal bin ich diesem Buch in der EMMA begegnet; diese hatte ein kleines Dossier zum Thema Menstruation und der nicht ganz neuen aber trotzdem topaktuellen freebleeding-Bewegung zusammengestellt. Teil dessen war auch ein Auszug aus dem Vorwort von „Ja, ich habe meine Tage! So what?“ – ein Buch, das ich daraufhin unbedingt lesen musste…

9783407864307Willkommen im Klub. Die Mitgliederzahl ist gigantisch hoch. Viele junge Gebärmutterträgerinnen müssen da durch, ohne genau zu wissen, was hier eigentlich vor sich geht. Und vor allem: was gegen dumme Sprüche hilft! Frech und unverkrampft verknüpft Skandinaviens bekannteste YouTuberin eigene Erlebnisse mit medizinischen Informationen und Tipps zu Tampons, Menstruationstassen & Co. Sie macht Mut, selbstbewusst mit dem eigenen Körper umzugehen, und verrät ihre besten Lifehacks, damit auch du aus deinen Tagen das Beste machen kannst.

So selbstbewusst, wie der Titel es proklamiert, konnte ich diesen Satz selbst leider nie aussprechen. Denn auch wenn ich verhältnismäßig offen mit meiner Menstruation umgehe, bin ich noch lange nicht so emanzipiert, wie ich es gerne wäre. Das Buch und sein Inhalt rennen bei mir also offene Türen ein, hinter denen sich seelische Zustände verstecken, die gerne mehr Rückgrat hätten. In ihrem Buch versucht die schwedische Video-Bloggerin Clara Henry also innere Menstruationshütten, in die sich auch westliche Frauen gerne mal verkriechen, wenn sie Monat für Monat wieder „unpässlich“ sind, einzureißen; damit die nächste Generation heranreifender Frauen sich gar nicht erst über unsichtbare Hürden kämpfen muss, sondern jeden Monat offen und selbstbewusst erklären kann: „Ja, ich habe meine Tage! So what?“

Dabei wendet sie sich vor allem an Jugendliche, vor und in der Pubertät, ebenso wie junge Erwachsene, die im Aufklärungsunterricht ähnliche Augenwischerei erlebt haben wie die Autorin selbst und denen daher wichtiges Grundwissen über den eigenen Körper fehlt, das es an dieser Stelle nachzuholen gilt. Ich las das Buch sowohl als interessierte Feministin, die eventuelle Wissenslücken füllen wollte und als potenzielle Mentorin einer neuen Generation von Frauen, die in einer Gesellschaft aufwachsen die alles daran setzt Frauenkörper von sich selbst zu entfremden. Mit jugendlich frechem Stil schreibt die 21-Jährige über ihre eigenen Erfahrungen während der allmonatlichen „Erdbeerwoche“, darüber wie sehr sie der schulische Aufklärungsunterricht enttäuscht hat, wann sie zum ersten Mal ihre Tage bekam und warum sie anfing darüber zu bloggen. In Schweden ist die Autorin übrigens trotz ihrer jungen Jahre eine Sensation und moderierte sogar im Rahmen der Vorauswahl für den Eurovision Song Contest.

Doch es geht in „Ja, ich habe meine Tage! So what?“ nicht nur um Clara Henry und ihre Menstruation, vielmehr leitet sie mit ihren persönlichen Erfahrungen Kapitel ein die alles abdecken von der ersten Menstruation, über Binden vs. Tampons, bis hin zu den Schattenseiten der Menstruation wie zum Beispiel PMS, Menstruationskrämpfe und der Autoimmunkrankheit Endometriose, die etwa jede 10. Frau betrifft und in schlimmen Fällen nur durch eine Hysterektomie in den Griff zu kriegen ist. Zu diesen und vielen weiteren Themen gibt Clara Henry mal mehr mal weniger ernst gemeinte Tipps, auch für etwas ältere Menstruierende, so zum Beispiel zum Sex während der Tage. Auch der feministische Ansatz kommt übrigens nicht zu kurz und Clara Henry hat trotz junger Jahre intelligente Einsichten über die sozialen Rollen von Männern und Frauen…

„Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Ein Unterschied ist, dass ein Mann ein Mann ist und eine Frau aus mehreren Körperteilen besteht (…) Und für jedes Körperteil existiert ein eigenes Ideal.“

Darüber hinaus ist das Buch an sich auch noch sehr ansprechend gestaltet, sprich liebevoll bebildert und rotzfrech illustriert 🙂

Was mir persönlich an diesem Buch nicht so gefallen hat, ist dass die Autorin sich samt und sonders nur auf ihr eigenes aus Erfahrungen stammendes Wissen bezieht. Nirgendwo wird erwähnt wie lang zum Beispiel eine durchschnittliche Periode ist, ein gewisses Grundwissen der Leserin wird also vorausgesetzt – hier sind Erwachsene im Umfeld des jungen Mädchens in der Pflicht Aufklärung zu leisten, so peinlich es ihnen auch sein mag. Lediglich der Abschnitt über Endometriose scheint recherchiert, darüber hinaus bin ich ein bisschen schockiert, dass ich als Leserin hier und da mehr weiß als die Autorin eines Buchs, das für sich selbst den Anspruch erhebt aufzuklären. Clara Henry hätte gut daran getan ab und zu über den Rand der eigenen Binde hinaus zu schauen, vielleicht sogar Verwandte, Freundinnen und Bekannte zu ihren Tagen zu befragen. Das jedoch hat sie bei all ihrem Enthusiasmus für das Thema leider auf ganzer Linie versäumt.

Insgesamt ist „Ja, ich habe meine Tage! So what?“ jedoch ein guter Anfang für diejenigen, die gerade erst in das Abenteuer Frau starten. Clara Henry begegnet ihren Leserinnen auf Augenhöhe und mit viel Humor, der das für viele Mädchen und Frauen schamhaft besetzte Thema angenehm auflockert. Sie animiert ihre Leserinnen dazu sich mit dem eigenen Körper und dem monatlichen Ereignis der Menstruation zu befreunden oder zumindest damit Frieden zu schließen, PMS und Menstruationskrämpfe als notwendige Übel zu begreifen und nicht länger zu schweigen, auch wenn andere manchmal etwas peinlich berührt sind. Für mentruationserfahrene Leserinnen hält „Ja, ich habe meine Tage! So what?“ allerdings wenig Neues bereit. Insofern empfehle ich es als Geschenk für Töchter, Nichten und kleine Schwestern, die lernen möchten, wie frau selbstbewusst mit ihrem Körper und seinem Zyklus umgeht.

Ja, ich habe meine Tage! So what? – Clara Henry – ISBN 978.3.407.86430.7

Für Leserinnen, die…

  • …dem pubertierenden Mädchen in sich etwas Gutes tun wollen.
  • …eine Schwester/Tochter/Nichte, an der Schwelle zum Frauwerden, haben.
  • …sich nicht länger für ihre Menstruation schämen wollen.

Literarische Nachbarinnen…

61g4da32myl-_sx329_bo1204203200_51JVoL3ZHNL._SX313_BO1,204,203,200_41yvZhbunsL._SX314_BO1,204,203,200_41rQUXYEoZL._SX324_BO1,204,203,200_

(Feminismen) Eine humorvolle Betrachtung des weiblichen Körpers…

Auf Sara Pascoes Autobiografie bin ich eher zufällig gestoßen, auf meiner Suche nach einem weiteren (hoffentlich) humorvollen Buch einer Comedyfrau nach dem Muster „Bossypants“, bzw. „Yes Please“, das es zu verschlingen gilt. Mit Sara Pascoe habe ich, was das angeht, (anders als mit ihrer Kollegin Miranda Hart) einen Volltreffer gelandet. Warum, wieso und weshalb (?) werde ich im Folgenden ausführlich erläutern… 😉

51JVoL3ZHNL._SX313_BO1,204,203,200_Take a funny and illuminating tour of the female body with award-winning comedian Sara Pascoe. Women have so much going on, what with boobs and jealousy and menstruating and broodiness and sex and infidelity and pubes and wombs and jobs and memories and emotions and the past and the future and themselves and each other. Here’s a book that deals with all of it. Sara Pascoe has joked about feminity and sexuality on stage and screen but now she has a book to talk about it all for a bit longer. Animal combines autobiography and evolutionary history to create a funny, fascinating insight into the forces that mould and affect modern women. Animal is entertaining and informative, personal and universal – silly about lots of things and serious about some. It’s a laugh-out-loud investigation to help us understand and forgive our animal urges and insecurities.

In ihrem Buch „Animal“ verbindet Sara Pascoe ihre Lebensgeschichte mit der humorvollen Betrachtung des weiblichen Körpers und allgemeinen Ansichten zu dessen Rolle in der Gesellschaft. Wie könnte sie es auch anders schreiben, schließlich ist sie eine Comedienne, ein Beruf in dem sie unaufhörlich daran erinnert wird, dass sie eine Frau ist, von ungehobelten Zuschauern, taktlosen Journalisten und Showproduzenten, die weiblichen Witzbolden nichts zutrauen und schon aus Prinzip weniger Gage zahlen. Trotz all dieser Widrigkeiten hat Sara Pascoe es geschafft, hat sich durchgeboxt und kann nun auf die erste Hälfte einer erfolgreichen Karriere zurückblicken. Diesen Rückblick teilt sie mit dieser Leserin, und ich habe ihren Monolog sehr genossen, oft gelacht, auch wenn wir ab und zu (besonders in feministischen Standpunkten) nicht ganz einer Meinung sind.

Sara Pascoes Art sich auf humorvolle Weise mit den Hürden des (weiblichen) Lebens auseinander zu setzen gefällt mir sehr. Ihr Humor ist typisch Britisch, trocken und pointiert, dabei aber nie albern oder klischeehaft. Insofern erinnert mich ihre Erzählstimme an die von Comedykollegin Tina Fey, die in ihrem Buch „Bossypants“ ebenfalls die Arbeit einer Frau in einer Männerdomäne thematisiert, wenn auch nicht ausschließlich. Sara Pascoe erzählt von ihren Anfängen, von Auftritten beim Fringe Festival in Edinburgh zum Beispiel, von herablassenden Kollegen und von einem Publikum, das sie nach und nach davon überzeugen konnte, dass Frauen doch Humor haben und zwar nicht zu knapp. Ich meinerseits habe sie noch nie witzeln gehört, ihre Autobiografie jedoch lässt mich mit der Überzeugung zurück ein echtes Comedytalent entdeckt zu haben.

„Animal“ liefert Feminismus light, gut verdaulich auch für thematisch bisher vollkommen unbeleckte Leserinnen. Insofern ähnelt es der Autobiografie von Caitlin Moran „How to Be a Woman“. Das allerdings ist die einzige Parallele, denn Sara Pascoes Kindheit und Werdegang unterscheiden sich von dem ihrer Medienkollegin, auch wenn sie die zwei Frauen zumindest literarisch ans gleich Ziel führten. Sara Pascoe schreibt über Themen, die von anderen popfeministischen Autorinnen oft gemieden werden und widmet zum Beispiel gleich ein ganzes Kapitel der wohl nervigsten Sache des weiblichen Lebens, Perioden. Wem das zu vulgär ist, für den ist „Animal“ nicht das richtige Buch. Doch ich persönlich hatte einen Heidenspass und viele Aha-Momente, besonders in den Passagen in denen Sara Pascoe die Theorien von Macho-Anthropologen zur Evolution des weiblichen Körpers auseinander nimmt.

„Animal“ ist ein Genre übergreifendes Buch, das in vielen Bücherregalen seinen perfekten Platz finden könnte. Wer Sara Pascoe von der Bühne kennt, den werden die autobiografischen Anteile ein besseres Bild über sie, ihre Themen und ihren Bühnenauftritt verschaffen. Wer sich, wie ich, gerne feministisch weiterbilden möchte und dafür eine weitere Stimme sucht, dem liefert Sara Pascoe eine eingängige Einleitung in den alltäglichen Kampf der Frauen um Anerkennung im Beruf, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Wer gerne lacht – da kann ich mich eigentlich auch dazu zählen – für den hält „Animal“ reichlich Pointen bereit, vor allem geht es dabei um die Strapazen des Frauseins, insofern lege ich diesen Aspekt des Buchs besonders potenziellen LeserINNEN ans Herz; man braucht einfach die Erfahrung einen Uterus zu haben, um über Menstruationswitze lachen zu können… Sorry Jungs!

Insgesamt macht die Lektüre von Sara Pascoes „Animal“ einfach nur richtig Spaß. Manchmal wird es natürlich auch ernst und wenn die Autorin so über Karrierehürden für Frauen und vom alltäglichen Sexismus (in Großbritannien, denn da kommt die Dame her) erzählt, kocht mir als Leserin und als Frau auch schon mal die Galle über. Doch zum größten Teil bleibt der Ton des Buchs lustig und humorvoll. Insofern baut sie mit ihrem Buch eine Brücke, die den traditionellen Feminismus á la Jessica Valenti mit seiner populären, bzw. mainstreamfreundlichen Version á la Caitlin Moran verbindet. Sie ist damit nicht die erste aber dafür ist sie in guter Gesellschaft und es gibt reichlich Lektüre mit der man sich weiter in das Thema einarbeiten kann. Ich für meinen Teil werde mich nun erst einmal in Richtung YouTube verabschieden um mich dort in Sara Pascoes Comedy-Inkarnation zu vertiefen.

Animal: The Autobiography of a Female Body – Sara Pascoe – ISBN 978.0.571.32522.1

Für Leserinnen, die…

  • …Humor und Feminismus nicht für unvereinbar halten.
  • …sich selbst nicht allzu ernst nehmen.
  • …die Mysterien des weiblichen Körpers mit Humor ergründen wollen.

Am besten kombiniert mit… 

51j10qkqfsl-_sx329_bo1204203200_51uUwTCUrVL._SX324_BO1,204,203,200_yespleaseBossypants_Cover_(Tina_Fey)_-_200px